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Wie die Schweizer Rakete in der zweiten türkischen Liga landete

Innocent Emeghara war einmal Nationalspieler, jetzt ist er 30 und spielt in Istanbul. Das passt zur Geschichte des Abenteurers.

Einer ist zweifacher Champions-League-Sieger, der andere spielt in der zweiten türkischen Liga. Xherdan Shaqiri und Innocent Emeghara bei der Schweizer Nationalmannschaft.
Einer ist zweifacher Champions-League-Sieger, der andere spielt in der zweiten türkischen Liga. Xherdan Shaqiri und Innocent Emeghara bei der Schweizer Nationalmannschaft.
Keystone

Sich hinterfragen? Hadern? Etwas bereuen? Innocent Emeghara schaut auf. Sein Blick verrät: Solche Gedanken mache ich mir nicht. «Es ist, wie es ist», sagt er und wirkt ganz entspannt.

Emeghara ist der Fussballer, der in seiner Karriere schon immer schnell unterwegs war. Auf und neben dem Platz. Mit seinem Tempo überforderte er manchen Gegner, zuweilen aber auch sich selber, wenn er vor lauter Geschwindigkeit den Ball nicht mehr kontrollieren konnte. Und in hoher Kadenz wechselte er auch die Clubs.

30 ist er inzwischen, derzeit in Istanbul, Fatih Karagümrük Spor Kulübü heisst sein Arbeitgeber, 2. türkische Liga, Mittelfeld der Tabelle. Seit August lebt er in der Metropole am Bosporus, und die Bühne ist keine herausgeputzte Arena, sondern ein Kleinstadion, 6500 Plätze, es liegt mitten in einem Wohnquartier. Seine Zwischenbilanz: 17 Einsätze, 5 Tore.

Bemerkenswerte Reise

Als Emeghara vom Interesse Karagümrüks vernimmt, hat er schon eine bemerkenswerte Reise hinter sich. Ende August 2011 ist er losgezogen von GC nach Frankreich. Lorient ist seine erste Station im Ausland. Christian Gourcuff, sein Trainer, habe ihm gesagt: «Du brauchst Geduld und das richtige Timing, dann bist du einer für Chelsea.»

Emeghara debütiert wie Granit Xhaka oder Admir Mehmedi am 4. Juni 2011 im Nationalteam, als die Schweiz in England ein 2:2 holt.

Emeghara ist hungrig, er will sich präsentieren. Zum Beispiel bei Olympia 2012. Sein Trainer in Lorient warnt ihn aber: «Wenn du gehst, spielst du bei mir nicht mehr.» Der Stürmer mit nigerianischen Wurzeln denkt: «Der redet jetzt einfach so.» Und geht nach London. Als er nach Frankreich zurückkehrt, merkt er: Der Trainer hat nicht einfach so geredet. Er will Emeghara nicht mehr.

Das Verhängnis? Innocent Emeghara jubelt mit Pajtim Kasami an Olympia. Sein Trainer wollte das nicht. (Bild: Keystone/Roger Parker)
Das Verhängnis? Innocent Emeghara jubelt mit Pajtim Kasami an Olympia. Sein Trainer wollte das nicht. (Bild: Keystone/Roger Parker)

Der Stürmer geht. Nach Italien. Aber 2014 ist er auf einmal ohne Verein. Neun Länderspiele hat er bestritten, alle unter Ottmar Hitzfeld, das letzte im März 2013 auf Zypern.

Was nun? Aus dem fernen Aserbeidschan bekommt er ein Angebot, das allein deshalb reizvoll ist, weil die Zahlen stimmen. Vier Monate später ist er bereits wieder weg und nun in den USA. Das Leben in San José ist gut, «eine einmalige Erfahrung», sagt Emeghara. Auch wenn er oft verletzt ist: Er findet, dass sich der zweijährige Abstecher gelohnt hat. 2017 sucht er wieder einen Club, diesmal dauert das mehrere Monate. Schliesslich landet er in Zypern. 2019 gehts noch einmal nach Aserbeidschan, der finanziellen Verlockung kann er nicht widerstehen. Und wie lange plant er nun in Istanbul zu bleiben? Die Antwort besteht aus einem Achselzucken.

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Video: Emeghara zaubert in den USA

Für San José erzielte der Schweizer auch einmal ein Traumtor. (Video: Comcast/Sportsnet)

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Winterthur, seine Heimat

Emeghara macht keinen unzufriedenen Eindruck. Es ist halt, wie es ist. «Vielleicht», sagt er, «hätte ich in Lorient bleiben sollen.» Und: «Wenn ich auf die Olympischen Spiele verzichtet hätte, wäre die Karriere wohl anders verlaufen.»

Regelmässig fliegt er von Istanbul in die Schweiz, Winterthur ist seine Heimat. Und mehr als einmal hat er gleich am Tag seiner Rückkehr eine Busse eingefangen, weil er geblitzt worden ist. «Dann denke ich jeweils: willkommen zu Hause», sagt er. Und grinst. In Istanbul setzt er sich nicht selber hinters Steuer. Das ist ihm dann doch zu riskant. Er nimmt lieber ein Taxi.

Er würde gerne vor dem Ende seiner Karriere noch einmal für den FC Winterthur spielen. Und Winterthur wird sein Rückzugsort bleiben. Aber zwischendurch muss er raus in die Welt, «sonst wird es zu eintönig». Es würde auch überraschen, wenn der Abenteurer plötzlich sesshaft würde.

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