Grabs schwerster Gang

Der einstige Spitzenschwinger Martin Grab sieht sich mit einer positiven Dopingprobe konfrontiert – 7 Fragen und Antworten.

Aus dem fabelhaften wird ein unschöner Abschied: Martin Grab. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

Aus dem fabelhaften wird ein unschöner Abschied: Martin Grab. Foto: Alexandra Wey (Keystone)

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Der Abschied war märchenhaft: Wegen chronischer Hüftbeschwerden trat Martin Grab am 6. Mai zurück – nachdem er zwei Wochen zuvor am Zuger Kantonalen völlig unerwartet seinen 33. Kranzfestsieg gefeiert hatte.

Nun sieht sich der Rothenthurmer mit einer positiven ­Dopingkontrolle konfrontiert. Ausgerechnet Grab, der wie kaum ein anderer für die hehren Werte des Schwingsports einstand. Entsprechend wirbelt der Fall gehörig Sägemehl auf – sieben Fragen und Antworten dazu.

Wann wurde Grab kontrolliert?
Am 17. April, fünf Tage vor seinem letzten Kranzfestsieg am Zuger Kantonalen. Am 26. Juni ­informierte Antidoping Schweiz den Athleten über das Ergebnis der A-Probe.

Um welche verbotene Substanz handelt es sich?
Bei der Probe wurden Spuren von Tamoxifen gefunden. Es handelt sich um einen Wirkstoff aus der Gruppe der Antiöstrogene, der zur Vorbeugung und Behandlung von Brustkrebs eingesetzt wird. Seit 2005 steht die Substanz auf der Liste der Welt-Anti-Doping-Agentur, «weil Tamoxifen die Wirkung von Anabolika oder Testosteron im Körper verlängert», wie Dopingexperte Matthias Kamber erklärt.

Was sagt Grab?
«Ich bin bestürzt. Schwingen ist mein Leben. Ich habe mich immer für einen fairen und sauberen Sport eingesetzt. Während meiner Karriere wurde ich sehr oft getestet – und war stets negativ. Deshalb kann ich mir diese positive A-Probe nicht erklären. Ich bin überzeugt, dass ich auch heute sauber bin. Ich versichere, niemals wissentlich und willentlich verbotene Substanzen eingenommen zu haben, weder direkt noch indirekt.»

Grab ist zurückgetreten. Mit welchen Folgen muss er rechnen?
Bis zur Öffnung der B-Probe, die Grab beantragt hat, gilt die ­Unschuldsvermutung. Wobei die B-Probe laut Kamber «zu 99,9 Prozent» das Resultat der A-Probe bestätigen wird. Ist dies der Fall, und kann Grab den positiven Befund nicht schlüssig erklären, würde er wohl für vier Jahre gesperrt. Wegen des bereits erfolgten Rücktritts wäre dies eine Sanktion ohne Wirkung. Eine Busse dürfte es nicht geben. Sicher ­würden ihm der Sieg am Zuger Kantonalen sowie der Kranz am Schwyzer Kantonalfest aberkannt. Vom Imageschaden ganz zu schweigen.

Handelt es sich um den ersten Dopingfall im Schwingsport?
Nein, um den sechsten. 2001 wurde Beat Abderhalden, Bruder des dreifachen Schwingerkönigs Jörg Abderhalden, mit einem zu hohen Testosteronwert erwischt (18 Monate Sperre). Der Berner Thomas Wittwer blieb 2005 mit Anabolika hängen (zwei Jahre Sperre). Stefan Marti wurde 2012 das Medikament Modafinil nachgewiesen, welches er wegen seiner Schlafkrankheit einnehmen muss – 6 Monate Sperre. Der St. Galler Peter Bänziger – wie der Mittelländer Marti kein Spitzenschwinger – wurde 2013 zwei Jahre gesperrt, nachdem das Zollinspektorat eine an ihn adressierte Sendung mit verbotenen Substanzen abgefangen hatte. Kurz darauf wurde Bruno Gisler positiv auf Nikethamid (stimuliert Atem und Kreislauf) getestet und sechs Monate gesperrt.

Wer kontrolliert die Schwinger?
Bis Herbst 2016 führte der Eidgenössische Schwingerverband mit seiner eigenen Dopinginstanz die Kontrollen durch. Es kamen jedoch je länger, je mehr Vorwürfe, die eigenen Athleten würden geschützt. Mittlerweile ist der Verband Mitglied von Swiss Olympic und hat sich Antidoping Schweiz angeschlossen.

Wie häufig werden die Schwinger kontrolliert?
Die Situation hat sich seit dem Übertritt zu Antidoping Schweiz fundamental verändert. Während und abseits der Wettkämpfe haben sich die Kontrollen vervielfacht. Matthias Sempach, Schwingerkönig von 2013, sagt, ein Seriensieger werde sicher ein halbes Dutzend Mal pro Saison getestet. Die Schwinger müssen nicht Tag für Tag angeben, wo sie sich aufhalten, jedoch Trainingsorte und längere Auslandsaufenthalte melden. An den Festen werden nicht nur von Topathleten Proben genommen, sondern auch von Schwingern, die nach vier von sechs Gängen ausscheiden.

Erstellt: 14.07.2018, 14:10 Uhr

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