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«Das Image hat gelitten »

GC-CEO Manuel Huber erklärt, wie hoch das jährliche Defizit ist und wie der Verein zu alter Grösse zurückfinden will.

So soll es wieder sein: Jubelnde Grasshoppers (hier Caio) auf dem Weg nach oben. Foto: Walter Bieri (Keystone)
So soll es wieder sein: Jubelnde Grasshoppers (hier Caio) auf dem Weg nach oben. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Was ist GC für Sie?

Das fängt gleich gut an . . .

. . . wir haben auch viel Zeit in die Formulierung der ersten Frage investiert . . .

. . . geschichtlich ist klar, was GC ist: Rekordmeister. Und heute? Heute ist GC ein Club im Umbruch, ein Club, der nach Kontinuität sucht. Vieles ist im Wandel, vieles passiert hinter den Kulissen.

Das heisst?

Strukturen werden laufend optimiert, und dadurch werden operativ verschiedene Dinge anders angepackt als in der jüngeren Vergangenheit. GC ist immer noch ein sehr guter Brand, der international anerkannt ist. Jetzt wollen wir den Brand auch national wieder stärken. Das Image hat gelitten, daran arbeiten wir.

Wie?

Dafür gibt es zwei Wege: den attraktiven, erfolgreichen Fussball. Und: die Marke platzieren und ihr ein Gesicht geben. Und das mit seriösem und glaubwürdigem Arbeiten.

Was ist schwieriger: sportlichen Erfolg zu haben oder die Leute zu überzeugen, dass GC ein guter, seriös geführter Verein ist?

Das eine ist mit dem anderen verbunden. Die Schwierigkeit besteht darin, das Geld zu beschaffen, um das umzusetzen, was wir vorhaben.

Und ein Problem ist, dass GC seit Jahren den Eindruck macht, in einem Umbruch zu sein.

Zu dieser Erkenntnis kann man kommen, weil wir jährlich Spieler verkaufen müssen, aber vom Geld, das wir erhalten, sehr wenig reinvestieren können. Das macht die Aufgabe für den Trainer schwierig und zwingt uns, auf Nachwuchsspieler zurückzugreifen, von denen nicht alle bereits das Niveau mitbringen, um in der Super League auch den Durchbruch zu schaffen. Es ist ein Dilemma: Der Junge meint, er sei schon bereit für die erste Mannschaft, wir glauben zwar an ihn, sehen seine Entwicklung aber anders, und trotzdem müssen wir ihn früher ins Kader der ersten Mannschaft integrieren.

Wie kann sich GC finanziell ­überhaupt Luft verschaffen?

Wir müssen attraktiven Fussball bieten und in der Tabelle oben dabei sein, um Summen zu erwirtschaften wie in der vergangenen Saison mit den Verkäufen von Ravet, Tarashaj, Dabbur und Bauer. Von solchen Einnahmen müssten wir zumindest einen Teil wieder ausgeben können. Und die Jungen, die wir aus dem eigenen Nachwuchs integrieren wollen, müssen in einem deutlich besseren Zustand sein als bisher. Wir haben Mängel erkannt und sind daran, sie zu beheben, indem wir beispielsweise die Besten in einem Fokusprogramm gezielt fördern und ihnen einen Rundumservice bieten. (Aus diesem Grund ist diese Woche Carlos Bernegger als Spezialtrainer für den Nachwuchs engagiert worden, die Red.)

Die Transfers von Dabbur, Tarashaj, Ravet und Bauer brachten GC rund zwölf Millionen Franken ein. Davon blieb wirklich nichts übrig?

Wir haben ein grosses Problem: das jährliche strukturelle Defizit. Und das liegt näher bei 10 als bei 5 Millionen.

Dabei ist seit Jahren immer von 5 Millionen geredet worden . . .

Ich muss Ihnen doch nicht sagen, es seien 4, wenn es 8 sind.

