Wenn Ludovic Magnin den Kooki macht

Der FCZ-Trainer verteidigt vor dem Spiel gegen St. Gallen seine Philosophie.

Will mit dem FCZ offensiv bleiben: Ludovic Magnin. Foto: Keystone

Will mit dem FCZ offensiv bleiben: Ludovic Magnin. Foto: Keystone

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Wer mit Ludovic Magnin zusammensitzt, kann darauf wetten: Eine Episode von früher hat er immer auf Lager. Ganz gern ist es eine, in der Lucien Favre vorkommt, der von ihm verehrte Landsmann aus Echallens, oder er erinnert fast so gern an seine Bundesligazeiten in Bremen und Stuttgart.

Jetzt ist es der Tag vor dem Spiel gegen den FC St. Gallen. Dieses Spiel ist die schnelle Chance, auf die Enttäuschung am Sonntag gegen Xamax zu ­reagieren. Der FCZ schaffte es gegen zehn Neuenburger, in der 94. Minute einen Vorsprung zu verspielen. Nach dem 2:2 klebt er unverändert auf dem letzten Tabellenplatz. Das ist kein sportliches Drama, es sind erst vier Runden gespielt, YB hat als Leader erst acht Punkte Vorsprung. Und doch weiss Magnin: «Mit ­jedem negativen Resultat wird der Druck grösser.»

Seit eineinhalb Jahren ist er Trainer des FCZ, seit dem 21. Februar 2018 genau. Er war damals der Neuling, der von den Chefs im Verein mit salbungsvollen Worten eingeführt wurde. «Es ist ein Glück, dass wir in Magnin einen Trainer mit sehr grossem Potenzial bei uns haben», verkündete Ancillo Canepa als ­Präsident. Magnin gewann drei Monate später den Cup und konnte sich im folgenden Herbst an der Europa League erfreuen.

27 Spiele, 6 Siege

Es sah schön aus, bis es dann einfach nicht mehr weiterging, im Gegenteil. Seit dem vergangenen November hat Magnin mit dem FCZ in der Meisterschaft noch 6 von 27 Spielen gewonnen. Er kennt die Statistik, er sagt: «Eine solche Zahl kann man nicht verteidigen.»

Magnin geht offen mit der Situation um, er versucht gar nicht erst, etwas schönzureden, was nicht schönzureden ist, etwas ändern zu wollen, was nicht zu ändern ist. Darum sagt er auch: «Wir stehen da, wo wir es verdient haben zu stehen.» Zwei Punkte aus vier Spielen, neun Gegentore, so viele wie keiner sonst in der Liga – für Magnin heisst das, dass er weniger zum Schlafen kommt, weil er sich ­tausend Gedanken macht, wie er die Situation verändern kann. Die Stunden, die er in die Arbeit investiert, will er nicht zählen. Lieber ist er der Kämpfer, der er schon als Spieler war – als Spieler, der schon oft beerdigt war und doch immer wieder das Grab öffnen konnte. So sagt er das an diesem Dienstag.

Im Idealfall könnte es für den FCZ anders aussehen, wenn er aus seinen guten Phasen mehr gemacht hätte. Aber er verlor gegen Lugano 0:4, spielte in Luzern nur 0:0 und profitierte weder beim 1:3 in Sitten noch gegen Xamax von einem Platzverweis des Gegners und einem Elfmeter. «Copy and paste», sagt Magnin zu den letzten beiden Spielen, die sich in Ablauf und Ertrag für den FCZ verdächtig glichen.

Erinnerung an Echallens

Im letzten Matchprogramm liess Canepa die Öffentlichkeit wissen: «So weit kommt es noch, dass wir den Schwanz einziehen und auf öffentlichkeitswirksame ‹Bescheidenheit und Demut› ­machen.» Auch Kooki, sein Hund, ziehe vor einem grösseren Hund den Schwanz nicht ein.

Magnin macht nun den Kooki und betont, dass er nichts an seinem Fussball ändern mag, nichts an seiner Philosophie. Die Mannschaft soll weiter den schönen, den offensiven Fussball pflegen, er will nicht, dass sie mit zehn Mann verteidigt wie Xamax: «Wir haben nicht die Spieler, welche die Geduld aufbringen, wenig den Ball zu haben und auf ­Konter zu spielen.» Natürlich, den ­«dreckigen Sieg», wie er das nennt, den würde er heute gegen St. Gallen zwar sofort akzeptieren. Aber es ist nicht sein Ziel, so zu gewinnen. Er kann nicht aus der Haut: «Ich habe mir immer geschworen, ich will ich selbst bleiben. Ich bin vielleicht dickköpfig, aber ich bin überzeugt, dass wir aus dieser Situation ­herauskommen werden.»

Die Frage darum ist, woher seine Lust kommt, diesen Fussball spielen zu lassen. Und als er sie hört, antwortet er mit einer Episode aus seiner Jugend. Er war der kleine Ludo, der mit dem Ball auf dem Gepäckträger zum Fussballplatz neben dem Bahnhof von Echallens radelte, diesem Dorf hinter Lausanne. Auf dem Platz wollte er den Ball nicht hergeben, «es war für mich undenkbar, dass ich ihn freiwillig dem Gegner überlasse», sagt er, «dafür liebe ich dieses Ding zu sehr».


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Erstellt: 14.08.2019, 14:41 Uhr

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