Zürcher Talent begeistert 54'000 Fans

Was für ein Spiel von Ex-FCZler Nico Elvedi gegen die Bayern! Was der 19-jährige Gladbacher zum Sieg beitrug – und wen er aus dem Team kippte.

«Wir mussten uns ein bisschen zurechtfinden»: Nico Elvedi, hier im Duell mit Bayerns Kingsley Coman, über den Beginn der Partie. Foto: Ina Fassbender (Reuters)

«Wir mussten uns ein bisschen zurechtfinden»: Nico Elvedi, hier im Duell mit Bayerns Kingsley Coman, über den Beginn der Partie. Foto: Ina Fassbender (Reuters)

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Es war früher Samstagabend, als Nico Elvedi in seinen kleinen weissen Audi kletterte und zufrieden vom Hof des Mönchengladbacher Borussia-Parks brauste. Was Wunder! «Als Bub», hatte der 19-jährige Zürcher gut zwei Stunden zuvor berichtet, «habe ich davon geträumt, gegen Topteams zu spielen. Heute ist der Traum wahr geworden.»

Fassen wir den speziellen Tag von Elvedi zusammen: Debüt in der Startformation bei Borussia als taktischer Kniff seines Trainers André Schubert, ein 3:1 gegen den FC Bayern München, dann eine spontane Party vor der Nordkurve mit der romantischen Borussen-Hymne «Die Seele brennt». Elvedi, der in diesem Sommer vom FC Zürich zu den Borussen gewechselt hatte, fasste das Erlebte in ein Wort: «Überragend.»

Drmic aus der Startelf verdrängt

Als er auf dem Weg in die Kabine den Medienleuten seine Geschichte erzählte, eilte der angeschlagene Ibrahima Traoré herbei und herzte den Schweizer Kollegen, Torhüter Yann Sommer liess ihm einen Klaps auf die Schulter zukommen. Elvedi lächelte, ein wenig verlegen, denn derart im Mittelpunkt zu stehen, das ist er nicht gewohnt. Er verdrängte seinen Landsmann Josip Drmic aus dem Startteam, der zuletzt beim 3:3 bei Hoffenheim sein erstes Tor für Gladbach erzielt hatte.

Schubert hatte eine taktische Variation ersonnen, und dafür brauchte er statt des Stürmers Drmic den Verteidiger Elvedi, um ihn in der Dreierabwehrkette einzusetzen. «Er ist ein guter Kopfballspieler und hat ein gewisses Tempo, das hat für ihn ­gesprochen», sagte Schubert, «und er ist ein Eisvogel, ganz cool.»

Die Probleme überwunden

«Es war im Training abzusehen, dass ich spiele», berichtete Elvedi, der einer von drei Teenagern in der Gladbacher Mannschaft war. Schubert hatte sie umformiert und war von dem abgerückt, was unter Lucien Favre ­drill­mässig einstudiert worden war. In der neuen Ordnung übernahm der Ex-Basler Granit Xhaka ebenfalls eine Sonderrolle: Er liess sich immer wieder in die Abwehrkette zurückfallen, der «Sechser» war dieses Mal eine Art vorgezogener Libero. So wurde die Dreierformation zur «pendelnden Viererkette», wie Schubert erklärte.

Anfangs taten sich Elvedi und seine Kollegen im neuen System schwer. Die Bayern kamen zu ­einigen grossen Chancen, aber Sommer hielt glänzend. Einmal half der Pfosten. «Wir mussten uns ein bisschen zurechtfinden», gestand Elvedi.

Nach 30 Minuten fanden sich die Gladbacher. Elvedi bekam Kingsley ­Coman unter Kontrolle und traute sich nun auch nach vorn etwas zu: Sein Weitschuss verfehlte vor der Pause das Ziel, nach dem Seitenwechsel legte er per Kopf Lars Stindl das 2:0 auf. Das rundete den Tag des Debütanten ab. «Ich bin überglücklich, wie es für mich bisher hier bei Borussia gelaufen ist», sagte er.

«Der Trainer spricht viel mit mir»

Die Tatsache, dass mit Favre der Trainer nicht mehr da ist, der ihn holte, bereitet ihm kein Problem. Nachfolger Schubert kennt Elvedi von der Gladbacher U-23. «Er spricht viel mit mir, das gefällt mir», sagte er. Seit ­Anfang November hat ihn Schubert an höhere Aufgaben herangeführt. Mit drei Kurzeinsätzen in der Liga und ­einem in der Champions League.

Schon bei Hoffenheim hatte Elvedi einen aussergewöhnlichen Auftritt: Schubert gab ihm bei der Einwechslung Zettel mit taktischen Anweisungen mit, die Elvedi den Kollegen wie ein Postbote zustellte. Fortan spielte Borussia mit ­einer Dreierkette, erzwang noch das 3:3 und probte nebenbei die Bayern-Taktik. Der Ernstfall bescherte Elvedi nun den perfekten Tag.

Erstellt: 07.12.2015, 07:34 Uhr

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