Zwei Spiele, die über Millionen entscheiden

Für den neuerdings sparsamen FC Basel geht es ab heute gegen Eindhoven um einen weiteren Geldsegen aus der Champions League.

FCB-Captain Valentin Stocker (r.) und Albian Ajeti sind in der CL-Qualifikation gefordert. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

FCB-Captain Valentin Stocker (r.) und Albian Ajeti sind in der CL-Qualifikation gefordert. (Bild: Urs Lindt/freshfocus)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es hat vielversprechend angefangen mit dieser Saison. Jedenfalls, wenn man es aus der Optik des FC Basel bewertet. 4:1-Sieg in Sion, nach den ersten 90 Minuten Tabellenführung, zwei Punkte Vorsprung auf YB – alles erste Werte, die man so in den vergangenen zwei Saisons nie aufweisen konnte. Oder wie es FCB-Captain Valentin Stocker sagt: «Der Anfang kann sicher dazu dienen, uns Vertrauen zu geben.»

Das ist ganz gut so. Denn Vertrauen ist genau das, was der FC Basel im Juli 2019 nötig hat. Es ist ihm in den vergangenen ­Monaten nämlich auf verschiedensten Ebenen abhandengekommen. Zuerst der Mannschaft, die in den vergangenen zwei ­Jahren jenes Selbstverständnis verlor, das sie zuvor stets ausgezeichnet hatte. Dann der Öffentlichkeit, die das Wirken von Präsident Bernhard Burgener zusehends pessimistischer verfolgt. Und zuletzt wohl auch der Clubführung, die unter dem Eindruck der Kritik und der Fakten kaum mehr zum Schluss kommen kann, man habe seit der Übernahme durch Burgener im Sommer 2017 alles richtig gemacht.

Minus ein Drittel Reserven

Einen Cupsieg umfasst der Leistungsausweis zwar genauso wie eine glänzende Champions-­League-Kampagne zu Beginn der neuen Ära. Aber noch mehr ­beinhaltet er zwei klar verlorene Meisterschaften, einen verpassten europäischen Herbst und ein Schwinden der einstigen finanziellen Allmacht: Trotz einträglicher Spielerverkäufe wurde ein Drittel der rund 60 Millionen Franken aufgebraucht, die unter der vormaligen Führung durch Bernhard Heusler als Reserven gebildet worden waren.

Der Apparat, der in all den Jahren aufgebaut wurde, ist gemessen an der Performance, die der FCB bisher unter Burgener zeigte, zu teuer. Per Ende 2018 betrug das strukturelle Defizit bei sinkenden Zuschauereinnahmen mehr als 40 Millionen Franken.

Dass sich diese Lücke nur dann aus eigener Kraft schliessen lässt, wenn internationale Erfolge und ausserordentliche Transfereinnahmen Hand in Hand gehen, ist keine neue Erkenntnis. Neu sind hingegen die Rahmenbedingungen, die internationale Erfolge für einen Schweizer Club tendenziell erschwert haben. Und neu ist auch, wie der FC Basel dieser Herausforderung begegnet: nicht mit Investitionen und Überzeugung, sondern mit Vorsicht. Im laufenden Geschäftsjahr sollen die Ausgaben massiv gesenkt werden. 21 Millionen Franken will Bur­gener im Vergleich zum Vorjahr einsparen – und es ist klar, an welcher Schraube er dabei primär drehen kann: an der Profimannschaft.

Dabei wird eine Mischrechnung aus weniger Transfer­ausgaben (im Sommer kamen bisher nur zwei Spieler) und ­geringeren Lohnkosten (Suchy oder Zambrano liess man ziehen, andere wie Oberlin werden ­ausgeliehen) angestrebt, die das Gros der Ersparnis bringen soll.

Das strukturelle Defizit wird dadurch zwar kleiner. Die sportliche Qualität nimmt in der ­Regel aber auch ab. Und noch immer sind Mehreinnahmen gefragt, die nicht vom nationalen Betrieb herrühren.

Direkt zum Minimalziel?

Um sich diese für das laufende Geschäftsjahr zu sichern, ist der FC Basel gestern Montag nach Holland gereist: In der ­Qualifikation zur Champions League misst er sich heute und eine Woche danach im Basler ­St. Jakob-Park mit dem PSV Eindhoven. Es geht ­dabei um Millionen – und um die Aussicht auf viele Millionen mehr. Denn wenn Rotblau die Hürde nimmt, dann hat der Club das Minimalziel auf direktem Weg erreicht und weiss bereits, dass er bis Dezember im Europacup vertreten sein wird.

Gegen 40 Millionen Franken würde die Champions League dem FC Basel ­bringen.

Die Gruppenphase der Europa League wäre dem FCB nicht mehr zu nehmen – und gleichzeitig könnte er weiter auf den ganz grossen Jackpot hoffen: die Sternenliga, die ungleich höhere Prämien ausschüttet. Wohl gegen 40 Millionen Franken würde das Partizipieren an diesen Honigtöpfen dem FC Basel bringen. Das Unternehmen könnte wohl erstmals unter Burgener einen Gewinn schreiben, der ohne Rückgriff auf Reserven erwirtschaftet wurde. Es würde die Lage des FCB nachhaltig ver­bessern, zumal das Schaufenster Champions League sich auch positiv auf den Wert der Spieler und die Perspektiven auf dem Transfermarkt auswirkt.

Es droht das grosse Zittern

Nach der jüngsten Entwicklung käme ein solches Szenario allerdings einem Coup gleich. Bereits gegen den PSV ist der FCB der Aussenseiter, und die Gegner ­danach dürften sich mindestens in der Stärkeklasse der Basler ­bewegen. Die Dinge liegen also so, dass ein Scheitern gegen Eindhoven weit wahrschein­licher ist, als dass die Rotblauen den ganzen Parcours erfolgreich absolvieren.

Sollte gegen den PSV Schluss sein, dann ist das zwar nicht das Ende. Doch es ist der Anfang des grossen Zitterns – wohl auch in der Chefetage. Denn dann gilt es, in der Qualifikation zur Europa League zwei Runden zu über­stehen, um sich einen europäischen Herbst zu bescheren. Ein Unterfangen, das im Vorjahr misslang und auf der Einnahmenseite einen Ausfall bereits budgetierter 8 Millionen Franken zur Folge hatte. Budgetiert ist die Teilnahme an der Europa League auch in diesem Jahr ­wieder.

Erstellt: 23.07.2019, 18:12 Uhr

Artikel zum Thema

Basel würde auf Linz treffen

Sollte der FCB die Hürde Eindhoven überwinden, würde er in der 3. Qualifikationsrunde zur Champions League gegen LASK Linz spielen. Mehr...

Der VAR bringt Sion um einen Penalty

Premiere in der Super League: Bei Sion gegen Basel revidiert Schiedsrichter Sandro Schärer einen Elfmeter-Entscheid. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Sweet Home 10 Tipps für gelungene Einladungen

Geldblog Waadtländer KB überzeugt als Bank und als Investition

Die Welt in Bildern

Spielvergnügen: Kinder spielen in einem 20'000 Quadratmeter grossen und zwei Kilometer langen Maislabyrinth bei «Urba Kids» in Orbe, Waadt. (22. August 2019)
(Bild: Laurent Gillieron) Mehr...