Bei Klotens neuer Führung muss jeder Griff sitzen

Vor fünf Monaten hat in Kloten nicht nur eine neue Führung übernommen, sie hat auch eine neue Struktur eingeführt. Für Fehler bleibt kein Raum.

Klotens neue Führung: CEO Pascal Signer, Vizepräsident Mike Schälchli, Heinz Eberhart und Präsident Rolf Tresch (v. l.). (Bild: Francisco Carrascosa)

Klotens neue Führung: CEO Pascal Signer, Vizepräsident Mike Schälchli, Heinz Eberhart und Präsident Rolf Tresch (v. l.). (Bild: Francisco Carrascosa)

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Auf dem Eis produzierte der EHC Kloten ein Ende mit Schrecken. Weil es bereits das zweite dieser Art in Folge war, befürchtete der eine oder andere gar, Zeuge eines Schreckens ohne Ende zu sein: Am 25. April 2018 der Abstieg in die Swiss League, am 3. März 2019 eine Klasse tiefer das Out in der Viertelfinalserie gegen den SC Langenthal. Kloten, noch vor kurzem der dienstälteste NLA-Verein, war im ersten Jahr in der Swiss League der schlechteste Absteiger seit dem EHC Basel, der es 2008/09 nicht einmal unter die ersten acht Teams geschafft hatte.

Und da ein Unglück ja selten allein kommt, hatte der Club in der sportlichen Krise auch noch einen Führungswechsel zu bewerkstelligen. Der stand die ganze Saison im Raum, immer wieder verzögerte er sich, bis zum fast letztmöglichen Datum. Erst Ende April herrschte Klarheit darüber, wie genau die Nachfolge von Hans-Ulrich Lehmann aussieht. Kein Mehrheitsaktionär mehr, der das Sagen hat, sondern eine breit abgestützte Führung übernahm das Ruder.

Diskreter und ruhiger

Da sind zuerst einmal die vier Mitglieder des Verwaltungsrats. Die Reihenfolge der Nennung soll keine Rolle spielen, sagen sie: Rolf Tresch als Präsident, Mike Schälchli als Vizepräsident, Pascal Signer als Delegierter und Heinz Eberhart als Beisitzer. Die operative Führung liegt bei CEO Signer. Schälchli arbeitet seit über 20 Jahren als einer von drei Teilhabern in der Geschäftsleitung der Tit-Pit Eventorganisation. Tresch ist CEO der RMT Engineering AG mit Sitz in Zug. Eberhart steht der Auto Eberhart AG in Aadorf vor, er hat eine Vorliebe für Oldtimer. Tresch und Eberhart geben sich mit ihrer Rolle im Hintergrund zufrieden.

«Nach aussen diskreter und ruhiger sein», will die neue Führung. Der Sport soll im Vordergrund stehen. Was in den Jahren zuvor nicht immer der Fall war.

Der Verwaltungsrat trifft sich einmal pro Monat, da wird er ergänzt durch den langjährigen Sponsor Jan Schibli. Der Unternehmer vertritt eine anonyme Gruppe von «Freunden». Ein gutes Dutzend Personen und Firmen gehören diesem Kreis an, der eine Defizitgarantie leistete.

Nach den ersten fünf Monaten denken sie in Kloten, «dass der Wechsel zur neuen Führungsstruktur gelungen ist», wie Mike Schälchli sagt. Er ist seit 2014 dabei, er ist der Meinung, dass trotz flacherer Hierarchie im Verwaltungsrat alle Geschäfte ohne Probleme erledigt worden seien.

Der EHC Kloten muss im nächsten Frühjahr sehr lange Eishockey spielen

«Eine flache Hierarchie funktioniert nur, wenn die Kompetenzen und Verantwortungsbereiche klar geregelt sind», ergänzt Rolf Tresch. Diese Kompetenzen und Verantwortungsbereiche würden auf jeder Stufe in den nächsten Monaten neu geregelt, dadurch werde sich der EHC Kloten in den nächsten Jahren positiv weiterentwickeln. «Das vorhandene Netzwerk von Mike Schälchli ist für den EHC Kloten enorm wichtig», betont Tresch.

Trotz des frühen Saisonendes wurde versucht, keinen Partner kampflos zu verlieren, der für die wirtschaftliche Tragfähigkeit wichtig ist. Es ist gelungen, im Sponsoringbereich konnte sogar leicht zugelegt werden. Und – Stand Mitte Woche – 3400 Saisonkarten sind verkauft worden. Gleich viel wie vor einem Jahr. Dennoch kamen am Dienstag gegen Biasca so wenig Zuschauer wie noch nie zu einem Swiss-League-Match in Kloten. Die 3806 waren rund 100 weniger als der Minusrekord aus dem Vorjahr (gegen die EVZ Academy). Das hat auch mit den Mühen des Teams in Heimspielen zu tun.

Der Sport entscheidet

Das Credo der Führung lautet: Schritt für Schritt die Aufgaben angehen. Denn auch sie weiss ja, dass sich alles über die Erfolge im Sport definiert. «Kloten darf nicht jahrelang in dieser Liga spielen, ohne irgendeinen Blumentopf zu gewinnen», sagt Schälchli. Man kann es gar noch drastischer formulieren: Jedes Jahr in der Swiss League ist für den EHC Kloten ein verlorenes. Das erste mit einer Enttäuschung ist bereits vorbei. Der Führung ist durchaus bewusst, dass ihr Team im nächsten Frühjahr sehr, sehr lange Eishockey spielen muss. Nur dann kann der EHC Kloten weiter auf dem Rückweg nach oben unterwegs sein.

In den sieben Jahren mit den verschiedenen Besitzerwechseln ist auf und neben dem Eis sehr viel Substanz und Know-how verloren gegangen. Nach dem Finaleinzug 2014 ging es abwärts, seit 2016 gar steil.

«Kloten darf nicht jahrelang in dieser Liga spielen, ohne irgendeinen Blumentopf zu gewinnen.»Klotens Viezpräsident Mike Schälchli

Fehler darf man sich daher keine mehr leisten. Jeder Griff muss sitzen. Bereits im November beginnen die Budgetgespräche für die kommende Saison. «Zweigleisig» fahre man da, sagt CEO Pascal Signer. «Wir wollen für beide Fälle vorbereitet sein.» Für die Swiss League und die National League.

Verläuft die Abstimmung im November über die Renovation des Ausseneisfelds und der Tiefgarage positiv, werden sich die nächsten Baustellen ausserhalb des Sports automatisch auftun. Dann würde wohl im Mai 2020, nach dem Cybathlon, mit den Arbeiten begonnen werden. Es gäbe im Gastrobereich wie in der Tiefgarage Einschränkungen.

Jetzt, fünf Monate nach Neubeginn, sieht es gut aus in Kloten. Doch auch in einer neuen Beziehung erscheint vieles rosig. Die Bewährungsprobe folgt erst im Alltag – auch für das Konstrukt einer flachen Hierarchie. Für Beziehung und Konstrukt gilt das Gleiche: Man muss sie pflegen.


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Erstellt: 03.10.2019, 17:29 Uhr

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