Hintergrund

Das Ende der Leidenszeit für Streit & Co.

Mark Streit hat mit den New York Islanders endlich das Playoff erreicht. Für den 35-jährigen Berner NHL-Profi ist das ein weiterer Meilenstein in seiner langjährigen Karriere.

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Die New York Islanders verloren zwar am Dienstagabend Lokalzeit bei den Carolina Hurricanes mit 3:4 nach Penaltyschiessen, weil aber Rivale Winnipeg Jets bei den Washington Capitals 3:5 unterlag, steht die Playoff-Teilnahme der Isles kurz vor Ende der Regular Season bereits fest. Damit geht für den Club aus Long Island eine Durststrecke von sechs Jahren zu Ende. Letztmals schafften die Islanders die Playoff-Qualifikation im Jahr 2007.

Der Kampf um den Stanley Cup ist für zahlreiche Spieler des Teams ein Novum. Nicht aber für Routinier Mark Streit, der in seiner Zeit mit den Montreal Canadiens (2005 bis 2008) insgesamt zwölf Playoff-Partien absolvierte. Seit Herbst 2008 verteidigt der Berner für die Islanders, aber erst in diesem Frühling geht für Streit & Co. die Saison nach der Qualifikation weiter. Ob die wegen des Lockout verkürzte Spielzeit den Islanders, die zur Fraktion der notorischen Verlierer in der NHL gezählt hatten, entgegenkam, bleibt dahingestellt. Dem tapferen Team von Headcoach Jack Capuano kann das ohnehin egal sein. «Die Spieler haben hart für dieses Ziel gearbeitet und sich die Teilnahme am Stanley Cup verdient. Wir hatten keinen guten Start. Dennoch gaben wir nie auf», erklärte Capuano den Journalisten nach der Penalty-Niederlage in Raleigh, Carolina. Am meisten freue er sich für die Fans der Islanders, ergänzte der Trainer. «Sie haben schon seit längerer Zeit kein Playoff-Hockey gesehen. Dabei sind unsere Anhänger so leidenschaftlich.»

Einen Reifeprozess durchgemacht

Nicht nur für die Aktiven und das Management der Insulaner ist der Erfolg eine Genugtuung für die brotlose Zeit der vergangenen Jahre, sondern auch für Captain Streit. «Es war nicht immer einfach. Ich durfte die Geduld und den Glauben nicht verlieren, dass wir hier viel Potenzial haben. Ich musste stets mit gutem Beispiel vorangehen», erklärte der ehemalige Führungsspieler der ZSC Lions jüngst dem «Tages-Anzeiger» (Artikel online nicht vorhanden). Doch sein Verhalten hat sich für den Verteidiger nun gelohnt.

Dass Streit und sein prominenter Teamkollege John Tavares während des Lockout für den SC Bern gespielt hatten, kam beiden zugute. Tavares ist mit 46 Skorerpunkten (27 Goals/19 Assists) aus 46 Partien Topskorer der Mannschaft und liegt an 13. Stelle dieser NHL-Statistik. Streit, der 2011/12 eine missglückte Saison einzog, hat die Form besserer Tage wiedergefunden. Zwar ist seine Plus-Minus-Bilanz mit minus 13 nicht gerade überragend, mit 27 Skorerpunkten (6 Goals/21 Assists) trug der Berner, der viel Eiszeit absolviert, jedoch viel zur offensiven Tauglichkeit des Teams bei. Die Islanders haben einen Reifeprozess durchgemacht, allen voran die jungen Spieler, die teambewusster auftreten als in den letzten Jahren. Jeder rackert für den anderen. Die Taktik ist simpel, aber erfolgreich: Scheibe in die Zone des Gegners schiessen und Druck machen. Streit umschreibt es mit folgenden Worten: «Wir haben begriffen, wie man agieren muss.»

Vertragsverhandlungen auf Eis gelegt

Viel zur Stabilisierung der Abwehr trugen der slowakische Verteidiger Lubomir Visnovsky (36) und der russische Goalie Jewgeni Nabokow (37) bei. Nabokow gibt seinen Vorderleuten jene Sicherheit, die früher des Öfteren vermisst wurde. Im Schnitt kassierte der Routinier bisher bloss 2,54 Gegentore. Sowohl Nabokow als auch Visnovsky haben ihre Verträge beim Club aus Long Island verlängert.

Diesen beruflichen Akt hat Streit noch nicht vollzogen. Die Vertragsparteien haben sich noch nicht einigen können. Im Sommer, wenn der Verteidiger den Status als Free Agent geniesst, sollen die Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Die Playoff-Teilnahme dürfte aber eher dafür sprechen, dass der Berner, der auf einen Dreijahresvertrag schielt, seine NHL-Laufbahn bei den Isles beenden wird. Gemäss Medienberichten in Nordamerika soll der vom Schweizer Profi gewünschte Lohn rund 5 Millionen Dollar im Jahr betragen.

Streit will sich in diesen Tagen nicht auf die Geschehnisse neben dem Rink, sondern ganz auf die Action auf dem Eis konzentrieren. Dass er als Captain und Teamleader sein Team ins Playoff geführt hat, ist ein weiterer Meilenstein in seiner Karriere, die noch längst nicht abgeschlossen ist. «Es ist eine Riesensache, dass wir um den Cup spielen dürfen.» Der professionelle Athlet ist fit wie eh und je, und nicht zuletzt dank seiner Spielintelligenz wäre Streit auch nach Abschluss seiner NHL-Laufbahn ein begehrter Verteidiger in der Eliteliga des Schweizer Eishockeys. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.04.2013, 19:22 Uhr

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