Die zehn wichtigsten Antworten zur Super-League-Hinrunde

Wir lüften das Geheimnis hinter dem Auf und Ab des FCZ, fühlen mit Thomas Häberli – und begraben einen Mythos.

Der FC St. Gallen mit dem neuen Schweizer Nationalspieler Cedric Itten ist die Überraschungsmannschaft der Hinrunde.

Der FC St. Gallen mit dem neuen Schweizer Nationalspieler Cedric Itten ist die Überraschungsmannschaft der Hinrunde. Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

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Wer hätte das nach Jahren der gähnenden Langeweile gedacht? Die Schweizer Super League kann also tatsächlich ein spannendes Titelrennen bieten. Alles, was es braucht, sind rund sieben verletzte Stammspieler beim Meister Young Boys, fast schon gespenstische Ruhe beim FC Basel – und eine Euphorie-Welle in St. Gallen, die mehr Endorphine freisetzt als die Love Parade. Aber die erste Hälfte der Saison bot noch andere Geschichten.

Die zehn Fragen, die wir uns zum Ende der Hinrunde gestellt haben:
» Der härteste Abgang?
» Der leiseste Abgang?
» Wo wird es wild?
» Vorteil Kunstrasen?
» Wo sparen Sie Zeit?
» Wo spart die Liga?
» Alles ruhig in Genf?
» Freut sich Streller?
» Wie weit trägt Liebe?
» Wie wichtig ist Nuzzolo wirklich für Xamax?

Der härteste Abgang?FC Luzern

Es ist schon fies, acht Tage vor Weihnachten den Job zu verlieren. Noch bitterer ist es, wenn man wie Thomas Häberli als Trainer des FC Luzern abgesetzt wird, obwohl die eigene Mannschaft am Tag zuvor den Meisterkandidaten Basel geschlagen hat. Irgendwie passt dieser letzte ­Luzerner Auftritt ja nicht ganz in die Argumentationslinie von Sportchef Remo Meyer, das Team brauche «neue Impulse». Aber Meyer dürfte den Daumen über ­Häberli schon ­einige Wochen vor dem FCB-Spiel gesenkt haben. Bereits am 10. November kritisierte der Sportchef den Trainer in den lokalen Medien so hart, dass der folgende Monat schon samt der jetzt erfolgten Entlassung fast wie Trainerquälerei wirkt.

Der leiseste Abgang?Philippe Senderos

Die Frage ist müssig: Hat er sich das noch einmal antun müssen? Vermutlich schon. Sonst wäre Philippe Senderos in diesem Sommer nicht unvermutet beim FC Chiasso gelandet. Dreimal nur spielt der 34-Jährige in der Challenge League, ehe er am 16. Dezember seinen Rücktritt gibt. Längst ist der Innenverteidiger zu einer Art Schmerzensmann geworden, dessen Körper zwar vollgepackt ist mit Muskelbergen – und doch ständig von Verletzungen geplagt.

Aber so wollen wir Senderos nicht in Erinnerung behalten. Lieber als U-17-Europameister, der nebenher Weltliteratur gelesen hat. Als blutenden Torschützen im WM-Spiel 2006 gegen Südkorea. Als Teil der ersten Schweizer Fussballergeneration, die daran glaubte, dass sie international etwas gewinnen kann.

Wo wird es wild?FC Sion

Die langweilige Antwort: Natürlich wird es im Winter ganz besonders beim FC Sion hoch zu- und hergehen. Wobei die Hektik in der nach oben offenen Constantin-Skala noch etwas grösser zu sein scheint als üblicherweise sowieso schon. Zumindest lassen die Worte Barthélémy Constantins darauf schliessen. Der ist Sportchef und Sohn des allmächtigen Präsidenten, erklärte die Mannschaft schon vor dem letzten Spiel des Jahres 2019 offiziell für «tot» und stellte fest: «Man muss auf verschiedenen Ebenen mit dem Besen drüber.»

Für einmal war es nicht Christian Constantin, der mit einer Aussage für Schlagzeilen sorgte, sondern sein Sohn Barthélémy. (Bild: Jean-Christophe Bott)

Was das alles beinhaltet? Constantin junior sagt, er wisse «ganz genau», wo die Malaise der Sittener festzumachen sei. Womit bloss eines klar scheint: Präsident und Sportchef dürften bei der Aufarbeitung der Probleme tendenziell eher kein Thema sein.

Vorteil Kunstrasen?FC Thun

Immer wieder wird darüber gestritten, ob es für Teams von Vorteil sei, wenn sie die Heimspiele auf Kunstrasen austragen, die Konkurrenz aber Stadien mit Naturgrün habe. Jetzt hat sich der FC Thun zum Ziel gesetzt, mit diesem Mythos ein für alle Mal aufzuräumen. Zwei Punkte haben die Oberländer in neun Anläufen auf heimischem Plastik gewonnen. Vorteil Kunstrasen? Sieht irgendwie anders aus. Findet Xamax übrigens ebenfalls, das zu Hause auf Kunstrasen auch nur auf sechs Zähler kommt.

