Das Unglück kam von hinten

Just, als Sven Bärtschi drauf und dran ist, sein Potenzial vollends umzusetzen, stoppt ihn eine schwere Gehirnerschütterung.

Sven Bärtschi im Queen Elizabeth Park, hoch ob Vancouver. (Bild: Kristian Kapp)

Sven Bärtschi im Queen Elizabeth Park, hoch ob Vancouver. (Bild: Kristian Kapp)

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Das Unglück geschah in der Stadt des Glücks, Las Vegas. Und wenn alles Gute wirklich von oben kommt, dann kam hier das Schlechte von hinten. Sven Bärtschi lag plötzlich am Boden, in der Mitte des Spielfelds, der Blick eine Mischung aus Schmerz, Erstaunen und Wut. Tomas Hyka, tschechischer Stürmer der Vegas Golden Knights, war zuvor angebraust, Schulter und wohl auch Ellbogen voran, fuhr Bärtschi über den Haufen.

Das Leben in Vancouver als «halber Amerikaner»: Eine Fahrt mit Sven Bärtschi durch die Stadt Richtung Heimarena. (Video: Kristian Kapp)

Was der Berner Angreifer der Vancouver Canucks danach tat, kursiert seither in sozialen Medien als witziges «GIF», ein stummes Kurzvideo in Endlosschleife: Bärtschi fährt raus, setzt sich auf die Bande, das Gesicht rot, tippt sich zwei Mal mit dem Zeigefinger auf die linke Schläfe, und schreit aufs Eis, zu Hyka, zum Schiedsrichter, hinaus in die Welt – es braucht keine besondere Begabung als Lippenleser, um zu entschlüsseln: «Voll auf den verdammten Kopf!»

Der Check Tomas Hykas und der Ärger Sven Bärtschis.

Im Internet teilten sie, «likten» und lachten – nicht aber Bärtschi. Er ahnte, mir ist Schlimmes passiert. Schon wieder der Kopf. Bärtschi kehrte noch zwei Mal kurz aufs Eis zurück, brach ab. Es war der 24. Oktober, die nächste Wende in einem turbulenten Sportlerleben.

Drei Tage vorher, hoch ob Vancouver

Der Kontrast an diesem Sonntag, drei Tage vor Bärtschis Unglück, könnte nicht grösser sein. Die Sonne macht all die herbstlichen Gelb-, Rot-, Grün- und Braun- und Goldtöne der Laubbäume im Queen Elizabeth Park hoch ob Vancouver noch bunter. Die Idylle lässt sich selbst durch das emsige Treiben der Scharen von chinesischen Touristengruppen mit Kameras und Selfie-Sticks, darunter auch zwei Hochzeitsgesellschaften, nicht vertreiben.

Wir setzen uns auf eine der Mauern rund um die vielen Gärten hier. Das Restaurant mit Terrasse und Blick auf die Stadt ist voll, die meisten der Holzbänke im Park sind ebenso besetzt oder noch nass. In der Nacht hatte es noch geregnet, doch dieser Mittag, er ist perfekt. «Schön ist’s hier, gell?», fragt Bärtschi.

Sven Bärtschi und der Blick vom Queen Elizabeth Park hinunter nach Vancouver. (Bild: Kristian Kapp)

Queen Elizabeth als Treffpunkt ausgewählt hat Bärtschi, auch weil er oft mit Bear hierher kommt. Bear ist ein Hund, ein Husky, zum Bären getauft wegen Riesenpfoten, die er als Welpe hatte, als Bärtschi und seine Freundin Laura ihn vor über fünf Jahren kauften.

Sie waren gerade nach Abbotsford gezogen, wo das AHL-Farmteam seines damaligen NHL-Clubs Calgary spielte, einem Städtchen in British Columbia, das zwar hinter Vancouver zweitgrösster Ort der Provinz ist, aber dennoch so klein, abgelegen und trist, «dass du dort kaum etwas unternehmen kannst», wie es Bärtschi beschreibt. In der NHL ruhte wegen des Lockouts 2012 der Spielbetrieb, es herrschte keine Aussicht auf einen baldigen Umzug nach Calgary, auf etwas Abwechslung. Darum: Hund.

