Del Curto: «Wir müssen über die Bücher»

Der Trainer des HC Davos muss nach dem frühen Ausscheiden im Playoff die Ära nach Teamleader Reto von Arx einleiten.

Grosse Herausforderung: Arno Del Curto muss die Ära nach Leitwolf RvA einleiten.

Grosse Herausforderung: Arno Del Curto muss die Ära nach Leitwolf RvA einleiten. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Arno Del Curto vermutete schon im Sommer, dass es für seinen HCD eine schwierige Saison geben könnte. Aber er dachte, sie würde anders verlaufen: zuerst eine durchzogene Qualifikation, dann ein Steigerungslauf im Playoff. Es kam umgekehrt. Die Bündner spielten trotz einer Vielzahl Verletzter eine Regular Season ohne Schwächephase, verloren als Einzige nie mehr als zweimal nacheinander.

Und nun scheiterten sie im Playoff auf direktem Weg. «Eishockey kann brutal sein», zeigte sogar Lions-Geschäftsführer Peter Zahner, der nicht als Sympathisant der Bündner gilt, Mitgefühl mit dem Rivalen. «Da redet man monatelang davon, das Playoff sei die schönste Zeit. Und dann kann es nach acht Tagen schon vorbei sein.»

Zuletzt lief fast alles falsch, was falsch laufen konnte

Del Curto ärgert sich, wenn er an das Finish der Qualifikation zurückdenkt, in dem sein Team noch erheblich Schaden nahm. Dario Bürgler, Gregory Sciaroni und Josef Marha verletzten sich in für den HCD eigentlich bedeutungslosen Spielen. Und der Engadiner schüttelt den Kopf, wenn er daran denkt, wie Beat Forster im ersten Playoff-Match Reto von Arx mit einem wuchtigen Schuss an der Hand traf und diesem einen Finger brach: «Wenn ich nicht kurz vor der ersten Pause nochmals wechsle, passiert das nicht.» Es lief bei den Bündnern zuletzt fast alles falsch, was falsch laufen konnte. Im Wissen darum, dass viele seiner Spieler nicht fit gewesen seien, könne er das frühe Scheitern aber problemlos akzeptieren, sagt Del Curto.

Der dienstälteste und erfolgreichste NLA-Trainer pflegt antizyklisch zu reagieren, lobt oft nach Niederlagen und relativiert und warnt nach Siegen. Diesmal betonte er bei jeder Gelegenheit, dass er nicht enttäuscht sei von der Mannschaft im Playoff, sondern stolz darauf, was sie trotz aller Widrigkeiten in der Qualifikation geleistet habe. Schliesslich sei Servette, das mit ähnlichem Verletzungspech gekämpft habe, im Playout gelandet.

«Einen von Arx gibt es nicht mehr, der ist einmalig»

Aber innerlich wird es arbeiten bei Del Curto. Er wird sich überlegen (müssen), wieso sein Team seine Bestform viel zu früh erreichte. Ob er im neuen Jahr vielleicht zu hart trainieren liess. Wieso seine Topstürmer im Playoff nicht mehr trafen. Und wie er den unvermeidlichen Generationenwechsel vollziehen kann.

Die «drei Musketiere» im Sturm sind bereits Mitte 30. Sandro Rizzi und Marha zeigten sich in diesem Winter verletzungsanfällig, Reto von Arx spielte eine gute Saison, doch auch an ihm nagt der Zahn der Zeit. Als er im Playoff fehlte, wirkte das Team orientierungslos. Del Curto weiss: «Einen von Arx gibt es nicht mehr, der ist einmalig. Es geht nicht nur um seinen Einfluss aufs Spiel, sondern darum, wie stark er mental ist, wie er sich fürs Team einsetzt.» Der 35-Jährige spielt noch einige Saisons, aber Del Curto muss nun einen Nachfolger aufbauen. Oder besser: mehrere, welche die Lücke schliessen können.

Doch die Generation der jüngeren HCD-Spieler hat den nächsten Schritt noch nicht gemacht. Bürgler entwickelt sich allmählich zum Leader, die talentierten Sciaroni, Dino Wieser und Jannick Steinmann sind noch zu unbeständig. In der Abwehr stagnierten die auf der Schwelle zum Nationalteam stehenden Tim Ramholt und Robin Grossmann.

«Wir müssen über die Bücher», sagt Del Curto. «Es müssten noch ein paar versierte 20-Jährige kommen. Und ein, zwei erfahrene Schweizer. Doch wir haben kein Geld für Transfers.» 2011 verzichtete der Meister auf Zuzüge, jetzt steht erst die Verpflichtung von ZSC-Flügel Schommer fest. Spielraum haben die Davoser nur bei den Ausländern. Marha wird bleiben dürfen, wenn er will, Peter Sejna eher nicht. Das Engagement eines Centers würde Sinn machen.

Morgen das Abschlussessen, dann einen Monat Ferien

Morgen Montag trifft man sich zu einem Abschlussessen, danach will Del Curto seinen Spielern einen Monat frei geben. «Sie sollen sich auskurieren und ihre Köpfe lüften.» Und er selbst? «Ich werde mich dem Nichtstun widmen.» Gedanken daran, wie er die nächste Generation von Davoser Meistern aufbaut, dürften bei ihm aber unweigerlich aufkommen. «Es ist machbar», sagt er, «aber in den nächsten ein, zwei Jahren müssen wir einiges richtig machen.» (SonntagsZeitung)

Erstellt: 11.03.2012, 12:18 Uhr

Bildstrecke

Die Topskorer im Playoff

Die Topskorer im Playoff Wer im Titelrennen die Tore schiesst und Pässe gibt.

Artikel zum Thema

Del Curtos Demut nach dem Scheitern

Nach dem überraschend klaren Aus gegen den ZSC erklärte Arno Del Curto die Gründe für das Scheitern im Viertelfinal. Der Trainer des HC Davos fand auch lobende Worte für die starken Lions. Mehr...

Auch SCB und EVZ im Halbfinal – Fribourg bricht den Bann

Bern gewinnt in Kloten 3:2 und qualifiziert sich für den Playoff-Halbfinal. Zug nimmt die Hürde EHC Biel, während Gottéron nun gegen Lugano führt. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live. Mehr...

ZSC wirft Meister Davos raus – SCB schlägt Kloten klar

Die Lions schlagen Davos auch im vierten Viertelfinal und stehen als erster Playoff-Halbfinalist fest. Der SCB bezwingt die Kloten Flyers klar und führt nun in der Serie 3:1. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete live. Mehr...

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Blogs

Sweet Home 10 Wohnideen, die glücklich machen

Tingler Verschwunden

Die Welt in Bildern

Und die Haare fliegen hoch: Besucher des Münchner Oktoberfests vergnügen sich auf einem der Fahrgeschäfte. (22. September 2018)
(Bild: Michael Dalder ) Mehr...