Das Projekt der Präsidentin

Vicky Mantegazza verhilft einem verjüngten HC Lugano zu mehr Publikum und neuem Erfolg.

Grund zur Zufriedenheit: Unter Vicky Mantegazza zeigt Luganos Leistungskurve aufwärts. Foto: Gabriele Putzu (Keystone)

Grund zur Zufriedenheit: Unter Vicky Mantegazza zeigt Luganos Leistungskurve aufwärts. Foto: Gabriele Putzu (Keystone)

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Der HC Lugano sorgt für Schlagzeilen – für kleine und für grosse. Letzten Freitag gab der Club bekannt, er habe seine 4000. Saisonkarte verkauft. Und am Mittwoch, dass er Nationalverteidiger Dominik Schlumpf (23) gegen Alessio Bertaggia (21) und Calle Andersson (20) getauscht habe. Auf den ersten Blick haben die Meldungen wenig miteinander zu tun – doch das täuscht. Beide sind eng verknüpft mit dem, was Vicky Mantegazza «unser Projekt» nennt.

Vittoria Mantegazza, von allen bloss Vicky genannt, ist seit 2011 Präsidentin des Gegners der zwei Zürcher Clubs an diesem Wochenende. Kaum ein Name im Schweizer Eishockey ist so eng mit dem Schicksal eines Clubs verknüpft wie Mantegazza. Ihr Vater Geo hatte in den 1980er-Jahren als Präsident und Mäzen jenes Meisterteam finanziert, das den Mythos des «Grande Lugano» begründete. Und Vicky war damals mittendrin. Nach der Schule machte sie in der Eishalle Resega ihre Hausaufgaben. An Spieltagen sang sie in der berüchtigten Curva nord die Lieder der Fans.

Vicky wuchs auf in einer Welt der Kontraste. Die Mantegazzas sind eine der reichsten Familien der Schweiz – dank Transportgeschäften, Reiseunternehmen und Immobilien. Auf 3 bis 3,5 Milliarden Franken schätzte die «Bilanz» das Familienvermögen letztes Jahr. Auf gleich viel also, wie die Zeitschrift den Clans von Walter Frey und Philippe Gaydoul, den auch nicht gerade güterlosen Präsidenten der ZSC Lions und der Kloten Flyers, zusammen zubilligte.

Voller Kontraste ist Vickys Welt auch heute. Tagsüber sitzt sie als Präsidentin der familieneigenen Immobilienfirma im Glaspalast in Lugano-Paradiso. Und an Spieltagen fährt die 49-Jährige in die Resega, wo die Fans seit dem Titel 2006 vergeblich darauf warten, wieder eine Playoff-Serie zu gewinnen. «Unser Projekt sieht sicher kein weiteres Out in den Viertelfinals vor», kündigte Mantegazza vor der Saison an.

Die günstigsten Abos der Liga

Ihr erstes Projekt im Club war der Aufbau des Frauenteams, das sie zwölf Jahre lang leitete. Ihr nächstes waren ab 2011 die Männer, anfangs mit erfahrenen Trainern wie Barry Smith (damals 59) und Larry Huras (56), mit grossen ­Namen wie Nummelin, Domenichelli oder Aebischer auf dem Eis. Doch die Tochter musste erkennen, dass mit dem Rezept des Vaters, Spieler mit grossem Palmarès zu holen, heute nichts mehr zu gewinnen war. Und die Zuschauer honorierten die Altstars ebenso wenig.

Also änderte Mantegazza den Kurs ­radikal. 2013 gab sie dem 37-jährigen ­Patrick Fischer seinen ersten Job als Chefcoach in der NLA. Sie förderte den Einbau eigener Junioren. Und als in Fischers erster Saison die alteingesessenen ­Spieler zu murren begannen, wurden Domenichelli und Metropolit kurzerhand wegtransferiert. Sie wolle nur noch Spieler, für die das Clubleibchen etwas bedeute, liess Mantegazza wissen.

Die Zahlen geben ihr recht. Erstens in der Tabelle: Letztes Jahr holte Lugano in der zweiten Saisonhälfte nach dem ZSC die meisten Punkte, dieses Jahr steht es auf Rang 4. Zweitens bei den Zuschauerzahlen: Sie steigen seit 2011 ständig, auch dank der günstigsten Jahresabos (360 Franken) der NLA. Und drittens beim Kader: Balmelli, Dal Pian, Romanenghi, Riccardo und Jonathan Sartori, Zanzi, Müller, Fazzini – sie alle wurden im Club ausgebildet und kamen diese Saison schon in der NLA zum Einsatz. «32 Prozent unserer Spieler sind unter 22», verkündete Sportchef Habisreutinger vor der Saison stolz, «bei keinem anderen Club sind es annähernd so viele.» Die jüngsten Transfers von Bertaggia und Andersson passen perfekt zu Mantegazzas Verjüngungskur.

So teuer wie früher soll das neue ­Lugano nicht mehr sein: Gegenüber dem Vorjahr wurde das Budget gar gesenkt. 15 Millionen dürfte es trotzdem betragen, und wer allfällige Löcher stopft, wissen auch alle. In dieser Beziehung ist das heutige Projekt nicht anders als das Grande Lugano von einst.

Erstellt: 13.11.2014, 22:27 Uhr

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