Auf den Hund gekommen: Sven Bärtschi und Bear, ein kleiner Film der Vancouver Canucks 2016.

«Kommst du mit mir mit?»

Bärtschi hatte Laura zwei Jahre vorher auf der anderen Seite der nahe gelegenen Grenze zu den USA kennen gelernt, in Portland, Oregon, Bärtschis erster Station in Nordamerika, wo er Junioren-Eishockey spielte. Dort fragte Sven Laura, als ihn die Calgary Flames zum Profi machten und er auf eine Reise ins Ungewisse aufbrach: «Kommst du mit mir mit?»

Laura sagte Ja, und das Haustier, es war ihre Idee, das muss erwähnt werden, denn es ist eigentlich Bärtschi, der so richtig auf den Hund gekommen ist. Timmy hiess der Vierbeiner, der damals, vor Jahren, in den kleinen Berner Gemeinden Langenthal und Aarwangen seine Liebe für Hunde weckte. Timmy gehörte der Grossmutter und war für den kleinen Sven nichts weniger als das Allergrösste: «Nichts gegen meinen Bruder, aber Timmy und ich, wir waren beste Kollegen.»

Yannick Weber hat Huskies – auch wegen Bärtschi

Es ist üblich, dass NHL-Spieler mindestens eine karitative Organisation aktiv unterstützen, Bärtschi ist für zwei tätig: Er zahlt für jedes erzielte Tor 500 Dollar an ein Hilfswerk für sozial benachteiligte Kinder, bei der anderen dreht sich alles um missbrauchte und verstossene Haustiere, vor allem Hunde.

Die Vancouver Canucks bewerben auf der Anzeigetafel «Heros», die Organisation, für die Sven Bärtschi bei jedem Tor 500 Dollar für sozial benachteiligte Kinder spendet.

Bärtschis Hundeliebe ist ansteckend: Yannick Weber, mittlerweile Verteidiger bei den Nashville Predators, liess sich während seiner Zeit bei den Vancouver Canucks und vor allem von Bärtschi inspirieren und besitzt heute selber sogar zwei Huskies.

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Yannick Weber liess sich bei der Hunde-Wahl von Sven Bärtschi inspirieren. Und Weber hat nicht nur Huskies, seine beiden Hunde haben sogar einen Instagram-Account.

«Ich hätte am liebsten zehn Hunde», sagt Bärtschi, doch das gehe selbst im 2-Familien-Haus etwas ausserhalb der Innenstadt nicht. Downtown Vancouver, so schön die Stadt auch sei, meidet Bärtschi als Wohnsitz, auch wegen Bear. «Und ich selbst war noch nie ein Stadtmensch.»

Der aufregende Sommer mit Heirat und Vertrag

Eine «heymigi» Person sei er, sagt Bärtschi mit Worten, die ihn als Berner entlarven, aber auch mit einem leicht nordamerikanischen Akzent, der verrät, dass sein Lebensmittelpunkt sich mittlerweile nach Kanada und in die USA verschoben hat. «Ich rede und denke auf Englisch, muss hin und wieder nach den deutschen Worten suchen», sagt er.

Letzten Sommer kam er gar nicht mehr zurück in die Schweiz, am 14. Juli heiratete er in Portland, wo die beiden ein Haus gekauft haben, Laura, seine erste grosse Liebe. Es war eine tagelange Fete, erstmals in den acht Jahren, seit die beiden zusammen sind, konnten sie ihre beiden Grossfamilien zusammenbringen.

Die Hochzeit – auch Bear ist dabei. (Bild: Twitter Sven Bärtschi)

2018 war der aufregendste Sommer in Bärtschis Leben. Er begann zwar unangenehm, mit dem Auskurieren von Verletzungen der vergangenen Saison: ein gebrochener Kiefer und ein ausgerenktes Schultergelenk – das kostete Bärtschi die WM-Silbermedaille in Kopenhagen, bereits ein Jahr vorher konnte er wegen einer Gehirnerschütterung nicht zu Patrick Fischers Team an die Weltmeisterschaft in Paris.

