Wie soll das bloss gut kommen, FCZ?

Ludovic Magnin sollte beim FC Zürich eigentlich jeden Spieler besser machen, bisher ist das Gegenteil der Fall. Der Trainer ist in seinem Amt sehr gefährdet.

Zuletzt 8 Siege in 31 Spielen: Ludovic Magnin hat die Bilanz eines erfolglosen Trainers. Foto: G. Ehrenzeller (Keystone)

Zuletzt 8 Siege in 31 Spielen: Ludovic Magnin hat die Bilanz eines erfolglosen Trainers. Foto: G. Ehrenzeller (Keystone)

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Wer den FCZ beim 0:4 am Mittwoch in Basel sah, konnte eines leicht vergessen: dass er sich als Spitzenclub versteht.

Acht Runden ist die Saison in der Super League alt, erst ein knappes Viertel, aber es ist allemal genug, um im Fall dieses FCZ zu einem Urteil zu kommen: Er ist alles, nur kein Spitzenclub. Vielmehr drängt eines in den Vordergrund: Wie soll das bloss noch gut kommen – mit diesem Trainer, mit diesen Spielern!

Der Trainer heisst Ludovic Magnin, vorgestellt am 21. Februar 2018 schon fast als Heilsbringer, obschon er auf Super-League-Niveau ein Neuling war. «Es ist ein Glück, dass wir in Magnin einen Trainer mit sehr grossem Potenzial bei uns haben», verkündete Präsident Ancillo Canepa und breitete seinen Schutzmantel um ­Magnin aus.

Und heute? Heute ist der Blick auf den FCZ trostlos.

Canepa hat seither mehr als nur einen Treueschwur auf Magnin geleistet. Dass er das überhaupt tun musste, sagt viel über die Entwicklung des FCZ unter dem Jungtrainer aus. Oder genauer: über die fehlende Entwicklung. Ein Fortschritt ist beim FCZ nicht zu erkennen. Dabei klingt noch immer in den Ohren, was Canepa bei der Präsentation von Magnin ebenfalls in die Runde warf: «Er soll jeden Einzelnen weiterentwickeln.»

So versteckte er die Kritik an Uli Forte, der genau das zuvor nicht geschafft haben soll. Canepa war und ist beseelt von der Vorstellung, aus der Ausbildung junger Spieler die Identität für den Club abzuleiten. Magnin erachtete er als perfekt für diese Rolle.

Zum einen gibt es die Zahlen, so ernüchternd wie unwiderlegbar: Seit dem fulminanten 5:2 in Luzern Anfang November hat der FCZ noch 8 von 31 Spielen in der Liga gewonnen. Zum anderen gibt es die Optik. Die ist manchmal subjektiv, ja. Aber die Auftritte des FCZ sind unter Magnin mitunter haarsträubend schlecht wie nun wieder in Basel. Sie stehen für die kollektiven und individuellen Defizite.

Die Mannschaft fällt immer wieder beim kleinsten Windstoss auseinander. Es ist nur die logische Folge fehlender Grundlagen, fehlender nachhaltiger Arbeit.

Magnin kriegt es nicht hin, der Mannschaft ein Gesicht und Gerüst zu geben. Es ist kein Plan erkennbar, was sie zu tun hat, wenn es einmal schlecht läuft. Darum fällt sie immer wieder beim kleinsten Windstoss auseinander. Es ist nur die logische Folge fehlender Grundlagen, fehlender nachhaltiger Arbeit. Wirkliche Spitzenmannschaften sind da anders gepolt. Aber wer bloss hat im Zusammenhang mit dem FCZ von Spitze geredet?

Im Sommer schwärmten Canepa und Sportchef Thomas Bickel von den neuen Spielern, von Nathan, Willie Britto, Denis Popovic, Mimoun Mahi und Blaz Kramer. Sie deckten sie mit Lob ein und sagten: «Es sind keine zufälligen Transfers.» Wer das sagt, hat ein Problem, wenn er zwei, drei Monate später schon wieder den Stab über sie bricht. Canepa gibt ungern zu, sich zusammen mit Bickel bei der Auswahl des Personals verrannt zu haben. Eine Entlassung Magnins würde aber die Meinung verstärken, dass sich die Führung auch in dieser Personalie getäuscht hat. Das hilft dem Trainer im Moment. Noch.

Magnin hilft hingegen nicht, wenn die Chefs zur gegenteiligen Erkenntnis gelangen. Wenn sie denken, dass Nathan ein Abwehrchef ist, Britto eine Trouvaille als Rechtsverteidiger, Popovic die bessere Wahl als ein Abräumer vom Typ Gattuso, Mahi ein neuer Chikhaoui und Kramer eine Wucht als Stürmer. Dann können sie nur zu einem Schluss kommen: dass ihr Trainer nicht fähig ist, aus den Spielern das herauszuholen, was in ihnen steckt.

