Das perfekte Timing der ZSC Lions

Zum Finalauftakt gegen den HC Davos boten die Zürcher beim 3:0 ihre beste Saisonleistung. Ein Geniestreich Nilssons wies den Weg zum Sieg.

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Vieles im Leben dreht sich ums richtige Timing. Auch im Eishockey. Die ZSC Lions starteten als Titelverteidiger verhalten ins Playoff, kämpften sich mühevoll durch die Serien gegen Biel und Servette. Doch nun, da sie sich im Final mit dem HCD duellieren, der ein horrendes Tempo anschlägt, haben sie ihre beste Form gefunden. Beim verdienten 3:0 im ausverkauften Hallenstadion bewiesen sie zudem exzellentes Timing bei ihren Toren. Shannon (27.) belohnte ihre erste Phase der Überlegenheit mit dem 1:0. Schäppi (39.) beendete einen siebenminütigen Davoser Sturmlauf mit dem 2:0. Und Keller (51.) zog mit dem 3:0, das er nach einer feinen Einzelleistung erzielte, den Gästen den Stecker.

Auch als sich der HCD danach noch 42 Sekunden in doppelter Überzahl versuchen durfte, brachte er nichts mehr zustande. Das erfolglose Powerplay, in dem sich die Zürcher immer wieder den Puck erkämpften, wurde von Ovationen des Zürcher Publikums begleitet. Apropos Timing: Das seines stimmt, bewies Schäppi bei seinem Treffer, als er den Puck aus der Luft ins Tor spedierte. Trachsler hatte den Puck hoch vors Tor brachte, sein Sturmpartner traf ihn genau richtig. «Nein, das war kein einstudierter Spielzug», sagte der ZSC-Hüne lächelnd. «Aber wir probieren das manchmal im Training.» Obschon Schäppi in jener Szene eine exzellente Koordination von Hände und Augen bewies, spielt er kein Golf.

Rasantes Startdrittel

«Wir haben Davos über 60 Minuten kaum Chancen zugestanden, sehr solide gespielt», resümierte Schäppi. «Aber ich bin überzeugt, dass die Davoser am Samstag noch schneller und noch härter spielen werden.» So rasant, wie es das erste Drittel war, kann Eishockey indes fast nicht mehr sein. Ein Sturmlauf löste den anderen ab, und die Zürcher bekundeten anfangs Mühe mit dem konsequenten Forechecking des HCD. Die aggressive Spielweise der Bündner bildet einen starken Kontrast zu jener von Servette oder Biel. Doch sie eröffnet dem Meister, wenn er es schafft, seine Angriffe gut zu lancieren, auch mehr Räume in der Mittelzone.

Auch dank starker Goalieleistungen blieb die hochklassige Partie lange torlos, bis Nilsson in der 27. Minute mit einem Geniestreich das 1:0 vorbereitete. Der Schwede wartete mit dem Puck, bis Lindgren den Schritt zu ihm machte, und spielte dann quer zum freistehenden Shannon, der in die Lücke traf. HCD-Trainer Arno Del Curto nahm sofort ein Timeout und ermahnte seine Mannen, und in der Folge schaffte es sein Team, die Zürcher während Minuten in arge Nöte zu bringen. Doch Flüeler liess sich nicht bezwingen, und die ZSC-Defensive verlor auch inmitten des Davoser Wirbelsturms die Zuordnung nicht.

Blindenbachers Routine, Malgins Frechheit

Nach dem 2:0 Schäppis liess der Meister dann keinen Zweifel mehr über den Sieger der Partie aufkommen. «Die Davoser waren ausgeruht und bereiteten uns anfangs mit ihrem Tempo Probleme», sagte Wick. «Aber dann kamen wir mit ihnen je länger, desto besser zurecht.» Erneut eine überragende Partie in der Abwehr gelang Blindenbacher, in der Offensive vermochten alle vier Reihen Nadelstiche zu setzen. Auch die vierte um den 18-jährigen Finaldebütanten Malgin, der die grossen Davoser Verteidiger mehrmals mit seinen Finten überraschte.

Beim HCD gab Reto von Arx nach einer achtwöchigen Pause nach einer Schulterverletzung sein Comeback – und dies gleich als Center des ersten Sturms mit Ambühl und Dino Wieser oder Axelsson. Der 38-Jährige vermochte indes nicht die gewünschten Akzente zu setzen. Del Curto liess sich nach der Partie nicht auf Einzelkritik ein, warf dem ganzen Team vor, es sei «zu verspielt» gewesen. Er dürfte bis Samstag ein paar deutliche Worte finden, um seinen Spielern diesen Zug, den er gar nicht schätzt, auszutreiben.

ZSC Lions - Davos 3:0 (0:0, 2:0, 1:0)
– Stand: 1:0

11'200 Zuschauer (ausverkauft). - SR Eichmann/Stricker, Fluri/Tscherrig. - Tore: 27. Shannon (Nilsson) 1:0. 39. Schäppi (Trachsler) 2:0. 51. Keller 3:0 (Nilsson, Geering) 3:0. - Strafen: je 3mal 2 Minuten. - PostFinance-Topskorer: Wick; Paulsson.
ZSC Lions: Flüeler; Geering, Tallinder; Blindenbacher, Siegenthaler; Smith, Seger; Stoffel; Künzle, Trachsler, Schäppi; Keller, Shannon, Nilsson; Bärtschi, Cunti, Wick; Baltisberger, Malgin, Bastl; Neuenschwander.
Davos: Genoni; Du Bois, Guerra; Heldner, Forster; Schneeberger, Paschoud; Ambühl, Reto von Arx, Dino Wieser; Marc Wieser, Lindgren, Paulsson; Sciaroni, Walser, Axelsson; Simion, Corvi, Jörg; Hofmann.
Bemerkungen: ZSC ohne Fritsche, Schnyder (beide verletzt), Bergeron, Schlegel, Boltshauser, Tabacek, Senteler (alle überzählig), HCD ohne Koistinen (verletzt), Redenbach, Aeschlimann, Jung, Camperchioli (alle überzählig). 27. Timeout von Davos. 33. abgefälschter Schuss von Du Bois touchiert die Latte.

Erstellt: 02.04.2015, 23:49 Uhr

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