«Wir fördern den Schweizer Weg der kleinen Schritte»

Viele junge Schweizer Fussballer wechseln früh ins Ausland. Obwohl sich eine andere Karriereplanung als erfolgreich erwiesen hat.

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Im überhitzten Markt für Talente ist es um Schweizer derzeit vergleichsweise ruhig. Das liegt unter anderem daran, dass die Schweiz ein kleines Fussballland ist. Wäre beispielsweise Basels Noah Okafor Engländer, hätte er auf der Fachwebsite Transfermarkt.ch bestimmt einen höheren Marktwert als aktuell vier Millionen Franken. Zudem überzeugten helvetische Nachwuchsauswahlen seit dem WM-Titel bei den U-17-Junioren vor bald zehn Jahren selten.

Dennoch sagt Laurent Prince, der Technische Direktor im Schweizerischen Fussballverband: «Wir sind zufrieden mit der Entwicklung und mit unserer Ausbildungsstrategie.» Prince erwähnt den gelungenen Umbruch im Nationalteam. Von den Leistungsträgern Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri, Ricardo Rodriguez, Fabian Schär und Haris Seferovic ist keiner älter als 27.

«Und einige jüngere Fussballer haben den Sprung ins Kader geschafft.» Nico Elvedi, Djibril Sow, Albian Ajeti, der aktuell verletzte Breel Embolo sowie Denis Zakaria sind 22, Manuel Akanji und Edimilson Fernandes 23, Kevin Mbabu 24. «Zuletzt wurden zudem Okafor sowie Eray Cömert und Ruben Vargas erstmals nominiert», sagt Prince.

«Das sind erfreuliche Zeichen.» Und mit Kevin Rüegg (Zürich), Nedim Bajrami (GC), Bastien Toma von Sion sowie dem lange verletzt gewesenen Jordan Lotomba (YB) rücken weitere Talente nach, die noch keine 21 sind.

Das Trio von Meister YB

Weil die Scoutingabteilungen von Topclubs längst bereits Performance und Potenzial von 14-Jährigen weltweit beurteilen, wechseln auch viele Schweizer noch im Schulalter hoffnungsvoll ins Ausland. Laurent Prince hält diese Entwicklung für problematisch. «Wir propagieren den Schweizer Weg der kleinen Schritte. Es ist besser, wenn sich einer in der Super League etabliert hat, ehe er geht.» Goalie Yann Sommer, Shaqiri, Xhaka, Rodriguez, Embolo und Zakaria seien perfekte Beispiele dafür.

Oft scheitern unter 20-jährige Schweizer im harten Konkurrenzkampf. Sow (Gladbach), Mbabu (Newcastle) und Loris Benito (Benfica) etwa kehrten in die Heimat zurück, reüssierten bei YB quasi auf dem zweiten Bildungsweg – und brechen im Sommer als zweifache Schweizer Meister und Nationalspieler erneut in eine Eliteliga auf. Sow sagt aber, er bereue den Abgang beim FCZ mit 18 trotz fehlendem Durchbruch in der Bundesliga nicht. «All meine Erfahrungen haben mich zu dem Spieler gemacht, der ich heute bin.»

Unbestritten ist, dass Spielpraxis gerade für junge Fussballer elementar ist. «Und es ist wichtig, dass sie sich in Ruhe entwickeln können», sagt Prince. Werde einer aber mit 15, 16 von mehreren Vereinen umworben, sei es manchmal schwierig angesichts der Einflüsse durch Berater und Geldsummen, Weltclubs und Spielerträume.

«Wir begleiten die Spieler und geben Ratschläge», sagt Prince, «doch wir treffen die Entscheidung über ihre Zukunft nicht.» Der SFV halte engen Kontakt zu den Akteuren, die ihr Glück im Ausland suchen, der damalige SFV-Trainer Gérard Castella etwa, heute bei YB tätig, habe Mbabu während dessen schwieriger Zeit in Newcastle unterstützt.

Viele talentierte Angreifer

Aktuell stehen wieder über ein Dutzend Schweizer Teenager bei teilweise hochkarätigen ausländischen Clubs unter Vertrag. Darunter befinden sich erstaunlich viele Stürmer: Lorenzo Gonzalez ging mit 16 von Servette zu Manchester City, Nishan Burkart mit 16 von Zürich zu Manchester United, Andi Zeqiri mit 17 von Lausanne zu Juventus. Das Trio ist heute 19-jährig, Zeqiri ist wieder bei Lausanne, die beiden anderen könnten nach Ausbildungsjahren in Manchester bald verliehen werden.

Wie Jérémy Guillemenot, der mit 18 von Servette zum FC Barcelona wechselte, heute 21 ist – und nach mehreren Leihgeschäften bei St. Gallen endlich regelmässig spielt und trifft. St. Gallens Sportchef Alain Sutter sagt, er beobachte junge Schweizer Fussballer im Ausland genau. «Sie genossen sehr gute Trainingsbedingungen.»

Auch YB verlor 2018 drei Talente an ausländische Clubs, darunter den 17-jährigen Stürmer Yannick Touré, dem man sogar einen Platz im ersten Team anbot, an Newcastle. Doch es gibt Beispiele, die den vom SFV empfohlenen Weg beschreiten. Jan Kronig, eine Verteidigerhoffnung, steht bei YB mit 18 vor einer reizvollen Saison. Und Julian Vonmoos, ebenfalls 18 und noch so ein aufstrebender Stürmer, verliess 2018 zwar GC, schloss sich aber Basel an. Auf den Spuren mehrerer Nationalspieler, die längst in Topligen engagiert sind. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 03.06.2019, 22:00 Uhr

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