Doch dann wurde alles schön, zwei Wochen vor der Hochzeit unterschrieb er auch noch einen exakt 10 Millionen US-Dollar schweren 3-Jahres-Vertrag und damit den bislang besten Kontrakt seiner Karriere. Es waren zähe Verhandlungen gewesen, vier, fünf Mal ging es hin und her zwischen den Canucks und André Rufener, Bärtschis Schweizer Agenten.

Und als Bärtschi schon damit rechnete, dass sich die Angelegenheit den ganzen Sommer hinziehen würde, weckte ihn Rufener mit einem frühmorgendlichen Anruf: Einigung! Bärtschi wischte sich den Schlaf aus den Augen, studierte die Zahlen, dachte «Yes!» und unterschrieb sofort: «Der Vertrag war sogar besser, als ich es mir ursprünglich erhofft hatte …»

Die schwierigen Jahre zuvor

Nein, er wolle sich nicht auf dem Erreichten ausruhen, sagt Bärtschi. Aber wenn er auf die letzten acht Jahre zurückblickt, dann sage er sich hin und wieder schon: «Good job!» Denn Bärtschis Story ist nicht nur das, was er geworden ist: ein Stürmer bei den Vancouver Canucks, der zu den Leistungsträgern im Team von Trainer Travis Green gehört. Sondern auch, wie er es wurde. Es gibt die Zeit davor, in der Bärtschi manchen Umweg gehen musste und auch vor dem Aufgeben stand.

Die ersten Unannehmlichkeiten, sie waren im Nachhinein bloss die kleinen Probleme. Heute mag Bärtschi sich einen kleinen Akzent angeeignet haben, doch als er als 17-jähriger Teenager nach Portland kam, konnte er sich nicht verständigen, weil er in der Schweiz in der Schule den freiwilligen Englischunterricht verschmäht hatte. Heute bereut er dies.

«Ich war verwirrt, hatte ein Jahr lang Heimweh, die Familie kam mich oft besuchen», erinnert sich Bärtschi. Und während er dank «Kinderbüchern mit kleinen Tierchen», dem Schreiben von SMS, TV-Konsum und Google-Translate Schritt für Schritt Fortschritte machte, war er dennoch froh, mit Nino Niederreiter einen Schweizer Kollegen im Team zu wissen, der ihm half, wenn er mal etwas doch nicht verstand.

Sven Bärtschi und Nino Niederreiter als Vertreter der Portland Winterhawks beim All-Star-Game der Juniorenliga WHL.

«Wie hätte ich damit umgehen sollen?»

Die ersten echten Troubles folgten, nachdem er im NHL-Draft ein Calgary Flame wurde. Er spreche heute nicht mehr gerne über diese Zeit, sagt Bärtschi. Und wenn er es jetzt doch tut, hier im Park, mitten in diesem bunten Trubel, dann lässt er sich nicht mehr hin und wieder ablenken von den Touristen und den Heiratswilligen, er schaut auch nicht mehr auf den Gesprächspartner, der Blick geht nur noch Richtung Boden. Seine knapp vier Jahre mit Calgary, sie wurden zum totalen Missverständnis mit Trainer-Ärger und zu hohen Erwartungen.

Hier war alles noch in Ordnung: Sven Bärtschi wird am 24. Juni 2011 in St. Paul, Minnesota in der ersten Draft-Runde von den Calgary Flames gezogen. (Bild: Jim Mone/Keystone)

Im ersten Jahr liessen die Flames Bärtschi zwar in Portland, er durfte am Ende der Saison aber für fünf Spiele NHL-Luft schnuppern – fünf Spiele, in denen Bärtschi drei Tore schoss. «Und dieser vermeintliche Traumstart, er war ein Fluch …», sagt er heute. «Ich hatte noch keine Ahnung, wie ich in der NHL spielen muss. Ich schoss einfach drei Tore und wurde in den Medien zum neuen Star hochgejubelt, die Rede war von 30 Toren in der nächsten Saison. Wie hätte ich als 19-Jähriger damit umgehen sollen?»

Ja, es gebe die Ausnahmetalente, die sich von Anfang an durchsetzen, sagt Bärtschi. «Ich gehörte zu den anderen 90 Prozent, die Zeit brauchen, die zuerst in der AHL spielen sollten.» Zu Bärtschis Vorbilder wurden auf dem harzigen Weg die heutigen Superstars von Anaheim, Ryan Getzlaf und Corey Perry, die beide erst via Umweg im Farmteam zu NHL-Spielern wurden. Und er nennt die Organisationen von Detroit und Nashville, in denen die meisten Spieler ihre Sporen zuerst in der AHL abverdienen müssen.

