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Wenn selbst der Mahner schwärmt

FCZ-Sportchef Thomas Bickel sieht im 3:2 gegen Leverkusen die Bestätigung, dass der Club mit seiner Strategie richtig liegt.

Bickel erlebte einen «Abend zum Geniessen». Foto: Dominique Meienberg
Bickel erlebte einen «Abend zum Geniessen». Foto: Dominique Meienberg

Manchmal gibt es Fussball­abende, an denen im Letzi­grund selbst die Leichtathletikbahn nicht stört. Draussen ist die ­Polizei sichtbar in Bereitschaft, drinnen aber wird gesungen, ­getanzt und gejubelt, «ein Abend zum Geniessen», bilanziert ­Thomas Bickel.

Das 3:2 des FC Zürich gegen Bayer Leverkusen sorgt für Hochstimmung bei allen mit ­Zuneigung für Blau-Weiss. Da gerät selbst der Sportchef ins Schwärmen, der sonst zur Zurückhaltung neigt und dazu, die Spieler «runterzuholen», wenn sie in Gefühlen überborden. Aber jetzt? Jetzt sagt er: Vorbereitung, Auftritt, Mentalität – alles top.

Nur eines fragt er sich: «Was muss man noch machen, damit die Zuschauer in Massen kommen?» Letzten Samstag spielte der FCZ gegen YB 3:3, es war ein begeisternder Kampf und für Bickel eigentlich beste Werbung für dieses Spiel gegen Leverkusen. 12’000 kommen schliesslich in den Letzigrund, zur Hälfte bleibt er leer. Immerhin treten die Zuschauer den Beweis an, dass es noch immer genug sind, um das Stadion mit Atmosphäre zu füllen. Und dass sie mitgerissen werden, liegt am Auftritt dieses FCZ.

«Dann macht es päng!»

Der Club ist von Selbstvertrauen geprägt, von Zutrauen, von Moral vor ­allem. Denn am stärksten ist er, als er auf den Durchhänger und die beiden schnellen Gegentore vom 1:0 zum 1:2 nach der Pause reagieren muss. Es ist diese ­Reaktion, die Bickel sagen lässt: «Die Mannschaft macht Fortschritte. Sie entwickelt sich.» Und hat das grosse Glück, dass Leverkusen in der 94. Minute ein reguläres Tor aberkannt wird.

Den Sieg gegen den respektierten Bundesligisten mit dem zehnfachen Budget sieht Bickel als Teil des Prozesses und einer Strategie, die im Verein alle ­mittragen würden und die auch dann für Ruhe sorge, wenn von aussen das eine oder andere ­hinterfragt werde. Jüngst waren da eben die Fragen, ob das Kader nicht zu gross oder falsch zusammengestellt sei. Und da war die Statistik mit nur zehn Toren nach zehn Runden.

«Ja», sagt Bickel, «wir haben zwei Stürmer verloren. Und dann? Dann macht es päng!, und die nächsten kommen. Das ist doch gut.» Um die 9 Millionen Franken brachten die Verkäufe von Dwamena und Frey ein: Das ist Geld, das der FCZ braucht, um sich zu finanzieren, und das sind Transfers, die gut für sein Image sind, weil der eine Spieler in Spanien gelandet ist und der andere bei einem türkischen Grossclub.

Bickel erzählt von Ludovic Magnin, wie der als Trainer die Strategie mitträgt, diese Arbeit mit Jungen, und darum nie forderte, er brauche noch den Spieler oder den. Magnin akzeptiert das Denken des Vereins vom ersten Tag an: «Lieber kein Transfer als einer aus Verzweiflung», wie es Bickel umschreibt.

Offensive Unterhaltung

Acht Tore hat der FCZ nun in seinen letzten drei Spielen erzielt. Das tönt auf einmal nach dem, was die Chefs sehen möchten: Unterhaltung, Offensivfussball. Dagegen stehen die sieben Gegentore gegen Thun, YB und Leverkusen, doch die lassen sich verkraften, wenn die Geschichte so endet wie am Donnerstag.

Morgen geht es weiter in der Meisterschaft beim FC St. Gallen und drei Tage später im Cup gegen Red Star. Gerade das Spiel gegen den kleinen Nachbarn ­bietet sich als Falle an, in die man tappen kann, wenn man den Kopf wegen eines Erfolgs wie gegen Leverkusen zu hoch trägt. Keine Angst, meldet Antonio Marchesano, «wir sind bereit, wir werden die gleiche Einstellung haben wie gegen Leverkusen».

Bickel hört das gern. «Es tut gut, der Sache nicht zu trauen, wenn es gut läuft», sagt er noch, bevor er sich zum Gespräch mit Adrian Winter zurückzieht.

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