Wo sparen Sie Zeit?YB und FC Zürich

Hier der Tipp für alle, die sich ­häufiger Spiele des FC Zürich ­anschauen – und ein Herz für den FCZ haben: Geht der Gegner 1:0 in Führung, dürfen Sie getrost das Stadion verlassen, den TV abschalten oder sich dieser interessanten Werbung widmen, die Ihren Bildschirm flutet, seit Sie den illegalen Onlinestream laufen lassen.

Siebenmal schoss der Gegner in einem ­Duell mit dem FCZ das erste Tor. Genau einmal konnten sich die Zürcher von diesem Rückschlag erholen: beim 3:2 gegen Basel. Die restlichen sechs Spiele gingen allesamt verloren. Zum Vergleich: Auch YB geriet siebenmal 0:1 in Rückstand. Die Berner aber gewannen danach immerhin noch elf Punkte.

Und hier der Tipp für alle, die sich manchmal Spiele ihres Teams gegen den FCZ oder YB anschauen: Gehen Zürcher oder Berner 1:0 in Führung, können Sie den Rest des Abends oder Nachmittags getrost anders nutzen. Neunmal gelang den Zürchern das erste Tor der Partie, zehnmal den Bernern – mehr als einen Punkt gab es danach für die Gegner nicht mehr zu holen. Und selbst das nur je zweimal.

Womit auch das Auf und Ab des FCZ logisch erklärt ist: Schiesst er das 1:0, gewinnt er. Kassiert er das 0:1, verliert er. Fussball kann so einfach sein.

Wo spart die Liga?VAR

Die Behauptung, dass Geld nicht glücklich machen soll, ist eigentlich durch unzählige Studien widerlegt. Wer gesünder isst und ist, wer sich den Arzt leisten kann und eine Heizung, ist im Vorteil. Aber manchmal stimmt es halt trotzdem. Welch ein Glück zum Beispiel, hat die Swiss Football League nicht genügend Geld, um sich den Luxus digitaler Offside-Entscheidungen zu leisten!

Während die TV-Zuschauer in anderen Ligen verstört zuschauen müssen, wie auf ihren Bildschirmen millimeterfeine Linien zwischen Schulterblatt des Stürmers und Achillesferse des Verteidigers gezogen werden, wird das Abseits in der Schweiz weiterhin Pi mal Handgelenk entschieden. Was dem Spielfluss nur entgegenkommt. Und so ist der VAR in der Schweiz ganz ohne Polemik angekommen.

Alles ruhig in Genf?Servette FC

Rang 5, YB, Basel und FCZ besiegt – Servette ist sportlich eine Bereicherung für die Liga. Und doch wollen die Genfer nicht einfach besinnliche Weihnachten feiern. Unmittelbar vor der Winterpause erklärt der Club, Mittelfeldspieler Sébastien ­Wüthrich dürfe im Januar nicht mit ins ­Trainingslager und müsse künftig allein trainieren.

Nun ist Wüthrich mit vier ­Toren und vier Assists Genfer Topskorer. Aber er hat seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängert – Differenzen beim Lohn. Folgt kein Transfer im Winter, könnte der Fall für Zunder sorgen. Zumal Wüthrich keine schlechten Chancen hätte, würde er vor Gericht um seinen Platz in den Teamtrainings streiten.

Freut sich Streller?FC Basel

In Basel musste im Sommer ausgerechnet Volksheld Marco Streller nach einem epischen Machtkampf über die Klinge springen. Die Wunden sitzen tief. Und eines ist dem Ex-Sportchef zu wünschen: dass er sich zu Hause trotzdem manchmal ein wenig freuen kann, wenn die Mannschaft, die zu grossen Teilen von ihm zusammengestellt wurde, plötzlich so kompetitiv ist, wie er selbst sie schon immer gesehen hat.

Wie weit trägt Liebe?FC St. Gallen

Auf Rang 3 in der Tabelle und auf den Plätzen 9 und 3 im Torschützenklassement: Gegen die Bromance der St. Galler Stürmer Boris Babic und Ermedin Demirovic verblasst sogar das deutsche Sommermärchen von Schweini und Poldi 2006.

Das Traumduo der Super League: Babic links, und Demirovic rechts. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone

Unter der Woche streiten sich der ­Walenstädter und der Norddeutsche über den Sinn von Alpenfotos, am Tag vor dem Spiel sind sie gemeinsam beim Coiffeur – und auf dem Platz legen sie sich Tore auf. Dass sich ihre Wege spätestens im Sommer trennen, macht diese Bruderliebe nur noch herzergreifender.

Wie wichtig ist Nuzzolo wirklich?Xamax


Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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Erstellt: 17.12.2019, 11:44 Uhr

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