Ständige Wechsel hin und her

Die AHL lernte Bärtschi in der Folge zwar auch kennen, doch er wechselte mehrfach hin und her. Und als Calgarys Farmteam ab 2014 nicht mehr in Abbotsford bei Vancouver, sondern in der Nähe New Yorks an der Ostküste der USA spielte, hiess das jeweils sechs Stunden Flug hin, sechs Stunden Flug zurück – und das oftmals nur, um bei Calgary als überzähliger Spieler die Partie von der Tribüne aus zu verfolgen.

Der General Manager der Flames kritisierte Bärtschis Arbeitseinstellung zudem öffentlich, der für seine unzimperliche Art berüchtigte Trainer Bob Hartley wurde auch nie Bärtschis Freund – um das gestörte Verhältnis wohlwollend zu formulieren.

Bärtschi verlor sein Selbstvertrauen, haderte, ob die NHL die richtige Liga für ihn sei. Er wechselte während seiner Zeit bei Calgary am Ende zwischen insgesamt zehn Wohnungen hin und her, Bear blieb darum bei Lauras Eltern in Portland, was für den Hund sicher besser war – doch er fehlte Bärtschi. Es kam der Moment, als er mit der Idee zu spielen begann, alles hinzuschmeissen und zurückzukehren in die Schweiz.

Die Erinnerung an das Versprechen – und der Transfer

Doch dann dachte Bärtschi noch einmal an all die Team-Interviews vor dem NHL-Draft und was er dort geschworen hatte, auch sich selbst: «Mit 29 Clubs hatte ich gesprochen, elf hatten mich genau das gefragt: ‹Gehst du nach Hause, wenn es hart wird, wenn du zwischen AHL und NHL hin- und herwechseln musst, so wie viele Europäer?› Ich sagte stets Nein!» Bärtschi ist geblieben, Hartley coacht schon länger nicht mehr in der NHL – eine Genugtuung? Der Berner blickt hoch, lächelt nur, sagt nichts.

Keine tiefe Freundschaft: Bob Hartley schreit, Sven Bärtschi (rechts) zuckt zusammen, links neben ihm Calgary-Flames-Legende Jarome Iginla. Ein Bild vom 20. Januar, 2013. (Bild: Jeff McIntosh/Keystone)

Zum Happy End brauchte es aber mehr. Einen Clubwechsel. Und weil der Tag zu einer Art Wiedergeburt wurde, erinnert sich Bärtschi an viele Details dieses Sonntags, 1. März 2015. Er war mit Laura wieder im New Yorker Kaff Glens Falls beim AHL-Team Calgarys, als er es auf Twitter beim bekannten NHL-Journalisten Bob McKenzie las: «Bärtschi zu Vancouver?» Dann klingelte sein Handy, er erfuhr: Der Wechsel ist offiziell! Als er auflegte, begann er zu lachen und Laura zu weinen – vor Freude. «Ich wusste es: Jetzt werde ich es schaffen, zwei Mal versaue ich es nicht!»

Das vertraute Gesicht in Utica

Mit einem Mietwagen, einem kleinen Kia («Genau jener wie in der Werbung mit den autofahrenden Ratten») fuhren die beiden mit Sack und Pack umgehend ins zwei Stunden entfernte Utica, wo das Farmteam der Vancouver Canucks spielt. Der Empfang war herzlich, ein vertrautes Gesicht verstärkte Bärtschis gutes Gefühl: Trainer war Travis Green, sein heutiger Headcoach bei den Canucks. Und derselbe Travis Green, der bereits in Portland Assistenzcoach seines Juniorenteams gewesen war.

Green und Bärtschi, kein Wunder, funktioniert das nun, da kann der Headcoach seinen langjährigen Spieler auch mal dazu benützen, um vor der Mannschaft ein Zeichen zu setzen. Wie letzte Saison, als in einem Negativstrudel der Canucks es Bärtschi war, der ausgerechnet nach einer Serie von vier Spielen und vier Skorerpunkten plötzlich überzählig war. «Er sagte bloss, mein Spiel gefalle ihm derzeit trotzdem nicht», erzählt der Schweizer und fügt an: «Ich kann mittlerweile mit solchen Sachen umgehen.»

