Wie erloschene Kerzen

Der FCZ verliert gegen YB eine sonderbare Partie 0:4, denn lange Zeit sind die Zürcher besser – dann brechen sie ein und lassen sich hängen.

Nichts geht mehr: Der Zürcher Pa Modou mag gar nicht mehr hinschauen.

Nichts geht mehr: Der Zürcher Pa Modou mag gar nicht mehr hinschauen. Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Am Anfang stand die Hoffnung. Wieder einmal YB bezwingen. An Selbstvertrauen gewinnen. Einen schönen Sonntag erleben. Eine Seltenheit dieser Tage beim FCZ. Die Kraft der Hoffnung sah man von Beginn weg, keinen Fingerbreit wollten die FCZ-Spieler von dieser preisgeben. Sie warfen sich in die Schüsse, plagten die Berner mit harten Zweikämpfen und spielten Fussball. Ganz ordentlich sogar. Sie hatten Chancen. Ganz vorzügliche auch. Schönbächler hätte zum 1:0 treffen müssen, traf aber nur die ­Latte. Marchesano und Ceesay wären Torschützen gewesen, hätte ihnen der Schuft Konjunktiv nicht im Wege gestanden.

Darum stand es am Ende 4:0 für YB, und Trainer Gerardo Seoane lobte die eigene Effizienz. YB-Captain Fabian Lustenberger sprach mit der Nonchalance des Siegers und davon, «etwas für das Torverhältnis» getan zu ­haben. Verlierer Marco Schönbächler hielt sich kurz und nannte es einen «grauen Nachmittag in Zürich». Wieder einmal.

Zum vierten Mal ein 0:4

0:4. Null zu vier. Bereits gegen Lugano, Basel und in Bern musste man in dieser Saison mit gleichem Verdikt vom Platz. Es ist diesmal ein sonderbares Resultat. 60 Minuten lang war der FCZ besser, er fand gegen passive Berner Wege nach vorne, er dominierte, die jungen Toni Domgjoni und Simon Sohm prägten im zentralen Mittelfeld mit ihren Pässen und Zweikämpfen das Spiel.

Doch ein grosses Aber hing über dem Spiel des FCZ: Er scheiterte, immer wieder. Und selbst dann, als der Ball einmal im Tor lag, kurz vor der Pause, kam der Knüppel zwischen die Beine sogleich. Der Videoschiedsrichter entlarvte Assan Ceesays Kopfballtor als Abseitstreffer. Hauchdünn zwar, doch Offside.

Das Zürcher Unheil nimmt seinen Lauf: Fassnacht trifft zum 0:1. (Quelle: SRF)

«Wir hätten etwas verdient gehabt nach einem solchen Spiel», sagte der erfolglose Stürmer Ceesay. Es klang wie ein Wehklagen, es hatte etwas von einem Ruf nach Gerechtigkeit, von einem Schrei nach Toren und Punkten. Von allem hat der FC Zürich in diesen Tagen zu wenig.

Darum bleibt die Frage, ob diese Leistung dem FCZ hilft. Es ist das 0:4, das bleibt. Selbst wenn Trainer Ludovic Magnin nach dem Spiel von einer erfreulichen ersten Halbzeit sprach, von einer starken Intensität, von Chancen, die man normalerweise mit links verwerte, und von einem 0:4, das weniger schmerze als jenes in Basel oder in Bern. Es bleibt bei einer Klatsche. Bei zu vielen Gegentoren, bei zu vielen Fehlern in der Defensive. Und vor allem bei einer Tendenz zum Auseinanderfallen.

«Die Partie erzählt die Geschichte der Saison»

Es braucht seit Wochen wenig, und das Spiel des FCZ zerfällt. «Die Partie erzählt die Geschichte der Saison», sagt Captain ­Yanick Brecher. Er selbst hielt zwar stark, doch auch er konnte nicht verhindern, dass die Gegentore bei seinen Kollegen Schaden anrichteten. Den ersten Treffer vermochte der FCZ noch wegzustecken. Es war die erste ernsthafte YB-Chance, Fassnacht traf, doch der FCZ spielte weiter, immerzu auf die Wende hoffend. Nur verpasste er den Moment, um sich zu ­belohnen.

Bereits beim zweiten Gegentor wurde die Gegenwehr weniger, und nach dem 0:3 ­glichen die Spieler erloschenen Kerzen. Das 0:4 nahm man hin wie ein Opfer, das sich mit der eigenen Misere abgefunden hat.

Das muss dem FCZ zu denken geben. Durch den Verein bläst ­gerade ein Wind der Unruhe, die Lockerheit vergangener Tage ist verschwunden. Und wie ver­worren ist es doch mit der Hoffnung: Steter Misserfolg nimmt einem irgendwann die Kraft, um zu hoffen, dass es doch noch gut kommt.

Erstellt: 06.10.2019, 23:30 Uhr

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