Wieso Zypern besser ist als die Bundesliga

Verliert Deutschland seinen vierten Startplatz in der Champions League? Wieso ist die Premier League so stark? Und wo steht die Schweiz in der Fünfjahreswertung der Uefa?

Sorgen bei den Deutschen: Die Bundesliga-Vertreter spielen europäisch eine schwache Saison.

Sorgen bei den Deutschen: Die Bundesliga-Vertreter spielen europäisch eine schwache Saison. Bild: Keystone

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Es war ein deutscher Debakel-Spieltag: Ende September verloren alle sechs Bundesliga-Vertreter ihre Partien im Europapokal – das hatte es seit 1981 nicht mehr gegeben. Der FC Bayern ging 0:3 gegen Paris Saint-Germain unter, Real Madrid führte Borussia Dortmund vor und auch Besiktas Istanbul, Ludogorez Rasgrad, der FK Östersund und Roter Stern Belgrad waren zu stark für die Deutschen.

Es waren viele unnötige Niederlagen dabei – und die bleiben für die Bundesliga nicht folgenlos. Denn jedes Ergebnis fliesst in die Berechnung der Fünfjahreswertung des europäischen Fussballverbandes Uefa ein. In dieser ist die Bundesliga nun abgestürzt. In den vergangenen Saisons war Deutschland immer eine der drei erfolgreichsten Nationen, doch in der Spielzeit 2017/2018 rutschte die Bundesliga auf den derzeit elften Rang ab. Russland, die Ukraine, Österreich und sogar Zypern sind besser platziert, dabei sind diese Länder nicht gerade dafür bekannt, dass hier besonders schöner und guter Fussball gespielt wird. Anfang November lag die Bundesliga sogar auf Rang 27. Deutschland wäre demnach derzeit eher ein Fussballzwerg als eine Kickernation.

Kritik an der Berechnung

Die Berechnung der Uefa-Wertung wird aufgrund solcher Statistiken heftig diskutiert. Warum etwa gibt es für Siege in der Europa League die gleiche Punktzahl wie für Siege in der hochwertigeren Champions League? Doch die Nationalverbände müssen sich dem Index fügen, das schlechte Abschneiden der Bundesliga hat deshalb Brisanz. Denn die Fünfjahreswertung legt fest, wie viele Vereine aus den jeweiligen Ligen international spielen dürfen. Von der nächsten Saison an erhalten beispielsweise die besten vier Verbände der Fünfjahreswertung feste Startplätze in der Champions League.

Aktuell steht die Schweiz auf dem 12. Rang – 0,051 Punkte vor Holland und 0,5 hinter Österreich. Obwohl mit dem FCB immerhin noch ein nationaler Vertreter in Europa dabei ist, scheint angesichts des Achtelfinalgegners Manchester City unwahrscheinlich, dass noch weitere Punkte hinzukommen. Weil alle Holländer ausgeschieden sind, ist die Chance gross, dass sich bis Saisonende an der Platzierung also nichts mehr verändern wird. Kurios: Trotz der Basler Rekordsaison werden der Schweiz weniger Punkte (6,100) gutgeschrieben als in den Saisons 2013/14 (7,200) und 2014/15 (6,900). Dies, weil die restlichen der total fünf Schweizer Teilnehmer den Schnitt nach unten drücken. Immerhin macht es für die Anzahl der Europacup-Teilnehmer keinen Unterschied, ob die Schweiz auf Rang 11 oder 15 steht. Erst ab dem 16. Platz verliert die Super League einen Startplatz in Europa.

Frankreich bedroht Deutschland

Deutschland lag zu Beginn der Spielzeit noch hinter Spanien auf dem zweiten Rang, doch dann wurde die Bundesliga erst von der englischen Premier League und nun auch noch von der italienischen Serie A überholt. Zudem sammeln die fünftplatzierten Franzosen dank Paris Saint-Germain tüchtig Punkte und holen auf.

Zwar ist in dieser Saison der vierte Champions-League-Startplatz nicht in Gefahr – der Vorsprung vor der Ligue 1 ist mit etwa 15 Punkten üppig. Doch sollte es Paris mit dem Wundersturm, wie manch einer vermutet, tatsächlich bis in den Final in Kiew schaffen, würde der Abstand beträchtlich schrumpfen. Der deutsche Verband kann also 2018/2019 mit vier Champions-League-Teilnehmern planen. Doch sollten die Vereine auch in der kommenden Saison so oft patzen, könnte der vierte Startplatz bald an eine andere Nation vergeben werden.