Das Erbe der Sedin-Zwillinge

Bärtschi wurde bald Stammspieler in Vancouver. Und jetzt, mittlerweile 26-jährig und auf und neben dem Eis vom verunsicherten, «heimeligen» Teenager aus Langenthal zum NHL-Spieler auf und einem «halben» Amerikaner neben dem Eis mutiert, steht er vor dem vielleicht wichtigsten Karriereschritt. Ein Führungsspieler werden in einer Mannschaft, die nach 18 Jahren nach dem Rücktritt der legendären schwedischen Sedin-Zwillinge ohne ihr Gesicht auskommen muss. Sie mögen nicht mehr spielen, doch sie sind noch äusserst präsent in Vancouver: sei es im Stadion, auf Werbeplakaten oder auch im Fan-Shop, wo Sedin-Utensilien immer noch massenhaft zu kaufen sind.

Die Sedins: Immer noch präsent am Flughafen von Vancouver bei der Canucks-Bar …

«Als ich zu Vancouver kam, merkte ich sofort, was die Sedins sind: Nicht nur Weltklasse-Spieler», sagt Bärtschi, «aber auch das das perfekte Beispiel, wie man als NHL-Profi auch neben dem Eis sein soll.» Die beiden Schweden haben eine so riesige Lücke hinterlassen, eine, «um sie zu schliessen es vorerst jeden einzelnen braucht.» Wer die wahren neuen Leader sind, werde sich erst zeigen, sagt Bärtschi: «Dann, wenn wir erstmals in ein echtes sportliches Tief geraten.»

… oder im Fan-Shop in der Rogers Arena, wo die Sedin-Jerseys immer noch zu den Verkaufsschlagern gehören.

Wenn Brock Boeser zum Nachtessen kommt

Bärtschi nimmt seinen Part ein, indem er sich vor allem um die jungen Spieler kümmert. Vor allem jene, die früh mit Medien-Hype konfrontiert wurden – er hat da schliesslich Erfahrung. Brock Boeser zum Beispiel, 21-jähriger amerikanischer Jungstar der Canucks, bereits Teilnehmer am NHL-All-Star-Game, alleinstehend, ist einer von vielen Spielern, die von den Bärtschis immer wieder Mal zum Essen eingeladen wird. Die Jungen tendierten oft zur tagelangen Schwarzmalerei nach schlechten Leistungen, erzählt Bärtschi, da komme er dann ins Spiel, mit lockeren Sprüchen zur richtigen Zeit.

Und Bärtschi selbst? «Jedes Jahr wurde meine Rolle in der NHL besser. Noch nie waren die Erwartungen so hoch wie jetzt», sagt er. Der letzte grosse Schritt sei, konstante Leistungen zu bringen, «auch wenn ich einmal keine Tore schiesse, mich schlecht fühle oder mich mit kleinen Verletzungen herumplage. Die Allerbesten, die können das.» Der Start, der gelang ihm ordentlich, je drei Tore und Assists in neun Spielen.

Bis dieser Abend in Las Vegas kam.

Nun wartet Bärtschi. Und wartet. Er ist beileibe keiner, der in seiner Karriere von Verletzungspech und von Unwegsamkeiten verschont geblieben wäre. Doch stets fand er einen Weg. Der nächste könnte, just, da alles so gut wie noch nie sein könnte, der mühsamste werden.

Letzten Samstag brach Bärtschi erste Versuche mit lockerem Schlittschuhlaufen wegen Schwindelgefühlen, Sehstörungen und Kopfschmerzen ab – die typischen Begleiter nach schweren Gehirnerschütterungen. Wollte er früher auch mal mit dem Kopf durch die Wand, wenn es nicht lief, hat Bärtschi gelernt, nichts mehr zu überstürzen, wenn es um die Gesundheit geht: «Es gibt ein Leben nach dem Sport, ich will auch dieses geniessen können.» (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 28.11.2018, 23:43 Uhr

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