Del Curtos süssester Triumph

Der sechste Titel des Engadiners mit dem HC Davos ist besonders wertvoll, weil er beweist, dass sein Erfolgsrezept zeitlos und nicht an Personen geknüpft ist.

Baumeister der HCD-Erfolge: Arno Del Curtos Umbruchphase hat früher Früchte getragen als erwartet.

Baumeister der HCD-Erfolge: Arno Del Curtos Umbruchphase hat früher Früchte getragen als erwartet. Bild: Keystone

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Vor Playoff-Beginn sagte Arno Del Curto zu einem Journalisten: «Wir müssen einfach wieder einmal eine ­Serie gewinnen.» Und: «Ich wäre ­zuversichtlicher vor einem Final gegen den ZSC als vor diesem Viertelfinal ­gegen Zug.» Natürlich wollte er damals nicht, dass man das schrieb. Schliesslich ist jede Aussage Teil der Matchvorbereitung und wird von Freund und Feind wahrgenommen. Doch mit seinem Gefühl lag der HCD-Coach genau richtig.

Sein Team und er brauchten nach drei mageren Jahren die Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein. Als sie diese hatten, waren sie nicht mehr zu stoppen. Nach einer wechselhaften ­Serie gegen Zug gaben die Bündner nur noch ein Spiel ab. Sie gewannen gegen den Zweiten (Bern) und den Ersten (ZSC) acht von neun Partien. Eindrücklicher kann man nicht Meister werden.

Hockey mit Tempo und Härte

Der sechste Titel ist für Arno Del Curto vielleicht sogar der süsseste. Weil er zeigt, dass sein System – und damit ist nicht nur das Taktische gemeint – auch ohne den harten Kern, der das Team jahrelang trug, erfolgreich sein kann. Reto von Arx spielte in dieser erneuerten Mannschaft nur noch eine Nebenrolle, man sah viele neue Gesichter. Vom Meisterteam 2011 waren nur noch acht Spieler dabei.

Der Umbruch, das HCD-Schlag- oder -Unwort der letzten Jahre, ist definitiv gelungen. Im Playoff zeigten die Bündner Del-Curto-Hockey in Reinkultur, mit viel Tempo, Härte, Geradlinigkeit und dem rasanten Umschalten von Verteidigung auf Angriff. Del Curto ist ein Tüftler, seinem Stil ist er aber immer treu geblieben. Und der erweist sich als zeitlos, bei ­allen Trends und Regeländerungen.

Die Mannschaft galoppierte

Es ist verblüffend, wie sehr die Mannschaft ein Abbild ihres Trainers ist. Sie startete rasant in die Saison und baute dann stark ab. Dies, weil sich Del ­Curto während der Turbulenzen um die Verhandlungen mit Reto von Arx und ­wegen eines anderen Spielers, den er als Unruhestifter in der Kabine ortete, stark zurücknahm. Als er die Zügel im ­Hinblick auf das Playoff anzog, galoppierte die Mannschaft wieder.

Es ist in Mode gekommen, dass Ex-Spieler als Trainer gleich oben einsteigen. Doch diese Aufgabe ist so komplex, dass man all ihre Facetten erst all­mählich begreift. Del Curto lernte den ­Trainerjob von der Pike auf, begann vor über 30 Jahren beim Zweitligisten Reinach und hat mit den Jahren ein so feines ­Gespür entwickelt, dass er auch die feinsten Strömungen in einem Team wahrnimmt. Es ist deshalb kein Zufall, dass er im neunten Final zum sechsten Mal triumphierte. Wenn sich die Chance bot, schaffte es Del Curto, das Beste aus ­seiner Mannschaft herauszuholen. Das Erstaunlichste beim 58-Jährigen ist, wie er sich seinen Enthusiasmus über all die Jahre bewahrt hat, wie er seine Spieler immer noch fördert wie ein Verrückter. Als Félicien Du Bois nach Davos kam, staunte er, wie viel sein neuer Trainer daran setzte, ihn als Spieler weiter­zuentwickeln. Dies, obschon er bereits 31 war. Auch Jüngere wie Dario ­Simion oder Mauro Jörg, deren Karrieren ins Stocken geraten waren, blühten im Kurort auf. Spieler zu engagieren, ist das eine. Das andere ist, sie besser zu ­machen. Mit zusätzlichen Eislauf-, Schuss- oder Techniktrainings.

Wie geht es mit Del Curto weiter?

Nicht nur der HCD, auch die ZSC ­Lions verstehen sich glänzend darauf. Die beiden Clubs sind derzeit die Motoren des Schweizer Eishockeys, bringen Spieler um Spieler weiter und in den Vorhof des Nationalteams. Beide Clubs schenkten Jungen auch in heiklen Situationen das Vertrauen. Del Curto setzte auf ­viele unerfahrene Verteidiger, Marc Crawford auf die Teenager Siegenthaler und Malgin. Zudem ist es ein gutes ­Zeichen, dass sich zwei Teams im Final duellierten, die Eishockey spielen wollen. Beide setzen auf Tempo und Forechecking, pflegen jene Qualitäten, die das Schweizer Eishockey auszeichnen.

Bleibt noch die Frage, wie es mit Del Curto weitergeht. Er sagte einmal, er könne Davos verlassen, wenn er wisse, dass der Generationswechsel geschafft und die sportliche Zukunft des HCD gesichert sei. Doch man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass er bleibt. Schliesslich steht nun eine Heraus­forderung an, die selbst er noch nie ­gemeistert hat: die Titelverteidigung.

Erstellt: 11.04.2015, 23:58 Uhr

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