Die erfolgreichste Liga der vergangenen Monate war die Premier League. Sie hat sogar die spanische La Liga überholt. 2012 gewann mit dem FC Chelsea zuletzt ein britisches Team die Champions League, seitdem kam keine Elf von der Insel mehr in die Halbfinals. Da im Mai Manchester United in der Europa League triumphierte, durften die Briten erstmals mit fünf Teams in der höchsten europäischen Spielklasse antreten – und es gelang ihnen nun, was noch keinem Land zuvor geglückt war: Alle fünf Mannschaften haben die Achtelfinals erreicht. Manchester City, Manchester United, Liverpool und Tottenham souverän als Gruppenerste, Chelsea punktgleich hinter der AS Rom als Zweiter. Dominieren die Engländer den Fussball bald wieder wie zu alten Zeiten? Dafür spricht tatsächlich einiges.

England investiert gezielter

Die britischen Teams spielen aktuell keinen Rumpelfussball mehr, sondern Trainer wie Pep Guardiola bei ManCity, Mauricio Pochettino bei Tottenham, Antonio Conte bei Chelsea oder Jürgen Klopp in Liverpool haben das Spiel taktisch auf ein anderes Niveau gehoben. Natürlich profitiert die Premier League dabei von dem vielen Geld, das ihr zur Verfügung steht. Dank milliardenschwerer TV-Verträge und spendierfreudiger Investoren geben die Clubs auf dem Transfermarkt so viel aus wie nie. Allein Pep Guardiola durfte in einem Jahr für fast eine halbe Milliarde Euro neue Spieler einkaufen. Allerdings schleudert die Premier League das viele Geld mittlerweile viel gezielter raus.

Es werden nicht mehr nur die bekannten Stars der Branche angeworben, sondern die Coaches achten darauf, dass das Teamgefüge stimmt. Manchester City beispielsweise hat nicht mehr nur einen aufsehenerregenden Angriff, sondern nun auch eine fast fehlerfreie Abwehr. Und sogar die Torhüter in der Premier League sind inzwischen im Fussball geachtet: ob Thibaut Courtois beim FC Chelsea, David de Gea bei Manchester United oder Ederson bei Manchester City.

Ausgeglichene Premier League

Im Gegensatz zu anderen Ligen zeichnet sich die Premier League dadurch aus, dass es nicht ein oder zwei alles dominierende Teams gibt, sondern mehrere starke Mannschaften. In den vergangenen fünf Jahren wurden in England vier verschiedene Teams Meister – während in der Bundesliga fünfmal der FC Bayern auf dem ersten Rang abschloss. Basel gewann den Landestitel sogar achtmal in Serie.

Die Premier League ist also nicht abhängig vom Erfolg eines einzigen Clubs, auch nicht in Europa. Während in der Fünfjahreswertung für England mal Chelsea, mal City, mal United die meisten Punkte für die Premier League holten, hatten die Münchner in den vergangenen Spielzeiten immer den grössten Anteil am Erfolg der Bundesliga. Und genauso haben die Deutschen das gleiche Risiko wie die Schweizer: Sollte der FC Bayern (oder Basel) einmal eine schlechte Saison erwischen, dürfte das Land in der Fünfjahreswertung schnell abrutschen. Die Situation in Italien ist ähnlich einseitig. Hier überzeugte in Europa zuletzt immer nur eine Mannschaft: Juventus Turin.

Spanien dagegen ist fast so breit aufgestellt wie England: Real Madrid und der FC Barcelona kommen in der Champions League traditionell weit. Aber auch Atlético Madrid sammelte in den vergangenen Jahren verlässlich Punkte für ihre guten Champions-League-Ergebnisse – auch wenn der Club diesmal bereits in der Gruppenphase ausschied. Der FC Sevilla ist fast so erfolgreich wie die drei grossen spanischen Vereine, denn die Andalusier gewannen von 2014 bis 2016 die Europa League dreimal in Serie. Die Bundesligisten scheitern in diesem Wettbewerb dagegen meist früh, der letzte deutsche Sieger im Uefa-Cup, wie die Europa League damals hiess, war Schalke 04. Und das ist 20 Jahre her.

Erstellt: 12.12.2017, 16:31 Uhr

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So berechnet die Uefa die Fünfjahreswertung

Die Fünfjahreswertung der Uefa ist umstritten. Sie ermittelt den Erfolg einer Nation in der Champions League und Europa League in den vergangenen fünf Spielzeiten – und bestimmt, wie viele Europapokal-Startplätze den Landesverbänden zustehen. Jedes Team erhält zwei Punkte für einen Sieg, einen für ein Unentschieden. In welchem Wettbewerb, ist dabei egal. Für das Erreichen des Achtelfinals gibt es vier Punkte, für Siege in der K.-o.-Runde je einen Extrapunkt. Der Länderkoeffizient ist dann ein Durchschnittswert, die Summe aller Teampunkte wird durch die Anzahl der Mannschaften eines Landes dividiert. Zudem werden Siege in der Qualifikationsphase berücksichtigt. So konnte es passieren, dass in der laufenden Saison die zyprische Liga, die mit den zwei Teams Nikosia und Limassol vertreten ist, noch vor der Bundesliga liegt. Aus gutem Grund sagen viele: Plausibel ist diese Fünfjahreswertung nicht immer.

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