Zurück in die Zukunft

Der FC Basel hätte künftig gerne wieder ein regional verankertes Team wie jenes, das 2011 Manchester United geärgert hat. Vor dem Auftritt im Old Trafford plagen den Club die Probleme der Gegenwart.

Aufwärmen für ein grosses Spiel: Die Spieler des FC Basel, angeführt von Marek Suchy im Old Trafford. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Aufwärmen für ein grosses Spiel: Die Spieler des FC Basel, angeführt von Marek Suchy im Old Trafford. Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

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Es läuft in Basel. Nicht auf dem Fussballplatz, wo der lokale FC eben drei Spiele in Serie nicht gewonnen hat. So was ist die Region nicht mehr gewohnt und wird entsprechend irritiert bis fast beleidigt zur Kenntnis genommen.

Dafür läuft die Maschinerie neben dem Feld ganz schön heiss. Bereits meldete sich in der «Basler Zeitung» Eric G. Sarasin zum FCB zu Wort. Der ehemalige Privatbankier nannte den neuen CEO Jean-Paul Brigger eine «Fehlbesetzung», zerpflückte das Mittelfeld des Teams («genügt nicht») und rief Sportchef Marco Streller hinterher, er halte ihn für «von der Öffentlichkeit überschätzt». Was Sarasin nicht erwähnte: Er selbst wäre gerne anstelle von Bernhard ­Bur­gener FCB-Präsident geworden, wurde aber frühzeitig ausgebremst. Auch darum kann Streller die Breitseite gegen die neue Führung als «Retourkutsche» abtun. Aber er weiss jetzt, wenige Monate nach seinem Amtsantritt, was er zuvor geahnt hat: «Es stimmt: In Basel bekommst du keine Zeit.»

Ohne Siege wird es rund um den FCB immer schnell unruhig. Aber die neue Führung hat die Ansprüche ja noch zusätzlich in die Höhe geschraubt, als sie mehr Emotionen und eine Mannschaft mit mehr regionalem Bezug versprochen hat. Teilweise war das sicher dem Reflex geschuldet, dass Burgener und seine Crew glaubten, sich etwas Goodwill auf Vorschuss verschaffen zu müssen. Doch nun, da nicht sofort geliefert wird, können die Versprechen schnell zum Bumerang werden.

Die Reise zu Manchester United ist für den FCB darum so etwas wie eine Reise zurück in die Zukunft. Denn das Team, das damals im Old Trafford 3:3 gespielt hat, muss der Idealtypus einer Mannschaft sein, wie sie Burgener und Streller vorschwebt. Sechs Spieler mit lokalem Bezug standen damals auf dem Feld (s. Aufstellung unten links). Und dabei fehlten noch Xherdan Shaqiri, Benjamin Huggel und Valentin Stocker.

«Schon speziell, gopferdelli»

«Das war schon ein spezielles Team, ­gopferdelli», stellt Streller vor dem Abflug nach Manchester fest. In seinem Ausruf steckt die Feststellung, wie schwierig seine Aufgabe ist, nochmals so eine Mannschaft auf die Beine zu stellen. Zumal das damalige Kader mit Huggel, Alex Frei und ihm selbst ein Fundament aus Spielern hatte, die im besten Alter aus dem Ausland heimgekehrt waren, um den Jungen aus dem eigenen Nachwuchs Stabilität zu verleihen. Solche Rückkehrer sucht Streller bislang vergebens. Infrage kommen Valentin Stocker (Berlin) und Fabian Frei (Mainz). Beide haben sig­nalisiert, dass sie vorerst keine Lust haben, wieder in Basel anzuheuern.

Streller hat sowieso die Worte seines Vorgängers Georg Heitz im Ohr, dass es zwei Jahre brauche, um ein Kader nach dem eigenen Gusto zusammenzusetzen. Und er sagt: «Ich kann doch nicht in drei Monaten ein ganzes Team auswechseln. Und ich will das auch nicht.» So hat er seine Akzente bislang bloss im Sturm gesetzt, wo er Seydou Doumbia und Marc Janko durch Ricky van Wolfswinkel und Dimitri Oberlin ersetzt hat.

Noch ist eigentlich nicht viel passiert. In der Super League hält sich der Rückstand auf die Konkurrenz aus Bern und Zürich in Grenzen, die Champions League fängt erst an. Und doch muss Streller spüren, wie heikel die Lage ist. Eine schwere Niederlage in Manchester könnte die Negativspirale endgültig zum Laufen bringen. Auch vor diesem Hintergrund ist es zu verstehen, wenn der FCB offenbar sehr aktiv daran ist, noch einen körperlich robusten Stürmer nach Basel zu holen.

Denn es sind nicht nur externe Kritiker, die zündeln. Auch intern gibt es Stellen, an denen schnell Brände aufflackern können. Da ist CEO Brigger, dessen Position auf der Geschäftsstelle noch nicht von allen verstanden wird. Es gibt Spieler, die von einer merkwürdigen Stimmung in der Garderobe berichten, seitdem Captain Matias Delgado alle mit seinem Rücktritt nach Saisonstart überrascht hat. Und fast zwangsläufig kommt Trainer Raphael Wicky unter Beschuss, wenn er keine Resultate liefert.

Es gäbe ein einfaches Mittel

Natürlich kennt der Sportchef das einfachste Mittel, um die potenziellen Brandherde im Keim zu ersticken: Siege. Wobei in Manchester sogar ein Unentschieden reichen könnte, um die Stimmung drehen zu lassen. Bloss: Hat die Mannschaft die Qualität für einen derartigen Exploit? Für Streller steht das ausser Frage. Für ihn braucht es bloss einen starken Auftritt, damit die Basler «ins Rollen kommen», wie er das nennt. Und er sagt im Brustton der Überzeugung: «Unser jetziges Team hat doch ähnlich viel Qualität wie jenes damals.»

Damals, 2011. In einer Vergangenheit, die für die Basler eine Blaupause für die Zukunft sein soll.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.09.2017, 23:28 Uhr

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