«Wir machen nur mit jenen weiter, die hilfreich sind»

GC-Sportchef Mathias Walther sucht Auswege aus der Krise und günstige Verstärkungen – auch am Grossbildschirm in seinem Büro.

«Druck am Ranze»: Mathias Walther. Foto: Dominique Meienberg

«Druck am Ranze»: Mathias Walther. Foto: Dominique Meienberg

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Mathias Walther wirkt nicht wie ein Sportchef, den Ängste plagen. Er wisse schon, welche Knöpfe jetzt zu drücken seien, redet dann von «Feinjustierungen» und kontert den Hinweis, dass GC an Harmlosigkeit in der ­Offensive kaum zu überbieten sei, selbstsicher: «Wenn Djuricin, Tarashaj und Pinga fit sind, ­erzielen wir mehr Tore.» Seit Samstag arbeiten diese drei wie alle anderen wieder an ihrer Fitness: Die Vorbereitung auf die Rückrunde hat begonnen – auch für jene, die lange verletzt fehlten wie Basic, Nathan und Tarashaj.

Der 46-jährige Walther ist seit Sommer 2017 im Amt und mit seinem Club wieder einmal in ­arger Schieflage. Gerade einmal 5 Siege in 18 Runden, nur 21 Tore ­erzielt (mit Abstand schlechtester Wert der Liga), dafür 34 Treffer erhalten – die trüben Zahlen ­erklären Rang 9 nach der Vorrunde.

Der Zustand ist alarmierend, das ist auch Walther nicht entgangen. Er sagt: «Wir sind zu hundert Prozent selber schuld, dass wir in diese Situation geraten sind.» Und lässt ein paar Erklärungen folgen, zum Beispiel: «Wir hatten manchmal zwei, drei Greenhorns zu viel auf dem Platz.» Oder: «Wir waren zu ­wenig eine Einheit.» Und: «Wir haben einige Tore hinnehmen müssen, weil wir uns naiv verhielten.»

Gespräche in dieser Woche

Das GC der Gegenwart ist einmal mehr ein GC voller Baustellen. Aber Walther vertritt hartnäckig den Standpunkt, dass eine Korrektur möglich ist, ohne bei Null anfangen zu müssen. «Wenn ­jeder die Situation annimmt, kommen wir da unten raus», sagt er. Bis zum Abflug ins Trainings­lager am 16. Januar will er mit ­jenen gesprochen haben, die er altersmässig den Routiniers ­zuordnet und Leistungsträger sein sollten. Es geht für Walther um «Commitments», um Bekenntnisse zu GC, um die spürbare Bereitschaft, sich in der zweiten Hälfte der Saison anders zu präsentieren.

Dieses Gefühl hat er nicht mehr bei jedem, und darum rechnet er damit, dass sich der Verein vom einen oder anderen Spieler trennen wird: «Wir machen nur mit jenen weiter, von denen wir überzeugt sind, dass sie hilfreich sind.» Wer künftig nicht mehr zum Kader gehört, soll auch von der Lohnliste gestrichen werden. Das heisst: Ein Abnehmer muss für ihn gefunden werden.

Gleichzeitig suchen er und Chefscout Paul Bollendorff nach Verstärkungen, die – natürlich – gut und günstig bis gratis sind. Die beiden teilen sich auf dem Campus in Niederhasli ein Büro, an einer Wand hängt ein grosser Bildschirm, und Bollendorff setzt zu einer kleinen Demonstration an. Von seinem Pult aus navigiert er mit der Computermaus über eine Website, die wie das Zugangstor zur weiten Fussballwelt scheint. Transferroom.com heisst das Portal, auf dem immer mehr europäische Clubs dabei sind und den direkten Kontakt zueinander finden.

Preis auf Anfrage

Es hat auch etwas von einem ­Basar: Verein A sucht Spieler X, Verein B bietet einen an, der genau zu diesem Profil passt. Dazu werden Videosequenzen mitgeliefert, aber nicht bloss ein Best-of, «nein, nein», wendet Bollendorff ein, «man sieht anhand der Ausschnitte auch, welche Schwächen einer hat». Auf der Seite findet sich auch ein Feld, das einen nicht unwesentlichen Punkt klären sollte: die Ablösesumme. Oft erscheint dort: «Preis auf Anfrage». Das Feilschen geht erst am Telefon los.

Walther steht als Sportchef unter Beobachtung, das weiss er. Aber er hat bei GC schon eine ­Situation überstanden, in der er «richtig Druck am Ranze» gehabt habe. Das war im Frühling, als er nach der Entlassung von Murat Yakin kurzerhand als Trainer einsprang und gleich zweimal verlor, bevor mit dem 4:3 gegen Lugano ein erster Befreiungsschlag glückte. Danach übernahm Thorsten Fink, der immer noch da ist. Und über den Walther unverändert sagt: «Er ist ein Top-Trainer mit einer extremen Loyalität und einer positiven Ausstrahlung.»

Walther gefällt dieses selbstbewusste Auftreten. An ein Szenario Challenge League denkt er nicht. Auch von der Barrage will er derzeit nichts wissen. Und wenn GC diese trotz allem nicht umgehen kann? «Dann setzen wir uns durch.»

Erstellt: 06.01.2019, 22:34 Uhr

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