Auge in Auge mit den Maskenmännern

Die vier Halbfinal-Goalies – der frühere NHL-Keeper Marco Baron sagt, welchen er im entscheidenden Moment am liebsten im Team hätte.

Playoff-Quartett: Leonardo Genoni, Marco Bührer, Robert Mayer und Lukas Flüeler (im Uhrzeigersinn). Fotos: Ehrenzeller, Schneider, Leanza, Putzu (Keystone)

Playoff-Quartett: Leonardo Genoni, Marco Bührer, Robert Mayer und Lukas Flüeler (im Uhrzeigersinn). Fotos: Ehrenzeller, Schneider, Leanza, Putzu (Keystone)

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Sie verstecken ihr Gesicht hinter Gittern und ihren Körper hinter mächtigen Schonern. Trotzdem stehen sie im Fokus – im Playoff sowieso. Weil sie mit ihren Leistungen an den meisten Abenden über Sieg und Niederlage entscheiden. Marco Baron kennt die enormen Erwartungen an die Goalies nur zu ­genau. Der 55-jährige Kanadier hütete in den 80ern das NHL-Tor von Boston, Los Angeles und Edmonton, ehe er zu ­Ambri wechselte und sich schliesslich im Tessin ­niederliess. Für den «Tages-Anzeiger» hat Baron die vier Halbfinal-Torhüter ­beobachtet und charakterisiert:

Bührer – der Wiedererstarkte

«Marco Bührer zeigt ein starkes Playoff. Für mich war er im Viertelfinal der beste ­Berner. Er hat seine Mannschaft gegen Lausanne oft im Spiel gehalten, wenn sie sich abmühte. Er wirkt richtig geladen, ist der aggressivste Keeper unter den Halbfinalisten. Er ist ein flinker ­Torhüter mit guten Reflexen. Ausserhalb der Goaliezone bekundet er allerdings Mühe, wenn er einen Puck spielen soll. Da müsste er den Verteidigern besser ­helfen. Aber das ist ein Schwachpunkt bei vielen Schweizern. Ich weiss, Bührer hat immer wieder scharfe Kritiker. Sein Ruf hat in den letzten Jahren gelitten. Vielleicht ist das auch der Grund, warum er sich während einer Serie nicht öffentlich äussern will. Er möchte von den Zweiflern und alten Geschichten fernbleiben. Aber in diesem Playoff kann man wirklich nichts gegen ihn ­sagen. Er spielt seine Routine voll aus.»

Marco Bührer (35), Bern: 8 Spiele, 10 Gegentore, 94,38 Prozent Abwehrquote.

Genoni – der Bewegliche

«Ich war immer ein Fan von Leonardo Genoni. Er ist sehr beweglich, sehr ­geschmeidig und kann auch die nötige ­Aggressivität einbringen. Meines Erachtens bekommt er selten die Wertschätzung, die er verdient hätte. Das Problem ist, dass er seit seinem überragenden Jahr 2010/11 die Formkurve seines Teams mitmachte. Die Davoser sind eine emotionale Gruppe, angetrieben von Arno Del Curto. Dessen Energie beeinflusst alle Mannschaftsteile. Die Werkzeuge waren bei Genoni immer da – und jetzt sind es auch die richtigen Emotionen. Er trat beim ersten Match in Bern jedenfalls mit viel Überzeugung auf, was nicht so einfach ist vor dieser Kulisse. Nun muss er diese innere Intensität halten.»

Leonardo Genoni (27), Davos: 7 Spiele, 15 Gegentore, 93,33 Prozent Abwehrquote.

Flüeler – der Relaxte

«Lukas Flüeler ist mit 1,92 Meter der Grösste der vier, deckt dadurch viel ab. Er ist weniger mobil als Genoni, weniger athletisch als Bührer. Dafür ist er unaufgeregter in seiner Haltung – ein Positionsgoalie. Flüeler hatte seine schwierigen Momente, sogar auf dem Weg zum Titel letztes Jahr. Aber wenn er einen schwarzen Abend erlebte, kam er als Rückhalt im folgenden Match zurück. Das zeugt von mentaler Stärke. Viele meinen, er habe einen leichten Job. Denn er hat starke Vorderleute bei den ZSC ­Lions, vielleicht die besten der Liga. Doch auch diesen unterlaufen immer wieder kapitale Fehler. Wenn zum ­Beispiel Bergeron auf dem Eis steht, müssen beide Torhüter wachsam sein. Der ist offensiv gefährlich, aber ­begeht hinten auch mindestens einen Bock. Flüeler scheint jedenfalls für alle Situationen gewappnet. Er ist ein relaxter Typ, erinnert mich ein wenig an Jonas Hiller. Auch er besitzt durchaus das Rüstzeug für die NHL, wurde ja ebenfalls schon zweimal Meister. Wenn ich aus dem Quartett einen Goalie für ein Spiel 7 wählen müsste, wäre es Flüeler.

Lukas Flüeler (26), ZSC Lions: 8 Spiele, 15 Gegentore, 92,82 Prozent Abwehrquote.

Mayer – das Fragezeichen

«Robert Mayer ist ein ähnlicher Spielertyp wie Flüeler, ihm fehlt aber dessen Grösse. Dadurch ist er nicht ganz so kompakt. Noch bewegt er sich zu oft. Ich habe das Gefühl, er will das Spiel zu sehr lesen, statt auf seine Position zu achten. Man merkt, dass er nordamerikanisch geprägt ist, weil er öfter hinters Tor geht als die anderen, um Pucks zu spielen. Im ersten Match in Zürich ging das jedoch einmal gründlich daneben. Er kassierte blöde Gegentore, das darf dir in dieser Jahreszeit nicht passieren. Zum Vergleich: Ich habe nicht gesehen, dass Bührer ein haltbares Gegentor kassiert hat. Vielleicht fehlt Mayer noch etwas die Erfahrung, es ist ja seine erste Saison als Nummer 1 in der Schweiz. Er muss mehr Autorität ausstrahlen, die Gegner müssen Zweifel bekommen, an ihm ­vorbeizukommen. Im Viertelfinal gegen Lugano hat er stark gehalten. Doch für mich ist er das grosse Fragezeichen.

Robert Mayer (25), Servette: 6 Spiele, 16 Gegentore, 89,68 Prozent Abwehrquote.

Erstellt: 18.03.2015, 21:09 Uhr

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