Zurück zur grossen Liebe

«Kann er das?», fragten sie damals. Als Zinédine Zidane jetzt als Trainer zu Real Madrid zurückkehrte, sah er aus, als käme er direkt vom Yoga.

Zinédine Zidane (4. von rechts) bei der Präsentation nach seiner Rückkehr zu Real Madrid.

Zinédine Zidane (4. von rechts) bei der Präsentation nach seiner Rückkehr zu Real Madrid. Bild: Ballesteros/Keystone

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Carlos Alberto Tévez, der argentinische Stürmer, der wieder bei den Boca Juniors spielt, sagte einmal, wenn er in der Kabine mit ihnen spreche, dann bekämen sie Gänsehaut.

Tévez redete damals von Diego Maradona. Der war einmal ein genialer Spieler, für manche der genialste, später wurde er Trainer, und wir erinnern uns an die Bilder der WM 2010 in Südafrika, der vollbärtige Maradona im Massanzug mit schwarzen Lackschuhen an der Linie, er war Trainer des argentinischen Nationalteams und bebte, küsste und knutschte seine Spieler, auch Tévez. Die Gänsehaut verschwand. Maradona ist inzwischen auf seinem Irrweg durchs Leben in der zweiten Liga Mexikos angekommen in einem Club, der von dubiosen Geschäftsleuten und Politikern geführt wird, in einer Stadt, die als grösstes Kokainkartell der Welt gilt.

Carlo Ancelotti, einst ein grosser Spieler, dann ein grosser Trainer, sagte einmal, wenn er spreche, dann würden ihm in der Kabine alle andächtig zuhören. Ancelotti redete von Zinédine Zidane. Der war auch ein genialer Spieler, einer der aussergewöhnlichsten, bevor er später Cheftrainer von Real Madrid wurde, er war der Assistent von Ancelotti gewesen.

Zwei, Maradona und Zidane, waren auf dem Rasen die Besten der Welt, als Trainer scheiterte der eine, der andere nicht. Zugetraut hatte man es eigentlich beiden nicht. Maradona war immer wieder eine tragische Figur, Zidane so still und introvertiert.

Er sei nicht der beste Coach, sagte er damals

Und so fragten sich viele, als Zidane vor drei Jahren Real Madrid übernahm: Kann er das? Wie soll einer, der kaum spricht oder höchstens flüstert, mit den Spielern kommunizieren? Er sei nicht der beste Coach und auch taktisch nicht der Beste, hatte er damals selber gesagt.

Er konnte es. Real gewann mit ihm dreimal hintereinander die Champions League, und neun von neun Finals insgesamt. Als er vor einem Dreivierteljahr aufhörte, wenige Tage nach dem dritten Sieg in der Königsklasse, sagte er, er möge nicht mehr, es sei Zeit für eine andere Stimme in der Kabine.

Und jetzt ist er zurück in Madrid, das ohne ihn zum Krisenclub geworden war. Als Zidane vorgestellt wurde, sah er aus, als käme er gerade vom Yoga oder einem Familienfest, beides habe er in den letzten Monaten genossen, er trug zum kurzen Veston aufgekrempelte Röhrenjeans mit Löchern, seine Frau stand neben ihm. «Ich liebe diesen Club, ich liebe Madrid», sagte er.

Sehr oft, zeigt das Leben, ist es nicht ratsam, zu seiner grossen Liebe zurückzukehren.

Erstellt: 26.03.2019, 13:54 Uhr

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