Zidanes Rücktritt ist das Beste, was Real passieren konnte

Ein geknickter Präsident, schockierte Spieler und schwarzmalende Medien. Dennoch dürfte Zidanes Abgang für Real ein Glücksfall sein.

Der Franzose hat überraschend seinen Rücktritt bekanntgegeben. Video: Tamedia

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Sie seien geschockt, die Spieler von Real Madrid. So zumindest berichten es die Sportmedien aus Madrid, die dem Verein traditionell sehr nahe stehen. Die Profis glaubten zunächst an einen Scherz. Aber es ist keiner: Zinédine Zidane verlässt den Verein per sofort. Der Franzose glaubt, die Mannschaft habe nach zweieinhalb Jahren mit ihm einen neuen Impuls nötig: «Sie braucht einen Wechsel, um weiterhin gewinnen zu können.» Diese Selbstreflektion ist ihm hoch anzurechnen. Seine Einschätzung trifft den Nagel auf den Kopf – auch wenn die madrider Zeitung «Marca» hysterisch titelt: «Eine Tragödie für Real Madrid.»

Denn unter der Leitung des 45-Jährigen spielte Real selten berauschenden Fussball. Eine klare Handschrift Zidanes war nicht erkennbar, vielmehr basierte der Erfolg auf der Qualität des möglicherweise besten Kaders im Weltfussball. Und dennoch reichte es zu drei Champions-League-Titeln in Serie, dazu einem spanischen Meistertitel. Was Zidanes grosse Stärke untermauert: Er schaffte es, in die Köpfe seiner hoch talentierten Truppe zu gelangen. Ein Team, das im Januar 2016 noch lustlos über die Fussballfelder stolperte und die Nase voll zu haben schien vom damaligen Trainer Rafael Benítez.

Er schaffte es, seine Spieler zu motivieren und in den entscheidenden Momenten ihre aussergewöhnliche Siegermentalität zu wecken. Und somit das Glück zu erzwingen – angefangen 2016, als ein Penaltyschiessen gegen Stadtrivale Atlético die erste der drei Champions-League-Trophäen de suite einbrachte.


Video: Real gewinnt erneut die Champions League

Dank einem 3:1 gegen Liverpool schafft Real den Titel-Hattrick. Video: Reuters


Nach dem jüngsten Erfolg gegen Liverpool und dem historischen Titelhattrick dürfte Zidane allerdings bewusst geworden sein, dass es nahezu unmöglich wird, Spieler, die alles erreicht haben, weiterhin derart zu motivieren. Und das wäre mittelfristig auch für den Verein zu einem grossen Problem geworden, spätestens nach einer Serie von Misserfolgen in der kommenden Saison. Zwangsläufig wäre er mit der Frage konfrontiert worden: Wie werden wir Zidane los? Eine Vereinslegende. Ein Mensch, dem Real Madrid als Spieler und nun auch als Trainer viel zu verdanken hat. Ein Shitstorm wäre unvermeidlich gewesen.

Diesem drohenden Unheil ist der Franzose nun zuvorgekommen. Real kann sich jetzt in aller Ruhe nach einem passenden Nachfolger umschauen. Der Argentinier Mauricio Pochettino wird hoch gehandelt – und wäre für den Verein eine grosse Chance. Man stelle sich vor, der neue Real-Trainer schafft es, diese Mannschaft auch noch gut Fussball spielen zu lassen.

Mit seinem Rücktritt hat Zinédine Zidane seinem Herzensclub also einen (vorerst) letzten, grossen Dienst erwiesen.

Erstellt: 31.05.2018, 15:47 Uhr

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