Zidanes Kredit ist aufgebraucht

In der Liga gedemütigt, die Champions League in Gefahr: Real Madrid erlebt eine Saison zum Vergessen. Aus dem einstigen Retter wird der Hauptschuldige.

Eine schwierige Zeit: Zinedine Zidane gilt als Sündenbock für die Real-Krise.

Eine schwierige Zeit: Zinedine Zidane gilt als Sündenbock für die Real-Krise. Bild: Keystone

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Die Szene ist bezeichnend für Cristiano Ronaldos Meisterschaftsauftritte: Angriff über die rechte Seite. Zwei Übersteiger. Ballverlust. Konter. Gegentor. 1:0 für Celta Vigo. Die Partie endet 2:2, mit den beiden Real-Treffern hat der Weltfussballer allerdings nichts zu tun. Nach 18 Runden, in denen er 13 Spiele absolvierte, steht der 32-Jährige bei vier Toren.

Parallel zur Formkurve seines Superstars verläuft diejenige von Real Madrids kompletter Mannschaft. 16 Punkte beträgt der Rückstand auf Leader Barcelona, der 4. Tabellenplatz kommt für den stolzen Rekordmeister einer Demütigung gleich. «Wir befinden uns in einer der schlimmsten Situationen, seit ich hier bin», klagt Marcelo. Der Brasilianer gibt sich im Moment der Krise ratlos: «Wir machen alles, was wir können. Mehr liegt einfach nicht drin. Wir versuchen den Ball laufen zu lassen, Tore zu schiessen, aber es gelingt uns einfach nicht.»

Der Aussenverteidiger und stellvertretende Captain für den verletzten Sergio Ramos gilt als einer der Sündenböcke des jüngsten Ausrutschers. Beim 0:1 trabt er scheinbar unbeteiligt hinterher, unmittelbar vor dem 2:2-Ausgleich in der 82. Minute leistet er sich wegen einer Piroutte den folgenschweren Ballverlust. Von der Madrider Sportzeitung «Marca» wird Marcelo als schlechtester Spieler der Partie gewertet.

Zidane für Krise verantwortlich

Hauptschuldiger ist, nicht nur für Reals Hausorgan, aber ein anderer: Trainer Zinedine Zidane. Dabei war er vor zwei Jahren noch der Retter, als er ein verunsichertes Team zum Champions-League-Titel führte. Heute sagt Vereinslegende Jorge Valdano: «Zidane kam, um seinen Vorgänger Rafael Benitez zu korrigieren. Jetzt muss er sich selber korrigieren.»

Zidane wird immer noch nicht verziehen, dass er beim 0:3 zu Hause gegen Barça mit Isco seinen aktuell besten Spieler auf der Bank liess und dafür Mateo Kovacic als Manndecker gegen Lionel Messi ins Rennen schickte. In Vigo darf Isco dann von Beginn an auflaufen, bereitet das 2:1 vor – und wird fünf Minuten vor dem Ausgleich gemeinsam mit Luka Modric ausgewechselt. «Real existierte in der zweiten Halbzeit nicht. Dann noch die beiden ballsichersten Spieler auszuwechseln, macht alles noch komplizierter», schreibt «Marca».

Weiteren Ärger löst der Trainer, in dem er nach dem 2:2 Doppeltorschütze Bale aus dem Spiel nimmt. Valdano schickt einen weiteren Giftpfeil in Richtung Zidane, in dem er sagt: «Es fehlt die taktische Ordnung.» Zidane selber gibt sich ratlos, sagt nach dem 2:2 einzig: «Wir sind sauer über unsere 2. Halbzeit. Ich muss jetzt Lösungen finden.» «Marca» rechnet allerdings nicht damit, dass dem Franzosen rasch etwas einfällt: «Mittlerweile wissen wir, dass er die Handlungsschnelligkeit von Ministerpräsident Mariano Rajoy hat.»

Zittern um Champions League?

Spanische Medien sehen sogar die Qualifikation für die Champions League in Gefahr. Aktuell stehen die Königlichen auf dem vierten Platz, der Vorsprung auf das fünftplatzierte Sevilla beträgt gerade mal drei Punkte, Villarreal (Rang 6) hat vier Punkte weniger auf dem Konto. Ab kommender Spielzeit sind vier spanische Teams direkt für die Königsklasse qualifiziert.

Was besonders kurios aussieht: Real ist nur einen Punkt näher an Barça, als vor dem Drittletzten Alaves. Immerhin hat Real eine Partie weniger absolviert. Das muss für «Marca» allerdings wenig bedeuten: «Auch gegen das bescheidene Leganes sind drei Punkte keine Selbstverständlichkeit. Zu Hause gegen Levante und auswärts gegen Girona stolperte Real – sogar gegen al-Jazira im Halbfinal der Club-WM mussten die Spieler von Zidane zittern.»

Erstellt: 08.01.2018, 16:10 Uhr

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