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Was der Druck mit uns macht

Sportler spüren ihn ganz besonders – auch weil sie als Stars und nicht als Privatpersonen wahrgenommen werden.

Druck: Wie wir damit umgehen, wie er uns kaputt machen kann, wie unterschiedlich wir darauf reagieren. Bild: Screenshot Twitter.
Druck: Wie wir damit umgehen, wie er uns kaputt machen kann, wie unterschiedlich wir darauf reagieren. Bild: Screenshot Twitter.

Sie haben sich bei einem Abendessen im kleinen Kreis getroffen, eine Frau, die in ihrer Sportart alles gewann, was man gewinnen kann, weltweit die Beste, ein Mann, der nicht so gut war, aber in seiner Sportart zu den Besseren in Deutschland gehörte.

Es geht nicht um ihre Namen, die Begegnung war zufällig, es geht, worüber die beiden an diesem Abend bis tief in die Nacht gesprochen haben, es geht um Druck, den wir alle immer wieder spüren, und Sportler besonders. Wie wir damit umgehen, wie er uns kaputt machen kann, wie unterschiedlich wir darauf reagieren.

Die Frau hielt es damals, sie war noch jung, nicht mehr aus, mitten in ihrer Saison hörte sie auf, niemand verstand es. Wie kann sie nur? Sie, die doch so erfolgreich ist, das Idol eines Landes. Alle wollten etwas von ihr, die Medien, die Sponsoren, aber es machte ihr immer mehr Mühe, sie wollte mal ein Training auslassen, es wurde ihr untersagt.

Obwohl einige spürten, dass sie in ein Burn-out lief, das Wort kannte man damals noch gar nicht, fand sie keine Unterstützung. Sie glaubte, mit ihrem Rücktritt die Leute aufschrecken zu können und zu bewirken, dass Sportler besser geschützt werden. Nichts geschah. Sie wollte beliebt sein und allen gerecht werden. Schon kurze Zeit nach ihrem Rücktritt merkte sie, dass sie nicht als Privatperson wahrgenommen wurde, sondern nur als ehemaliger Superstar.

Der Mann, mit dem sie sich an diesem Abend traf, musste hart arbeiten, damit er sich in seinem Fach behaupten konnte. Früh hatte er Probleme mit Beinen und Hüften, er liess sich oft spritzen, versteckte seine Schmerzen. Er hat auf die Zähne gebissen, weil er seinen Beruf so liebte, sich starkgeredet und auf Kritik nach einer schlechten Leistung arrogant und uneinsichtig reagiert. Er setzte sich selber unter Druck und sagte sich: Niemand hat das Recht, mich anzugreifen, ich tue alles Erdenkliche dafür, dass ich Leistung bringen kann. Er sagt sich noch heute: Du musst nicht geliebt werden in dieser Scheinwelt, du musst dich nur selber lieben.

Nach diesem Abend ging mir die tragische Geschichte des früheren Torhüters Robert Enke durch den Kopf. Der deutsche Journalist Ronald Reng, der sein Freund war, hat ein Buch darüber geschrieben, «Ein allzu kurzes Leben», und er sagte mir: «Robert war ein fürsorglicher, warmherziger und sensibler Mensch. Er hat die Kraft dafür verbraucht, sein Leiden vor uns zu verstecken.» Enke hatte sich vor neun Jahren unter einen Zug geworfen. Er sah den Tod als einzigen Ausweg aus seiner Krankheit.

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