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Zwischen Europa und Folklore

Basel trifft in der Europa League auf Saint-Etienne. Beide erleben eine Diskussion über Identität und Kommerz.

Gelöste Stimmung beim FCB vor dem Abflug (von links): Akanji, Xhaka, Aliji und Embolo mit den Physiotherapeuten Wüst und Unternährer.
Gelöste Stimmung beim FCB vor dem Abflug (von links): Akanji, Xhaka, Aliji und Embolo mit den Physiotherapeuten Wüst und Unternährer.
Peter Klaunzer, Keystone

Marc Janko ist nicht nur im gegnerischen Strafraum zu Hause. Der Stürmer des FC Basel hat diese Woche bewiesen, dass er sich auch in den sozialen Medien gewandt der Abseitslinie entlang bewegt. Erst mit einem Video, das beweist, dass er mittendrin war, als um vier Uhr in der Früh die Basler Fasnacht begann. Dann kommentierte er seine Rote Karte, die er gegen die Grasshoppers erhalten hatte: «Schiriboss: ‹Foul an sich war nicht so schlimm, dennoch Rot richtig.› ....hää...!?!!?» Das Ganze garniert mit Affen, die sich ­Augen und Ohren zuhalten.

Ein Profi, der die Nacht zum Tag macht und gleich darauf die Liga kritisiert: Nicht überall würde Jankos Vorpreschen goutiert. Aber die Basler Anhänger mögen Fussballer, die sich was trauen. Und dass sich Teile des mit Gastarbeitern gespickten Teams aktiv mit den lokalen Bräuchen auseinandersetzen – und sei es zu nachtschlafener Stunde –, kommt dem Club gerade recht.

Schliesslich wird der FCB wieder einmal von der Frage eingeholt, ob das ­absolute Streben nach sportlichem und finanziellem Erfolg irgendwann die Seele eines Clubs auffressen kann. Renato Steffens Zuzug war dabei nicht alleiniger Auslöser, aber doch Anstoss für einen Teil der Fans, eine grundsätzliche Diskussion über das Wohin des Clubs loszutreten.

Thema für das Tischgespräch

Damit haben die Basler heute beim Mittagessen der Clubführungen vor dem Hinspiel des Sechzehntelfinals der ­Europa League ein Gesprächsthema, bei dem sich auch die Gastgeber der AS Saint-Etienne einbringen können. «Welches Bild sollen wir abgeben?», hat AS-Präsident Bernard Caïazzo vor der Begegnung mit Basel leicht provokativ in der lokalen Presse gefragt: «Wollen wir europäische Ausstrahlung haben – oder ein volkstümlicher Verein bleiben?»

Der französische Rekordmeister hat zwar auf Rang 4 der Ligue 1 Chancen auf einen Platz in der Champions League. Aber noch immer lebt der Club vor allem von der Erinnerung an titelreiche Jahrzehnte vor der Jahrtausendwende. Und von der Glorifizierung der letzten Meistermannschaft mit Michel Platini 1981.

In der Gegenwart aber wird Caïazzo für seine Transfer- und Preispolitik kritisiert. Im Spitzenspiel gegen Monaco blieb im Stade Geoffroy-Guichard ein Viertel der 42'000 Plätze leer. Heute werden rund 26'000 Zuschauer erwartet.

Basler müssen draussen bleiben

FCB-Fans werden gar keine anwesend sein. Ihnen wurde die Anreise untersagt; gestützt auf den Ausnahmezustand, der in Frankreich nach den Anschlägen von Paris herrscht. Dass zugleich Chelsea-Anhänger nach Paris und Bilbao-Fans nach Marseille reisen dürfen, sorgt nicht nur in Basel für Unverständnis. Auf Transparenten fragten Saint-Etienne-Anhänger mit Blick auf die Partie Frankreich - Schweiz an der EM: «18. Februar: 1500 Basler ausgeschlossen. 19. Juni: Wie haltet ihr 20'000 Schweizer in Schach?»

Auch in einem weiteren Punkt treffen sich Saint-Etienne und Basel: Für beide ist die nationale Liga wichtiger als die ­Europa Lea­gue. Selbst 15 Punkte Vorsprung des FCB in der Super League ­ändern daran nach offizieller Diktion von Sportdirektor Georg Heitz «gar nichts».

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