«Dann trete ich zurück»

Nach neun Siegen in Serie wittert Davos-Coach Arno Del Curto den Schlendrian und sagt, was er dagegen tun will.

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Beim HC Davos scheint momentan alles wie von selbst zu funktionieren. Mal spielen die Bündner den Gegner schon im Startdrittel schwindlig wie beim 6:3 am Sonntag gegen Fribourg, mal beanspruchen sie etwas Glück wie beim 4:3 gegen die ZSC Lions am Dienstag – das Resultat aber bleibt dasselbe: Am Ende gewinnt Davos. Neunmal hintereinander war das bereits der Fall seit der 1:5-Startniederlage gegen die Kloten Flyers, der einsame Leader hat die Verfolger um sieben Punkte und mehr distanziert.

Trainer Arno Del Curto sieht darin keinen Grund zur Euphorie, gebetsmühlenartig wiederholt er: «Einfach den Ball flach halten. Natürlich bin ich froh, dass wir so viele Punkte geholt haben, aber die Lage kann sich so schnell ändern.» Es fliesse noch viel Wasser den Rhein hinab, ehe abgerechnet werde.

Immerhin kann der 57-Jährige derzeit nicht ständig auf die Playout-Gefahr verweisen, wie er das sonst gerne tut, beträgt doch der Vorsprung auf den Tabellenneunten Zug 13 Punkte. Oder? «13 Punkte? Das ist nichts», sagt er und fügt gleich an: «Ich weiss, dass ich für solche Aussagen oft belächelt werde, aber mein Respekt vor Unvorhersehbarem hat mir bisher mehr geholfen als geschadet.» Und verweist auf die zahlreichen Verletzten in den vergangenen beiden Saisons.

«Mir gibt man nicht zwei Monate»

Dass der HCD im Jahr des personellen Umbruchs – unter anderen kamen vier neue Ausländer – schon so früh so erfolgreich spielt, überrascht selbst Del Curto, aber natürlich hat er nichts dagegen einzuwenden. «Ich habe immer betont, dass wir uns im Umbruch befinden, und Geduld gefordert. Aber mir gibt man nicht zwei Monate Zeit dafür, sondern nur zwei Tage. Zum Glück ist es für einmal in der Tat schnell gegangen.»

Dass vom HCD-Zampano gemeinhin Wunderdinge erwartet werden, ist jedoch ein Kompliment, es ist das Resultat seiner erfolgreichen Arbeit in den vergangenen Jahren. Warum es derzeit so gut läuft, kann er sich nicht genau erklären. Auf jeden Fall verfügt er ganz nach seinem Geschmack über vier Flügelzangen, die fürs Forechecking geeignet sind und mit ihrem Tempo jeden Gegner überfordern können. Überhaupt sind die Linien äusserst ausgeglichen, und mit dem zehnfachen Torschützen Marcus Paulsson hat sich einer der neuen Ausländer zur überragenden Figur aufgeschwungen.

«Ich kann nicht einfach einen Blütentee brauen»

Interessanterweise gelangen den Davosern auch in den Saisons 2006/07, 2008/09 und 2010/11 Siegesserien von neun Spielen – danach wurden sie jeweils Meister. Mit solchen Spielereien mag sich Del Curto nicht befassen. «Es hiess ja auch immer, wir gewinnen sowieso den Titel in den ungeraden Jahren, bis wir es 2013 nicht mehr schafften. Jede Serie reisst einmal», sagt er dazu.

Die Chancen, dass die Ungeschlagenheit andauert, stehen allerdings gut. Am Freitag und Samstag wartet zweimal Playout-Kandidat Biel. Ohne den Seeländern zu nahe treten zu wollen: Der Schlendrian ist für den HCD der grössere Gegner. Bereits gegen den ZSC machte sich Genügsamkeit in den eigenen Reihen bemerkbar, was sich vor allem auf die Bereitschaft in der Defensive auswirkte. «Ich kann dagegen nicht einfach einen Blütentee brauen, ein bisschen Cognac und Pfeffer beimischen, und alles wird gut», sagt Del Curto. Will heissen: Es gibt kein Rezept, solches Verhalten ist menschlich.

«Mit etwas Glück findet man die richtigen Worte»

Er sieht nicht viele Möglichkeiten, der Liederlichkeit entgegenzuwirken. «Mit etwas Glück findet man die richtigen Worte und kann den Spielern aufzeigen, was sie noch alles verbessern können, sei das die Passgeschwindigkeit, das Verhalten in der eigenen Zone oder sonst etwas. Am Ende hilft aber nur eines: arbeiten, arbeiten, arbeiten.»

Vielleicht könnte für den HCD auch die längste Serie der Playoff-Ära (seit 1985/86) Ansporn sein. Das grande Lugano triumphierte in der Saison 1987/88 sage und schreibe 27-mal am Stück. «27 Spiele? Unglaublich», sagt Del Curto, lacht und schliesst: «Sollten wir 28-mal nacheinander gewinnen, dann trete ich am Tag nach dem 28. Sieg zurück.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.10.2013, 09:40 Uhr

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50. Runde

25.02.HC Lugano - ZSC Lions3 : 2
25.02.Geneve-Servette HC - EHC Kloten2 : 4
25.02.Fribourg-Gottéron - SC Bern4 : 7
25.02.HC Davos - SCL Tigers6 : 2
25.02.HC Ambri Piotta - Lausanne HC3 : 2
25.02.EV Zug - EHC Biel-Bienne4 : 3
Stand: 25.02.2017 22:19

Rangliste

NameSpSU+U-NG:EP
1.SC Bern5031649160:114109
2.ZSC Lions5026987166:115104
3.EV Zug50283613153:12296
4.Lausanne HC50235121154:13980
5.HC Davos50224420152:13578
6.HC Lugano50196421142:15573
7.Geneve-Servette HC501841117135:14073
8.EHC Biel-Bienne50212324146:14070
9.EHC Kloten501451021142:16262
10.SCL Tigers50164327124:15459
11.Fribourg-Gottéron50125231130:17748
12.HC Ambri Piotta5098528113:16448
Stand: 25.02.2017 22:23

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