Wie hat Bickel bloss sagen können, wenn man Blaz Kramer bekommen könne, müsse man ihn auch holen? (Bild: Keystone)

Die Lage mag verzwickt sein, aber sie ist trotzdem klar. Canepa und Bickel haben sich bei den Transfers verkalkuliert. Nathan: körperlich ungenügend. Britto: spielerisch und taktisch völlig überfordert. Popovic: sollte die Mannschaft auf dem Platz ordnen, ein verkappter Spielmacher sein auf der Position der Nummer 6 – er taugt einfach nicht dazu. Mahi: Ist dann gut, wenn es dem Team gut geht, aber er ist kein Reisser und schon gar kein Leader.

Und Kramer: Wie hat Bickel bloss sagen können, wenn man Kramer bekommen könne, müsse man ihn auch holen? Dem Slowenen, von Wolfsburg II gekommen, verspringt jeder Ball. So gibt er ein trauriges Bild ab und macht es sich selbst am schwersten, eines Tages ein Tor zu erzielen.

Im tiefsten Inneren müssen auch Canepa und Bickel all das erkannt haben. Sonst hätten sie sich Ende August kaum gezwungen gefühlt, gleich drei neue Spieler zu holen: Pa Modou, im Sommer im Letzi­grund noch aussortiert, Vasilije Janjicic und Aiyegun Tosin, für jede Reihe einen.

Pa Modou war die besondere Figur beim Sieg im Cup in Wil; in Basel muss er zuschauen, wie Charabadse defensiv erneut überfordert ist. Der 20-jährige Janjicic darf spielen, obschon er überhaupt nicht austrainiert wirkt. Und Tosin, am Sonntag gegen Thun Schütze eines herrlichen Tores, sitzt anstelle von Kramer auf der Ersatzbank.

Magnin will nicht mehr der Vulkan sein, will zeigen, dass er sich gebessert hat. Nur macht ihn das nicht zum besseren Trainer.

In der verzwickten Lage ist aber noch eines klar: Magnin hat den Hauptauftrag bisher nicht erfüllt. Unter ihm ist kein Spieler besser geworden, schon gar nicht so, dass mit ihm eines Tages bei einem Transfer Geld zu verdienen wäre. Am Mittwoch wird Magnin gefragt: «Was sagen Sie dazu, dass Kevin Bua für sein Foul an Simon Sohm nicht Rot gesehen hat?» Er sagt: «Ich will das nicht weiter kommentieren. Ich will zeigen, dass ich mich entwickelt habe.»

Er will nicht mehr der sein, der ständig ausbricht wie ein Vulkan. Es ist schön für ihn, wenn er das schafft. Nur macht ihn das längst nicht zum besseren Trainer. Das ist er erst, wenn seine Abwehr kein Sieb mehr ist, das Mittelfeld kreativ und der Angriff nicht der harmloseste der Liga – wenn seine Mannschaft endlich eine Mannschaft ist, nicht nur zehn, sondern neunzig Minuten lang, nicht nur einmal, sondern x-mal.

Die Frage ist nun, wie lange Canepa seiner Nibelungentreue zu Magnin folgen will. Wie lange er das Gefühl hat, dass mit diesem Trainer doch noch alles gut kommt. Er hat das Problem vieler Präsidenten: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Handeln gekommen?

Canepa hat schon oft gehandelt, manchmal zu seltsamen Zeitpunkten. Bernard Challandes entliess er vier Monate nach der Teilnahme an der Champions League, Urs Fischer entgegen dem Rat des damaligen Sportchefs, Rolf Fringer nach bloss einem halben Jahr sowie im Streit und Urs Meier nach vier Spielen in einer neuen Saison. Sami Hyypiä dagegen durfte trotz aller Warnungen so lange wursteln, bis es zu spät war, um den Abstieg zu vermeiden. Forte wiederum taugte auf einmal nicht mehr, obschon er den Cup gewonnen und die Mannschaft ein halbes Jahr nach dem Aufstieg sicher auf Platz 3 gehalten hatte.

Nach dem 0:4 in Basel sagt Canepa im «Blick»: «Das war eine Blamage. So darf man als Profimannschaft nicht auf-t­reten.» Magnin sollte sich das gut merken, bevor der FCZ am Sonntag in Genf gegen Servette auf den Platz geht.


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

Die Sendung ist zu hören auf Spotify, bei Apple Podcasts oder direkt hier:

Erstellt: 28.09.2019, 08:35 Uhr

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