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«Was ist schon normal?»

Stuttgart-Spieler Andreas Beck (links), hier noch im Dress von Besiktas Istanbul.

Andreas Beck, geben Sie uns doch mal eine Gebrauchsanweisung für Besiktas. Das Team verkörpert ja etwas, was im Fussball immer seltener wird: Es hat einen Altersschnitt von über 30. Zufall oder Strategie?

Der FC Bayern trifft also auf eine Art All-Star-Auswahl, auf Spieler, die mit allen Wassern gewaschen sind: auf die Portugiesen Pepe und Quaresma, den Brasilianer Vagner Love, den Spanier Negredo, den Chilenen Medel, den Holländer Babel.

Als die Auslosung kam, haben viele in Deutschland gesagt: Freilos!

Ist das wirklich so? Man hat ja noch die Bilder vor Augen, wie sich der Leipziger Timo Werner beim Vorrundenspiel in Istanbul die Ohren zuhalten musste.

Die Atmosphäre schüchtert ein, weil auch ein bisschen Aggression mitschwingt?

Wie haben Sie die Szene mit Timo Werner verfolgt, der dann sogar ausgewechselt werden musste?

Angeblich hält die Arena sogar den Dezibel-Weltrekord unter den Stadien: 141.

Nicht zu kommen, erlaubt man sich also nur einmal.

Erwarten Sie Besiktas beim Hinspiel in München defensiver, weil sie auf ein gutes Ergebnis fürs Rückspiel spekulieren?

Was erwartet die Stadt München nun im Hinspiel? Offiziell dürfen keine Auswärtsfans mit, beim Champions-League-Spiel in Leipzig waren sie aber plötzlich da.

Wie gross ist das Hooligan-Problem im türkischen Fussball?

Als Sie in der Türkei waren, war es dort politisch sehr unruhig. Welche Rolle spielt der Fussball dabei?

Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Wie haben Sie als Fussballprofi aus dem Ausland diesen Zusammenhalt gespürt?

Wie haben Sie das damals mitbekommen?

Kann man solche Dinge einfach abschütteln? Man fährt dann einfach wieder über diese Brücke zum Training?

Wie sehr war all das Thema im Team? Spieler wie Mario Gomez haben die Stadt ja auch deshalb verlassen, weil sie ihren Familien die Gefahr nicht zumuten wollten.

Besiktas gilt als politischer Klub. Welche Rolle spielt er in den aktuellen Debatten?

Es heisst, der Stadtrivale Fenerbahce sei der favorisierte Klub von Staatspräsident Erdogan. Merkt man das als Spieler?

Es gab vor acht Jahren einen grossen Manipulationsskandal im türkischen Fussball, es gab Punktabzüge und Sperren für internationale Wettbewerbe. Denkt man als Spieler manchmal automatisch darüber nach, ob alles mit rechten Dingen zugeht?

Man lernt also, nicht nur die politischen, sondern auch die sportlichen Nebengeräusche auszublenden?

Heisst: Wenn man vorne liegt und das Territorium zu verteidigen hat, wird erst recht das Haar in der Suppe gesucht?

Wenn ein Kollege auf Sie zukäme und sagen würde: Du, ich habe ein Angebot aus Istanbul - was würden Sie empfehlen?