Was Uli Hoeness im Gefängnisbett zu Tränen rührte

Der ehemalige Präsident des FC Bayern München hielt für Jupp Heynckes eine ergreifende Laudatio und gewährte einen tiefen Einblick in die schwerste Zeit seines Lebens.

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Es war der erste öffentliche Auftritt ausserhalb Münchens von Bayerns ehemaligem Präsidenten Uli Hoeness nach seiner Haftstrafe von 637 Tagen, die er wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe hatte absitzen müssen. Bei der Verleihung des Ehrenrings der Stadt Mönchengladbach war er neben Jupp Heynckes der zweite prominente Ehrengast, um die Laudatio für seinen ehemaligen Erfolgstrainer in München zu halten.

Eingangs seiner ergreifenden Laudatio hatte Hoeness den Zuhörern einen tiefen Einblick in die schwerste Zeit seines Lebens gewährt. Gladbachs Vizepräsident Rainer Bonhof habe ihm handgeschriebene Briefe ins Gefängnis geschickt. «Ich habe beim Lesen mit Tränen in den Augen in meinem Bett gesessen», verriet der 64-Jährige. Gemeinsam mit Bohnhof hatte Hoeness 1974 mit Deutschland den WM-Titel im eigenen Land gewonnen.

Als junger Manager Gladbach die Spieler geklaut

Hoeness erzählte im Weiteren, dass ihm Heynckes zum 63. Geburtstag im Januar 2015 ein selbst gedrehtes Video geschenkt habe. «So etwas Emotionales habe ich noch nie gesehen.» In dieser schwierigen Zeit hätten ihm seine Familie und viele Freunde geholfen. «Jupp Heynckes war ganz vorne.»

Es habe ihn schon gewundert, dass er vor allem aus Mönchengladbach so viel Unterstützung erhalten habe. «Wenn man weiss, dass ich als junger Manager Gladbach einige Spieler geklaut habe, verwundert das schon.»

«Du hast gesagt: ‹Diesen Deppen werde ich es zeigen›»

Dann hielt Hoeness seine ergreifende Laudatio über Heynckes, der den Ehrenring für seine herausragenden Verdienste um die sportliche Bedeutung der Stadt Mönchengladbach erhielt. «Du bist ein Vorbild an Einsatz, Willen und Menschlichkeit. Ich möchte mich vor deinem Lebenswerk verneigen», sagte Hoeness. Und blendete zurück, als er 2013 in der Winterpause seinem damaligen Trainer Jupp Heynckes eröffnete, dass Pep Guardiola nach München kommen werde.

«Du warst sauer, verständlicherweise, aber du hast nicht verzagt. Du hast gesagt: ‹Diesen Deppen werde ich es zeigen.› Und dann hast du gekämpft.» Und wie: Heynckes schaffte in der damaligen Saison das, was sein Nachfolger Pep Guardiola bisher noch nicht geschafft hat. Er holte nämlich das Triple und hinterliess dem Katalanen ein schweres Erbe.

Erstellt: 15.03.2016, 10:51 Uhr

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