Yakins Neuanfang und Selbstkritik

Murat Yakin wurde vor grosser Menge als Schaffhausen-Trainer vorgestellt und hat hohe Ziele.

Sein Engagement bei Schaffhausen ist vorerst auf 6 Monate begrenzt: Murat Yakin bei seiner Präsentation.

Sein Engagement bei Schaffhausen ist vorerst auf 6 Monate begrenzt: Murat Yakin bei seiner Präsentation. Bild: Keystone

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Der Rhein zieht still aus dem Bodensee davon, darüber protzt ein prächtig blauer Himmel. Zwischen Fluss- und Himmelblau steht Murat Yakin – mit den Augen dem Lauf des Wassers folgend. Yakin wirkt ruhig, vielleicht nur etwas nervös. Er weiss, er wird erwartet.

Hinter ihm steht das Hotel Chlosterhof in Stein am Rhein. Darin drängen sich gut und gern 70 Leute in einen Saal, sie alle wissen, heute wird Yakin als Trainer des FC Schaffhausen vorgestellt.

Der Blick auf den Rhein bei Stein am Rhein

70 Leute für einen einzigen Mann, das Ganze im Rahmen der Challenge League, für den Letzten der Rangliste. Yakin tritt ein, er trägt Jeans, Sakko, Poloshirt, Turnschuhe. Er kommt, raunt die Provinz über die Prominenz, er nimmt Platz und muss sich minutenlang fotografieren lassen, bevor er sprechen darf. Nicht einmal in Basel seien damals so viele Leute gekommen, wird er später sagen.

Ein Name, der für so vieles steht

Der FC Schaffhausen stellt also seinen neuen Trainer vor. Murat Yakin. Ein Mann mit einem Namen, der für so vieles steht. Diva hat man ihm zu Spielerzeiten manchmal nachgerufen, aber ihn auch als den smartesten aller Schweizer Verteidiger bezeichnet. Er soll als Trainer Defizite bei den Sozialkompetenzen haben, aber zugleich ganz gut fühlen können, was die Mannschaft brauche.

Dieser Mann mit dem merkwürdigen Ruf eines Undurchsichtigen muss nun Schaffhausen vor dem Abstieg retten. Schaffhausen hat kürzlich Sportchef und Trainer Axel Thoma freigestellt und will den Stadionbezug nicht mit dem Abstieg vollziehen.

Es ist ein Engagement, das in den vergangenen Tagen Fragen aufgeworfen hat. Der «Blick» schreibt von einem Risiko für den Trainer, die «Schaffhauser Nachrichten» von einem guten Ort für Yakins «Eitelkeit» (falls es denn gut gehe), und die «Basler Zeitung» berichtet von einem Trainer, dem zuletzt die Angebote gefehlt haben und der nicht in Vergessenheit geraten wolle. Yakin sei ein Instinkttrainer, der im Durst der Fussballwelt nach Konzepttrainern selbst am Verdursten sei. Kurz: Schaffhausen sei ein Neustart für seine Karriere.

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Yakin will erst von all diesen Zeilen wenig halten, er spricht von der spannenden Aufgabe, vom sich Freuen auf die Emotionen, die in den vergangenen 19 Monaten nach dem Abgang von Spartak Moskau gefehlt hätten.

Eitelkeit war bei Yakins Clubwahl nie ein Thema

Trotzdem kann der Schritt über den Rhein nach Schaffhausen auf den ersten Blick wunderlich erscheinen. Da kommt ein Trainer, der aus seinen knapp zwei Trainerjahren in Basel zwei Meistertitel, einen Europa-League-Halbfinal und zwei Champions-League-Siege gegen Chelsea vorzuweisen hat. Ein Mann, der Spartak trainiert und während dieser Zeit so viel verdient hat, wie Schaffhausen nie zahlen könnte. Doch wer einen Blick auf Yakins Trainerlaufbahn wirft, wird merken, dass Eitelkeit bei seinen vergangenen Engagements nie ein Thema war. Frauenfeld – 2. Liga interregional. Concordia Basel – Challenge League. Dann Co- und U-21-Trainer von GC, darauf wieder zu Thun in die Challenge League. Danach liess er sich vom Erfolg zu besseren Adressen treiben.

Yakin soll zuletzt Interesse im arabischen Raum, in der Türkei, in China geweckt haben – etwas Konkretes wurde nie daraus. Nun also Schaffhausen.

Aber eben, inwiefern ist es denn ein Neustart seiner Karriere? Ein, zwei Nachfragen braucht es, und Yakin beginnt zu erzählen. Dass es in seiner Trainerkarriere zehn Jahre stark aufwärtsgegangen sei. Dass er zehn Jahre keine Pause gehabt habe. Dass er in dieser Zeit wiederum wenig Zeit zum Reflektieren aufgebracht habe. Dass er nun diese Pause und den Abstand gebraucht habe. Dass er noch immer das Ziel Bundesligatrainer hege.

Yakins Einsicht

Yakin umschreibt sympathisch den Neuanfang, ohne das Wort selbst in den Mund zu nehmen. So darf das Engagement Schaffhausen trotzdem verstanden werden. Das Timing hat gestimmt, Yakin kannte den an Krebs erkrankten Präsidenten Fontana seit Jahren, der Club brauchte ihn, er selbst wollte eine neue Aufgabe – alles geschah im Fluss. Dazu gehört auch die Einsicht, dass er selbstkritischer geworden sei. «Nicht alles ist in der Vergangenheit gut gelaufen.» Er meint den Umgang mit Spielern und Vereinsfunktionären.

Das Verhältnis Yakin - Schaffhausen wird erst einmal durch die Zeitdauer von sechs Monaten definiert. «Dann schauen wir.» Bis dann wird Yakin noch einige Tage Ferien in den Bergen machen, über mögliche Transfers nachdenken (er ist nicht Teil der neu gegründeten Sportkommission) und am 4. Januar als Pendler in den Trainingsbetrieb einsteigen. Er wohnt seit Jahren in Unterengstringen am Stadtrand von Zürich.

Erstellt: 27.12.2016, 17:22 Uhr

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