Del Curtos Suche nach dem System

Die ZSC Lions verlieren nach einem schwachen Auftritt beim Letzten Rapperswil-Jona mit 1:4. Die Zürcher werfen mit Leistungen wie diesen viele Fragen auf.

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Die Szene wenige Sekunden vor dem Ende des Mitteldrittels war symbolisch für den Auftritt der ZSC Lions. Roger Karrer war, kaum in Puckbesitz, bemüht, den Aufbau sofort auszulösen. Es konnte nicht schnell genug gehen, weil so soll das ja nun gespielt werden. Es war mehr Slapshot denn Pass, was Karrer da abfeuerte, der Puck blieb in der Mittelzone hängen, fand den Adressaten nicht, und wieder einmal war ein Zürcher Angriff vorbei, bevor er überhaupt richtig begonnen hatte. Die ZSC Lions mussten mit einem 1:2-Rückstand in die zweite Pause, sie hatten sich mittlerweile vom harmlosesten Gegner der Liga den Schneid abkaufen lassen – eine Art Höchststrafe. Es blieb bloss die Hoffnung, dass es im Schlussdrittel besser werden würde. Irgendwie.

Es wurde nicht besser, es endete in einer 1:4-Niederlage, und mit ganz wenigen Ausnahmen war das am Ende ein völlig ernüchternder Abend für den ZSC. Ein Abend, der so viele Fragen aufwarf. Zum Beispiel, wie die Zürcher so schnell von ihrem Weg abkommen konnten.

Der Anfang, der war passabel, da schienen die Lions das Spiel im Griff zu haben, führten 1:0 dank Roger Karrers erstem Tor in der National League. Sie gewährten den Lakers kaum eine Torchance, kassierten dennoch das 1:1 kurz vor Drittelsende. Es kam aus dem Nichts, es war der Knackpunkt im Spiel. Es braucht nicht viel bei den ZSC Lions, das spricht für Verunsicherung und etwas Planlosigkeit.

Zwei Stangenschüsse

Die ZSC Lions sind seit dem Trainerwechsel von Serge Aubin zu Arno Del Curto immer noch auf der Suche. Auf der Suche nach Systemfestigkeit, aber auch auf der Suche nach Erfolg, vier der sieben Spiele seither gingen nun verloren. Das sei so, sagte Pius Suter. Aber dann wiederum sei das bloss Eishockey, «wir wissen eigentlich, wie das geht». Suter, er gehörte der gestern offensiv auffälligsten, kreativsten Sturmformation mit Simon Bodenmann und Denis Hollenstein an. Sie standen beim einzigen Plustor auf dem Eis, es schien, als hätte Hollenstein Karrers Weitschuss gar noch abgefälscht.

Das sei so eine Szene gewesen, wie es sein müsse, fand Suter: «Da hatten wir Leute vor dem Tor.» 36 Zürcher Schüsse aufs Rapperswiler Tor zählten die Statistiker, bei zwei Stangenschüssen bekundeten die Lions auch noch Pech. Von einer Chancenflut des ZSC zu sprechen, wäre dennoch falsch. Zu viele Schüsse kamen aus der Distanz, auch dann, wenn niemand vor dem Tor stand, um dem Goalie die Sicht zu nehmen.

Viele Baustellen

«Es wird immer enger im Strichkampf», sagte Suter. «Wir müssen nun cool bleiben.» Die Lions müssen aber auch ihr Spiel finden, Trainer Del Curto hatte stets um Zeit gebeten, mit jedem weiteren Auftritt wie gestern wird diese knapper. Baustellen hat die Mannschaft neben dem Systemwechsel genug. Auf den Ausländerpositionen herrscht nur auf dem Papier eine Luxussituation. Jene, die spielen, setzen noch zu wenige Akzente. Wie Moore, der immer noch auf sein erstes Tor wartet. Und in der Abwehr erinnert Noreau immer seltener an einen Spieler, der mit dem Wort «Verteidiger» etwas gemein hat.

Aber eben: Das ist nicht das Hauptproblem der Lions. Dieses ist, dass sie gefangen sind zwischen den Systemen des alten und des neuen Trainers, das wirkt konzeptlos. Das Playoff ist nur noch zehn Spiele entfernt, es ist nicht sicher, dass dieses mit den Zürchern stattfinden wird.

Telegramm:

Rapperswil-Jona Lakers - ZSC Lions 4:1 (1:1, 1:0, 2:0)

4696 Zuschauer. – SR Eichmann/Urban, Fuchs/Schlegel. – Tore: 5. Karrer (Bodenmann, Hollenstein) 0:1. 19. Mosimann (Mason, Profico) 1:1. 27. Clark (Wellman, Casutt/Ausschluss Chris Baltisberger) 2:1. 49. Helbling (Primeau) 3:1. 60. (59:00) Mosimann (Casutt) 4:1 (ins leere Tor).

Strafen: 3mal 2 Minuten gegen die Rapperswil-Jona Lakers, 2mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions. – PostFinance-Topskorer: Wellman; Hollenstein.

Rapperswil-Jona Lakers: Nyffeler; Hächler, Maier; Iglesias, Schmuckli; Gähler, Profico; Helbling, Gurtner; Clark, Knelsen, Wellman; Kristo, Schlagenhauf, Spiller; Mosimann, Mason, Casutt; Primeau, Ness, Hüsler.

ZSC Lions: Schlegel; Berni, Phil Baltisberger; Noreau, Geering; Karrer, Marti; Sutter; Herzog, Backman, Prassl; Bodenmann, Suter, Hollenstein; Chris Baltisberger, Moore, Ulmann; Miranda, Schäppi, Bachofner.

Bemerkungen: Rapperswil-Jona Lakers ohne Berger (krank) und Gilroy. ZSC Lions ohne Blindenbacher, Klein, Cervenka, Flüeler, Nilsson, Wick (alle verletzt) und Pettersson (krank). – Pfosten-/Lattenschüsse: 29. Schlagenhauf, 32. Moore, 56. Karrer. – Timeout ZSC Lions (49.). – ZSC von 58:40 bis 59:00 ohne Goalie.

Weitere Resultate: Ambri-Piotta - Zug 4:3 (1:1, 1:1, 1:1, 1:0) n.V. Bern - SCL Tigers 2:3 (0:1, 2:0, 0:1, 0:1) n.V. Fribourg-Gottéron - Genève-Servette 5:3 (0:2, 2:0, 3:1). Lausanne - Biel 5:2 (1:2, 2:0, 2:0). Lugano - Davos 4:0 (2:0, 0:0, 2:0)

Rangliste: 1. Bern 39/83. 2. Zug 39/81. 3. Biel 40/65. 4. SCL Tigers 40/65. 5. Lausanne 41/65. 6. ZSC Lions 40/62. 7. Ambri-Piotta 40/62. 8. Genève-Servette 40/58. 9. Lugano 40/58. 10. Fribourg-Gottéron 39/56. 11. Davos 38/33. 12. Rapperswil-Jona Lakers 40/26.

Erstellt: 01.02.2019, 23:27 Uhr

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