Normalerweise gibt man aus, was man einnimmt. Nur im Fussball gilt das nicht. GC hat pro Saison Kosten von 20 Millionen Franken, dabei kann es sich das gar nicht leisten.

Unsere ordentlichen Einnahmen liegen um die 12 Millionen, ohne die ausserordentlichen Erträge wie Uefa-Gelder oder Transfers. Die Ausgaben liegen bei 20 Millionen. Und dazwischen liegt das Defizit. Das ist durch Garantien abgedeckt.

Aber was ist mit Sparen?

Ja, wir könnten uns die 3 Millionen, die wir für den Nachwuchs ausgeben, sparen. Aber wir wollen sie uns leisten, weil die Ausgaben durch die Einnahmen aus den Verkäufen eigener Spieler refinanziert werden. Ja, wir könnten das Budget auf 17 Millionen senken, aber das geht nur über die Personalkosten. Aber in der ­Administration sind wir schon minimal ­besetzt, mit vier-, fünfmal weniger Leuten als bei Basel oder YB. Bleibt der Sport, um Abstriche zu machen. Wollen wir das? Nein, wir wollen den Durch­haltewillen ­haben, um wieder nach oben zu kommen. Ich bin überzeugt, unser Weg lohnt sich. Wir arbeiten jetzt ruhig, seriös, professionell. Einfach ­gesagt: Wir wollen liefern und nicht ­«lafere».

Wie hoch sind bei GC die Personalkosten?

Es sind 60 Prozent des Gesamtbudgets, also rund 12 Millionen für ausnahmslos alle Angestellten. Mit den anderen 8 Millionen bezahlen wir die Stadionmiete, die Sicherheit, den Betrieb des Campus, dazu kommen Abschreibungen auf die Spieler von 1 bis 2 Millionen.

4800 Zuschauer bei Heimspielen sind die bittere Realität für GC. Frustriert es Sie nicht, dass sich am schwachen Interesse nichts ändert?

Es ist schwierig in der Stadt Zürich, keine Frage. Wir haben sehr treue Fans. Mittel- und langfristig muss das Interesse wieder grösser sein. Aber die ganz grosse Hebelwirkung machen nicht die Zuschauereinnahmen aus, sondern die Transfers von Spielern. Dafür müssen wir sportlich attraktiv sein.

Trotzdem müssen Ihnen die Tränen kommen, wenn 10 000 Zuschauer den FCZ gegen Wohlen sehen wollen.

Es ist doch cool für den FCZ, Woche für Woche dem Aufstieg entgegenfiebern zu können und unangefochten die Nummer 1 der Challenge League zu sein. In dieser Liga kommt Bratwurststimmung auf. Aber es ist auch ein Fakt: Wir brauchen zwingend ein neues Stadion, und ich bin optimistisch, dass es im besten Fall bis 2022 steht. Das neue Projekt ist so aufgegleist, dass ich sagen muss: Wenn das nicht durchkommt, dann wird es in der Stadt Zürich wohl nie mehr ein neues Fussballstadion geben.

Und solange sich an der Situation nichts ändert, bleibt GC eine graue Maus.

Das sehe ich anders. Der Verwaltungsrat und ich arbeiten daran, auf der Basis der heutigen Führung und des bestehenden guten Personals eine neue Finanzierung zu finden, wie sie Basel einst dank Gigi Oeri hatte.

Soll GC verkauft werden?

Das ist nicht das Ziel.

Wenn die türkischen Investoren statt in Wil bei GC angeklopft ­hätten, wären sie abgeblitzt?

Das müssten Sie unseren Präsidenten fragen, aber ich weiss, wir haben die gleiche Meinung. Es ist nicht unser Interesse, die Aktienmehrheit abzutreten. Ich will auch nichts ausschliessen. Wenn einer 100 Millionen Franken bietet, auch überweist und das Geld sauber ist, ja, dann lehnt das der Verwaltungsrat vielleicht nicht ab. Ich fände es allerdings schade, wenn die Marke GC aufgrund der finanziellen Sorgen einen ausländischen Besitzer bekäme.

