«Wenn der Körper mehr Zeit braucht, ist es so»

Kariem Hussein fragt sich, ob er 2019 noch WM-würdig laufen kann.

Sitzt enttäuscht auf der Bahn: In seinen sieben Saisonrennen ist Kariem Hussein zweimal unter 50 Sekunden geblieben.

Sitzt enttäuscht auf der Bahn: In seinen sieben Saisonrennen ist Kariem Hussein zweimal unter 50 Sekunden geblieben. Bild: Alexandra Wey/Keystone

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Bald eineinhalb Jahre ist es still um den Hürden-Europameister von 2014 – zumindest was sportliche Höchstleistungen betrifft. Ruhig war es aber um Kariem Hussein in dieser Zeit nie: Nach einer schweren Verletzung im Gesässmuskelbereich brach er die Saison 2018 im Frühling ab, beendete ein paar Monate später sein Medizinstudium und entschloss sich dann, seinen alten Wunsch nach neuem Umfeld umzusetzen. Also: Wechsel mit Trainer Laurent Meuwly nach Papendal in den Niederlanden.

Seither übt sich der 30-Jährige in Geduld. Im Aufbau, mit dem Körper, im Training, mit Erwartungen, mit Zeiten – und das mit den Welttitelkämpfen von Ende September in Doha vor Augen.

Siebenmal ist Hussein in dieser Saison über 400 m Hürden gestartet, zweimal blieb er dabei unter 50 Sekunden. Bei einer Bestzeit von 48,45 ist das eine Annäherung an das frühere Niveau, mehr nicht. Bei einer WM-Limite von 49,30 aber immerhin der Hoffnungsschimmer, diese bei einem der nächsten Starts zu schaffen. Die erste Chance hat er morgen Freitag an den Schweizer Meisterschaften auf der Schützenmatte in Basel.

Es ist wie beim Kochen

Hussein tönt fast ein wenig trotzig, wenn er sagt: «Es war klar, dass ich lange brauche, um zurückzukommen. Und ja, ich bin noch nicht schnell, aber ich kann das einordnen.» In gewissen Trainings fühle er sich sehr gut, topfit wie in den besten Zeiten. «Aber irgendwo fehlt es.» Er macht einen Vergleich mit einem ganz anderen Bereich: «Vielleicht ist es wie beim Kochen. Man hat ein Rezept, immer die gleichen Zutaten, und doch wird das Gericht nicht jedes Mal gleich.» Auf den Sport übertragen, heisst das für ihn: Vielleicht macht es einmal Klick, vielleicht fehlt nur ein Prozent, und schon sieht eine Leistung anders aus.

Erst im Mai hat Hussein mit Sprinttraining begonnen – zum gleichen Zeitpunkt, als der Katarer Abderrahman Samba in Shanghai in 47,27 einen ersten Massstab für die WM-Saison setzte. Bei ihm sei es der erste Block gewesen, um überhaupt in die Saison zu finden, zu gesunden, sagt Hussein. Dass die Konkurrenz mittlerweile enteilt ist, mag er nicht kommentieren. Er klammert sich an die WM, ans Ziel Grossanlass, es sind die Rennen, in denen er meist glänzte. Vor zwei Jahren schaffte er es in London mit Glück in den Final, wo er Achter wurde. «Ja, ich brauche die Limite, ich will wieder dorthin», sagt er. Und schränkt sich gleich selber wieder ein: «Wenn der Körper aber mehr Zeit braucht, dann ist es so.»

Anzeichen, dass dem so ist, gibt es. Auf die Team-EM beispielsweise verzichtete er. «Ich mache, was für mich stimmt», sagt er. «Spüre ich, dass der Körper nach Reserven sucht, ist das das Zeichen, dass ich mich an der Grenze bewege.» Einen Dämpfer hat ihm das Rennen beim Citius-Meeting in Bern versetzt, als er nicht über 49,95 hinauskam. Lakonisch sagte er danach, so gehöre er bei Weltklasse Zürich nur ins Vorprogramm.

Erstellt: 22.08.2019, 16:41 Uhr

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