Der 26-Millionen-Mann

Nino Niederreiter hat den bisher bestdotierten Vertrag für einen Schweizer Eishockeyspieler unterschrieben. Welche besondere Feinheiten der Vertrag beinhaltet.

Nino Niederreiter: Neuer Vertrag bei den Minnesota Wild.

Nino Niederreiter: Neuer Vertrag bei den Minnesota Wild. Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone

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Die Verhandlungen über die Vertragsverlängerung hatten sich seit Monaten hingezogen. Der Flug nach Toronto am 2. August war schon gebucht, zwei Tage später wäre für Nino Niederreiter dort die Anhörung vor dem unabhängigen Schiedsgericht auf dem Programm gestanden. Für dieses hatte sich der Stürmer vorsorglich angemeldet gehabt, falls es zwischen ihm und seinem NHL-Club, den Minnesota Wild, zu keiner Einigung im Vertragspoker gekommen wäre. Das Schiedsgericht hätte den neuen Lohn bestimmt.

Doch nun, kurz nach Sonntagmitternacht, wurden sich der 24-jährige Churer und sein Verein, für den er bereits seit 2013 spielt, einig: fünf Jahre, 26,25 Millionen US-Dollar.

Bildstrecke – Was die Schweizer Teamsportler in Nordamerika 2016/17 verdienen

Wem gleich alles erzählen, um sich gemeinsam freuen zu können? Klar, Vater und Mutter, bei denen Niederreiter jeweils im Sommer in der Bündner Kantonshauptstadt wohnt. Bloss schliefen diese bereits. «Als Erstes weckte ich meine Eltern», erzählt Niederreiter über die Momente nach Abschluss der Verhandlungen. «Danach rief ich meine Schwestern an, meinen Personal Trainer Michi Bont und teilte alles auch meinen besten Kollegen via Gruppenchat mit.»

Gross feiern werde er nicht: «Ich habe am Morgen früh bereits wieder trainiert, und auch am Abend werde ich mit dem EHC Chur aufs Eis gehen. Vielleicht feiern wir dann am 1. August ein wenig mehr als geplant.»

«Josi wird meinen Vertrag überbieten»

26,25 Millionen in fünf Jahren. So gut war noch nie ein Vertrag, den ein Schweizer Eishockeyspieler unterschrieb. Die 5,25 Millionen Durchschnitt pro Jahr sind kein «Schweizer Rekord», Mark Streits letzter Kontrakt war jährlich exakt genauso viel wert, allerdings nur während vier Spielzeiten.

Die Bedeutung des neuen Schweizer Top-Vertrags sieht Niederreiter pragmatisch: «Die Löhne in der NHL steigen grundsätzlich. Und spätestens dann, wenn Roman Josi einen neuen Vertrag unterschreibt, wird er auch meinen überbieten.»

Josi unterschrieb 2013 bei den Nashville Predators einen Vertrag, der zwar 28 Millionen Dollar schwer ist, allerdings sieben Jahre lang dauert und damit durchschnittlich pro Saison «nur» 4 Millionen einbringt. 2021, wenn er ausläuft, wird dem Berner Verteidiger in der Tat ein klar grösserer Zahltag winken. Josi gehört zu den weltbesten Verteidigern, sein aktueller Vertrag gilt als Schnäppchen für Nashville.

Speziell strukturierter Vertrag

Niederreiters Agent André Rufener hat gute Arbeit geleistet. Bei den Verhandlungen orientierte er sich an drei anderen NHL-Spielern, die kürzlich ihren Vertrag verlängerten: Ondrej Palat (Tampa), Tomas Tatar (Detroit) und Mika Zibanejad (New York Rangers). Allesamt ähnlich alte Stürmer wie Niederreiter, alle drei haben zudem zuletzt ähnliche Skorerwerte produziert wie der Churer, dem 2016/17 mit 25 Toren, 32 Assists und 57 Skorerpunkten in allen Kategorien persönliche Karriere-Bestwerte gelangen.

Das Spezielle an Niederreiters Vertrag ist aber die Strukturierung: Er verdient nicht einfach jede Saison exakt 5,25 Millionen Dollar, sondern wie folgt: 4,6 Millionen im ersten Jahr, danach 6,075 Millionen, 5,85 Millionen, 4,25 Millionen und 5,475 Millionen.

Was im ersten Moment willkürlich, ja fast kryptisch erscheint, hat einen besonderen Grund. Die mit Abstand kleinste Summe, die 4,25 Millionen, sind auf die Saison 2020/21 gelegt. Es ist jene Spielzeit, in der erneut ein Lockout in der NHL droht, weil der Gesamtarbeitsvertrag zwischen Liga und Spielergewerkschaft ausläuft.

In der gleichen Situation fiel zuletzt die Saison 2004/05 ganz aus, während die Spielzeit 2012/13 erst Mitte Januar 2013 statt bereits im Oktober 2012 begann. Der Lohnverlust Niederreiters wäre in so einem Fall also minimal. Weniger als die 4,25 Millionen wären in einem einzelnen Jahr gemäss Reglement bei einem 26,25 Millionen schweren Fünfjahresvertrag gar nicht möglich.

Keine Klauseln

Ebenfalls speziell bei Niederreiters Vertrag: Im Gegensatz zu Tatar, Zibanejad und Palat, die mit ihrem neuen Vertrag alle rund 5,3 Millionen pro Jahr verdienen werden, gibt es beim Churer keine Klausel, die ein Tauschgeschäft mit einem anderen Verein verbieten würde. Weder Club noch Niederreiter wollten diese.

Warum der Churer auf diese Sicherheit verzichtet, erklärt er so: «Falls Minnesota mich irgendwann vielleicht nicht mehr will, soll ein Wechsel zu einem anderen Club nicht wegen so einer Klausel scheitern. Das ist für beide Seiten besser.»

Doch grundsätzlich geht Niederreiter davon aus, die nächsten fünf Jahre bei den Minnesota Wild zu verbringen. Den sportlichen Erfolg sieht er auch als wichtigen Aspekt: «Wir haben hier mit unseren jungen Spielern viel Potenzial und die Möglichkeit, in den nächsten Jahren etwas zu reissen.»

Die fünf Jahre Vertragslänge würden es ihm selbst auch vereinfachen, sich auf das grosse Ziel, den Gewinn eines Stanley Cups, zu konzentrieren: «Die Länge ist gut. Ich habe ein paar Jahre, um zu zeigen, was ich kann, und ich kann dabei befreit aufspielen.»

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Erstellt: 31.07.2017, 14:15 Uhr

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