Warum der FCZ und St. Gallen am Mittwoch spielen müssen

Musste das Heimspiel des FCZ aus der 6. Runde gegen den FC St. Gallen vorgezogen werden, weil der Computer das Leichtathletik-Meeting vergass?

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Kein plötzlicher Wintereinbruch in Sicht, kein Rockkonzert im Letzigrund und der FC Zürich spielt auch nicht europäisch. Trotzdem müssen die Zürcher ihr Spiel von der 6. Runde gegen den FC St. Gallen vorziehen und bereits am Mittwoch (19 Uhr) austragen. Im Spielplan vorgesehen war die Begegnung erst am 31. August.

Der Grund, warum die Partie vorgezogen werden musste, ist das Leichtathletik-Meeting «Weltklasse Zürich». Aber wie ist das möglich? Der Termin ist seit einem Jahr bekannt und der FCZ musste die Sperrdaten bis spätestens Ende April eingereicht haben.

«Natürlich haben wir das Meeting nicht vergessen. So dumm sind wir auch wieder nicht», sagt Philippe Guggisberg, Kommunikationschef der Swiss Football League, «aber leider haben wir den UBS Kids Cup, einen nachgelagerten Anlass, ausser Acht gelassen, der am Wochenende noch stattfindet. Aber es war klar unser Fehler.»

Der Fauxpas blieb nicht lange unbemerkt. Nicht einmal 24 Stunden nach dem frisch publizierten Spielplan am 20. Juni folgte die Korrektur. Ein Heimspiel unter der Woche um 19 Uhr ist für viele FCSG-Fans keine freundliche Kickoff-Zeit. Dem FCZ entgehen zudem wichtige Zuschauereinnahmen. «Wir haben alles Mögliche versucht, das war die einfachste Variante», sagt Guggisberg. «Unter Berücksichtigung aller relevanten Faktoren stellt der kommende Mittwoch das beste Ausweichdatum für das Heimspiel gegen den FC St.Gallen dar», bestätigt auch Finn Sulzer, Medienchef des FCZ. Varianten, Sonderwünsche, Sperrdaten – keine einfache Sache, alles unter einen Hut zu bringen.

Dateneingabe

Silvano Lombardo beginnt Anfangs April mit dem Zusammentragen der Daten für die kommende Spielzeit. Die Clubs und Stadionbetreiber müssen bis Ende April ihre Sperrdaten und Sonderwünsche an den Leiter Spielbetrieb der SFL jeweils für die ganze Saison eingeben. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Sperrdaten nicht nur einzelne Tage, sondern ganze Wochenenden und zum Teil mehrere Wochen am Stück umfassen.

Software

Es gab Zeiten, da reichte eine Flasche Wein, Snacks, ein Würfel, ein Bleistift und ein grosses Blatt Papier. Heute ist der Plan so komplex geworden, dass die Liga einen Computer stundenlang rechnen lassen muss, um das Kunstwerk zustande zu bringen, alle Sonderwünsche und Absprachen zu berücksichtigen und einen Plan auszuspucken. Allein für die höchste Spielklasse erhielt die Liga von den Clubs oder Stadionbetreibern über 100 Sperrdaten, an denen es nicht möglich ist, Spiele auszutragen. Den Planungsrahmen gibt der internationale Spielkalender vor. Clubwettbewerbe wie Champions- und Europa League, aber auch Fifa-Termine der Nationalmannschaft sind für die nationale Meisterschaft gesperrt.

Die Liga plant ihre 36 Runden um diese Sperrdaten herum. Aus Gründen der Fairness muss sie zum Beispiel auch beachten, dass Teams, die international im Einsatz stehen, nach einem Spiel zwei volle Ruhetage bis zur nächsten Begegnung zugestanden werden. Bei zum Beispiel drei Mannschaften in der Gruppenphase der Europa League (Spieltag: Donnerstag) würde das bedeuten, dass alle ihre Ligaspiele zwingend am Sonntag spielen müssten. Sämtliche Variablen werden im Computer eingespeist. Die Software errechnet daraufhin die Spielpläne. Das kann Stunden dauern. Und auch dann ist der Spielplan noch nicht fertig.

Fernsehen

Lombardo legt dem Teleclub die Spielpaarungen vor, die pro Runde zur Verfügung stehen. In intensiven Gesprächen mit dem Live-Broadcaster werden die Paarungen auf die pro Runde zur Verfügung stehenden Anspielzeiten verteilt. Nicht ins Detail bekannt und hochkomplex ist die Sublizenzierung des Pay-TV-Senders mit dem Schweizer Fernsehen. Beachten werden müssen immer die Restriktionen aus dem TV-Vertrag. Splitting der Runden auf zwei Tage (zwei Spiele am Samstag, drei am Sonntag). Gewisse Faktoren sind verhandelbar. Gewisse Faktoren wie Hochrisikospiele oder Auflagen der Behörden nicht.

Kontrolle

Was der Computer am Ende ausgerechnet hat, ist nicht in Stein gemeisselt. Der Plan wird manuell überprüft. Aber weder Mensch noch Maschine sind unfehlbar – das zeigte der Spielplan 2019/20.

Reihenfolge

In der Bundesliga gilt zum Beispiel noch, dass in der Hin- und Rückrunde dieselbe Reihenfolge der Partien gilt, nur mit getauschtem Heimrecht. Diese Regel wurde in England oder Frankreich zugunsten der Spannung bereits verworfen. In der Ligue 1 etwa müssen nur sechs Begegnungen zwischen Hin- und Rückspiel liegen. Diese Revolution liegt auch in Deutschland in der Luft.

In der Super League ist das mit den vielen Sonderwünschen und Mantelnutzungen gar nicht möglich. Selbst der Wechsel Heimspiel, Auswärtsspiel, Heimspiel usw. ist nicht ausnahmslos machbar.

Erstellt: 12.08.2019, 16:42 Uhr

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