«Das schlimmste Jahr»

Tommi Santala scheidet am Spengler-Cup mit HPK gegen Davos aus. Das Turnier war für den Finnen dennoch ein willkommenes Kopflüften im Abstiegskampf mit Kloten.

Beste Kollegen: Tommi Santala im Dress Hämeenlinnas mit seinem Sohn Luca. Foto: Melanie Duchene (Keystone)

Beste Kollegen: Tommi Santala im Dress Hämeenlinnas mit seinem Sohn Luca. Foto: Melanie Duchene (Keystone)

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Es stimmte vieles, um bei Tommi Santala authentisches Spengler-Cup-Feeling aufkommen zu lassen. Er durfte teilnehmen mit HPK, dem finnischen Club aus Hämeenlinna, bei dem er vor 18 Jahren den Durchbruch als Profi schaffte, in dessen orangem Jersey er sein erstes Tor erzielte. Wie lange das wirklich schon her ist, bemerkt Santala an zwei anderen Personen: «Mit Janne Lahti ist nur noch ein Spieler dabei. Und mein früherer Linienkollege Antti Miettinen ist mittlerweile Assistenzcoach . . .»

Am Donnerstag waren es Santala und Miettinen, die beim jährlichen «Jugend trainiert» als Vertreter von HPK mit vielen Kindern ein paar Übungen auf dem Eis absolvierten. Auch Santalas Sohnemann Luca versuchte sich im Doppelpass mit dem Papa, der hatte dabei sichtlich eine gute Zeit. Es waren genau diese Momente, auf die der 38-jährige Finne gehofft und sich gefreut hatte.

Als sich der Staub legte . . .

Das Turnier mit Hämeenlinna mag kein sportlicher Erfolg gewesen sein, Santala schied gestern im Viertelfinal gegen Davos nach einem 2:4 aus. Doch den persönlichen Zweck erfüllte der Spengler-Cup für Santala: «Spass haben, mit dem alten Club Hockey spielen, mit Kollegen finnisch sprechen. Und den Kopf lüften.» Vor allem Letzteres. Santala konnte Klotens sportlichen Alltag für ein paar Tage hinter sich lassen. Den Alltag, der aus ­Abstiegs- und Existenzangst des Clubs besteht. 2008 war Santala nach Kloten gekommen, nun spielt er die zehnte Saison, doch das Jubiläum ist ein trauriges: «Die 10 ist eine schöne Zahl. Sie zeigt, dass es mir hier gut ging. Aber es ist das schlimmste Jahr. Ich war noch nie ­abgeschlagener Letzter.»

Ein wenig Abstand zu nehmen, habe gut getan, sagt Santala. «Ich gehe nun mit einem guten Gefühl nach Kloten zurück. Das ist wichtig, denn wir haben immer noch Punkte zu gewinnen, auf die es ankommen könnte.» Vom Playoff spricht Santala nicht, den im Abstiegskampf vorzeitig rettenden zehnten Rang hat er aber nicht abgeschrieben.

Dieses Jubiläum, die zehnte Saison, danach sah es nicht mehr aus vor einem Jahr. Santala verliess den EHC mitten in der Saison, weil er zu Magnitogorsk wechseln konnte, dem Titelverteidiger der russischen KHL. «Ich sah die Chance, den Titel zu holen», sagt Santala, er, der in seiner Profikarriere noch nie einen Meisterpokal stemmen durfte. In Magnitogorsk kam für ihn ein weiterer ver­lorener Playoff-Final dazu, der bereits fünfte. «Und dennoch bereue ich nicht, dass ich es versucht habe», sagt Santala.

In Kloten sah man die Sache weniger romantisch. Santala kündigte beim Abschied an, zurückzukehren, ihm wurde mitgeteilt, dass dies nicht passieren würde. «Darum überraschte mich die Anfrage für diese Saison», sagt Santala. Offenbar habe sich der Staub, den er aufgewirbelt habe, gelegt. Mittlerweile sei er gar gefragt worden, ob er Lust auf eine elfte Saison habe, sagt Santala. Er habe vorerst weder zu- noch abgesagt. Er wolle abwarten. Wahrscheinlich auch, um zu sehen, was mit der Mannschaft passiert. Einer Mannschaft, bei der schon Abgänge bekannt sind. «Das ist der traurige Teil», sagt Santala. «Viele gute Spieler gehen. Das ist weder fürs Team noch für die Organisation gut.»

Kein Duell mit der Schweiz

Bei einem Sieg gegen Davos hätte Santala heute noch mit Hollenstein und Praplan auf zwei Klotener Kollegen in der Nationalmannschaft treffen können. Nun kommt es aber im Halbfinal zum wohl am meisten erhofften Duell HCD – Schweiz. Die spezielle Affiche, bei der Patrick Fischers Nationalteam fast nur verlieren kann und erstmals im Turnier unter Druck steht. Man kann getrost vom vorgezogenen Final sprechen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.12.2017, 23:18 Uhr

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