Wer hat Angst vor der Südkurve?

Der Abstieg des FCZ wertet zwar die Challenge League auf – aber hat sie ab kommender Saison auch eine Hooligan-Kultur?

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Auf den Frust folgte das Chaos. Vermummt stürmten enttäuschte FCZ-Anhänger die Katakomben des Letzigrunds, nur mit viel Mühe konnten sie vom Sicherheitspersonal wieder ins Freie gedrängt werden. Der ehemalige FCZ-Aussenverteidiger Florian Stahel, Medienchef Patrick Lienhart und Trainer Uli Forte flüchteten zuvor vor dem wütenden Mob.

Frust nach dem Abstieg: FCZ-Chaoten stürmen den Kabineneingang.

Bilder, die insbesondere die Verantwortlichen der Challenge-League-Clubs beunruhigt haben dürften. Denn ab kommender Saison haben sie die Südkurve im eigenen Stadion und sind dann dafür zuständig, dass sich die gestrigen Szenen nicht wiederholen. In Provinzen wie Baulmes oder Wohlen sicherlich kein Selbstläufer – wenn man schon im Letzigrund überfordert war.

Dreimal so viel Security

Lucien Tschachtli, Präsident vom FC Wohlen, winkt ab: «Mit FCZ-Fans haben wir schon unsere Erfahrungen gesammelt, schliesslich durften wir sie in dieser Saison bereits im Cup empfangen.» Beim 0:1 gegen die Stadtzürcher habe es auch keine grösseren Probleme gegeben. Vielmehr rechnet er mit einem massiv höheren Zuschaueraufmarsch als bei einem durchschnittlichen Challenge-League-Spiel. «Das dürfte wohl Dimensionen wie bei einem Derby gegen den FC Aarau annehmen», sagt Tschachtli und ergänzt: «Also rund 4500 Zuschauer.»

Schöne und weniger schöne Cuperlebnisse des FCZ.
Von: Stefanie Hasler

Das grosse Geld wird Wohlen mit den FCZ-Fans jedoch nicht machen, immerhin müssen die Sicherheitsmassnahmen erhöht werden. «Von unserer internen Security werden wir wohl dreimal so viel Personal aufbieten müssen als sonst. Dazu werden wir von der Kantonspolizei Aargau unterstützt», erklärt der FCW-Präsident. Dabei werden die Einsatzstunden pro Heimspiel abgerechnet, und der Verein zahlt einen mit dem Kanton vordefinierten Prozentanteil.

«Wir sind bereit»

Anders sieht das Andreas Mösli, Geschäftsleiter vom FC Winterthur: «Ich gehe davon aus, dass wir mit den Spielen gegen den FCZ durchaus etwas verdienen werden – auch wenn natürlich die Sicherheitsvorkehrungen höher sein werden als bei einem Spiel gegen Le Mont.» Möslis Hoffnung, die Schützenwiese mit 9400 Zuschauern in den beiden Kantonsderbys zu füllen, kommt nicht von ungefähr: «Im Raum Winterthur gibt es viele FCZ-Sympathisanten, die Fanlager kennen sich untereinander. Ausserdem schätzen sie es, dass mal wieder ein Derby in einem richtigen Fussballstadion ausgetragen wird.»

Letzteres könne sogar die Krawallbereitschaft der Gästefans senken: «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Nähe zum Spielfeld und der gut ausgebaute Gästesektor eine beruhigende Wirkung auf den Gästefan haben.» Hinzu komme, dass der FC Winterthur in Sachen Fanbasis und Historie keine Konkurrenz für den zwölffachen Schweizer Meister sei.

Mit dem Ernstfall rechnet keiner

Auch bei der Liga blickt man der anstehenden Spielzeit in der Challenge League, mit Teams wie Servette, Xamax, FCZ, Aarau und dem neureichen FC Wil wohl so attraktiv wie noch nie, gelassen entgegen. Die Sicherheit wird bei der Lizenzvergabe jährlich genau überprüft, nur wer Auflagen erfüllt darf in die Saison starten. Dennoch werde man das Konzept mit Teams wie Le Mont oder Wohlen nochmals durchgehen, bestätigt ein Sprecher.

Schon länger Gedanken zu einem möglichen Abstieg des FCZ hat sich die Stadtpolizei Winterthur gemacht, wie der «Landbote» schrieb. «Das Sicherheitsdispositiv wird wie bei jedem anderen Risikospiel angepasst», sagte Sprecher Peter Gull. Mit einem Ernstfall rechnen weder die Polizei noch der FC Winterthur. Denn die Erfahrungen aus den Cupspielen gegen Teams wie den FC Basel lassen für den Winti-Boss nur einen Schluss zu: «Wir sind bereit und freuen uns auf den FCZ.»

Erstellt: 28.05.2016, 09:22 Uhr

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