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Wimpel und Apero als Lohn

Die Debütanten Valentin Stocker, Alain Nef und Almen Abdi nutzten die Chance, die ihnen Ottmar Hitzfeld zu seiner Premiere gab.

Sie hatten mit ihrer Unbekümmertheit massgeblichen Anteil am 4:1-Sieg gegen ein bescheidenes Zypern. Der Trainer sprach vom Glücksfall, dass zwei neue Spieler Tore erzielten.

Frech und unbekümmert

Er war als Erster im Spiel auf den Plan getreten und verliess am späten Mittwochabend als einer der Letzten des Schweizer Teams das Stade de Genève. Dank seinem Treffer zum 1:0 nach nur 7:36 Minuten sowie einem «frechen, unbekümmerten» Auftritt (Hitzfeld) bei seiner Länderspiel-Premiere war Valentin Stocker im Bauch des weiterhin baufällig wirkenden Stadions in Genf einer der gefragtesten Akteure. Es war weit nach 23 Uhr, als er frisch geduscht und im roten Trainer Richtung Car schlenderte; in der linken Hand trug er den grossen Wimpel des zypriotischen Verbandes, den Ludovic Magnin vor dem Spiel mit Zyperns Captain Constantinou getauscht hatte. «Sie sagten, ich solle ihn nehmen», sagte der 19-Jährige beinahe entschuldigend.

Es werde wohl noch einige Tage dauern, bis er selber alles realisiere, meinte Stocker. «So wünscht man sich natürlich einen Einstand», sprach er seinen Treffer an. «Der Ball kam schön hoch, und die Zyprioten sind nicht die Grössten. Ich konnte meinen Gegenspieler gut überspringen.» Dem Tor liess der Zentralschweizer weitere gute Aktionen folgen; er war ein steter Unruheherd mit viel Zug.

Hitzfelds Kompliment

«Spielintelligenz und Übersicht» attestierte ihm Hitzfeld. Dabei war Stocker vor dem Spiel durchaus nervös, wie er hinterher zugab. «Als ich am Nachmittag die Aufstellung hörte, wurde ich sogar sehr nervös», erklärte er. Auf dem Platz war dem FCB-Spieler nichts anzumerken.

Mit einer seiner letzten Aktionen hatte Stocker indirekt auch das 3:1 vorbereitet. Er war bei einem seiner Rushes auf der linken Seite gefoult worden; die Freistoss-Flanke drückte Alain Nef, auch er ein Debütant, über die Linie. Drei Minuten später war der Arbeitstag von Stocker beendet. Die nur 14 500 Zuschauer würdigten die Leistung des «Ausnahmetalents» (Hitzfeld) mit einer Standing Ovation. «Es ist ein unglaubliches Gefühl. Man muss es aufsaugen für schwerere Zeiten», sagte Stocker. Gestern kehrte Stocker wieder in den Basler Trainingsalltag zurück; an seinen gelungen Auftritt in der Genfer EM-Arena wurde er gleichwohl nochmals erinnert. «Nun muss ich einen Apéro zahlen», berichtete er lachend.

Mit einem breiten Grinsen ging auch Nef durch die Katakomben in Genf. Seine Nomination war überraschend, und der 26-jährige Verteidiger überzeugte bei seinem Debüt auch den neuen Trainer. «Er gewann viele Zweikämpfe», lobte Hitzfeld den Zürcher, der wegen eines gebrochenen Nasenbeins mit einer furchterregenden schwarzen Gesichtsmaske spielen musste. «Schade, da erkannte mich ja gar keiner», witzelte Nef. Er sprach von einem «Einstand nach Mass» und vom schönen Gefühl, «das erste Mal Nati-Luft» geschnuppert zu haben. Nach seinem Wechsel vom FC Zürich zu Piacenza in die Serie B war er aus dem Blickfeld von Hitzfelds Vorgänger Köbi Kuhn geraten. «Auch Luca Toni schaffte den Durchbruch erst spät», sagte Nef lachend.

Der Spielwitz von Abdi

Schon vor seinem Treffer hatte der kopfballstarke Aussenverteidiger eine gute Chance, doch wehrte ein Zypriote in extremis auf der Linie ab. Das Tor war letztlich glückhaft, weil Zyperns Keeper den Ball zwischen den Händen durchgleiten liess. Nef drückte den Ball mit der Brust über die Linie. «Ich wusste, wo Abdi den Ball hinschlagen würde; wir spielten ja lange beim FCZ zusammen», erklärte der Torschütze.

Der nach einer Stunde eingetretene Abdi fasste seine Gefühle kurz und im Jugendslang zusammen: «Geil.» Der Spielmacher des FCZ rückte sich vor allem in der Entstehung des vierten Treffers, der schönsten Aktion des Abends, in den Vordergrund, als er auf der Höhe des Penaltypunkts einen Querpass von Behrami mit dem Absatz direkt zu Vonlanthen weiterleitete. «Ich sah hinter mir Johan und noch einen Gegenspieler. Als Valon den Ball spielte, merkte ich, dass mich der Zypriote angriff, deshalb leitete ich den Ball weiter», beschrieb der 21-jährige Abdi jenen glanzvollen Moment. Auch deshalb sprach Hitzfeld von «viel Spielwitz», den Abdi gebracht habe. «Er hat eine starke Technik und deutete an, dass wir auf ihn zählen können», sagte der Lörracher. Seine Debütanten bescherten ihm den erhofften Erfolg im ersten Auftritt.

si/fal

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