Trainer Pierluigi Tami hat vor der Saison gesagt, GC könne die Position ganz oben in der Tabelle wieder erreichen. Wie sehen Sie das?

Es ist doch klar, dass wir den FC Basel nicht unmittelbar angreifen können. Aber in zwei, drei Jahren müssen wir wieder oben dabei sein. Für den FCB ist es doch auch nicht spannend, so allein zu sein (schmunzelt). Das heisst, als GC dürfen wir ihn nicht davonziehen lassen. Nur darf man nicht meinen, man könne das schaffen, wenn man gleichzeitig das Budget noch um 4 Millionen Franken reduziert. Das geht nicht. Entweder stampfen wir bei GC den Fussball ein, oder wir behalten das Budget wie bis anhin bei.

Tami trägt den Kurs vorbehaltlos mit?

Es ist doch klar: Der Trainer oder der Captain haben den Ehrgeiz, möglichst viel Erfolg zu haben, sie möchten Meister werden. Das strebe auch ich als CEO an. Das ist uns gemein: Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Am Schluss aber liegt die Entscheidung für Investitionen in der betriebswirtschaftlichen und sportlichen Gesamtbetrachtung bei mir.

Mit Captain Kim Källström pflegen Sie einen regen Austausch . . .

. . . ja, ich traf mich gerade heute wieder zum Mittagessen mit ihm. Das gehört für mich dazu. Aber ich rede auch mit an­deren Spielern, mit Jungen, um den Puls zu fühlen, wenn auch nicht so regel­mässig wie mit Kim.

Und der Trainer weiss immer, wenn Sie mit Spielern reden?

Natürlich. Der Trainer muss wissen, was abgeht, er muss mich auch verstehen, warum ich dies oder jenes entscheide.

Zum Beispiel?

Wieso ich mich, wie kürzlich passiert, dagegen wehre, dass Tami einen der besseren Spieler aus der U-21 in die erste Mannschaft holen darf.

Und warum wehrten Sie sich?

Weil der Spieler ein Jahr vor Vertrags­ablauf nicht verlängern wollte, sondern vom Ausland träumte. Da sagte ich: «Du kannst zwar weiter bei GC trainieren, aber du kannst nicht mehr spielen.» Es kann nicht infrage kommen, jemanden jahrelang auszubilden und ihn nächsten Sommer ablösefrei den Verein wechseln zu lassen. Das muss jeder Spieler wissen, ob im Nachwuchs oder in der ersten Mannschaft. Es ist eine klare Botschaft von uns, dass wir nicht alles tolerieren und mit uns machen lassen. Ist GC deshalb unmenschlich? Nein, wir bewegen uns in einem Business, und es geht um Leistungssport. Wir wollen in zwei, drei Jahren wieder vorne sein – und darum müssen wir die besten Spieler halten.

Wo ist dieser Nachwuchsspieler jetzt?

Er spielt wieder. Weil er den Vertrag verlängert hat. Als GC müssen wir wieder konsequenter handeln. Glaubwürdigkeit ist uns einfach extrem wichtig.

In der Hoffnung, dass sich das ­irgendwann herumspricht.

Ja. Es gibt noch ein anderes Beispiel für unsere Linie. Im Frühling fand auf dem Campus ein Nachwuchsspiel statt. Einer unserer Spieler tickte aus, als spät das entscheidende Gegentor fiel. Anhänger des Gegners stürmten auf den Platz, und unser Spieler wurde handgreiflich. Er sah folgerichtig Rot, ging vom Platz und zertrümmerte aus Wut die Cornerfahne, direkt vor mir.

Wie haben Sie reagiert?

Wir haben dem Spieler, der durchaus ­talentiert ist, erklärt, dass er sich einen neuen Club suchen muss. Bei GC können wir ein Verhalten, wie er es gezeigt hat, nicht dulden.

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