Der Geniestreich des Vorkämpfers

Die ZSC Lions halten sich (lange) an den Plan des Nationalspielers.

Bild: Keystone

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Da war er, fast zärtlich der Klaps von Chris Baltisberger auf der Spielerbank an die Adresse von Fredrik Pettersson, dem Glücksschützen des nicht unverdienten ZSC-Siegtreffers nach dem ­finalen Wechselbad der Gefühle. Dann rannte der Flügel aufs Eis und mischte sich in die Siegertraube. Oft wurde ihm gratuliert. Schliesslich war es der Vorkämpfer gewesen, der eine starke Leistung gezeigt hatte, in der Schlussphase hatte er das Eis kaum mehr verlassen und jede Körpercharge fertig gemacht.

Nach viereinhalb Minuten hatte er für einen der in dieser Saison im Hallenstadion so raren Geniestreiche gesorgt. Einen solchen hatte man im Spiel der Wahrheit nicht unbedingt erwartet. Reto Schäppi hatte Chris Baltisberger nach viereinhalb Minuten lanciert und statt den ­Abschluss aus schwieriger Position zu suchen, spielte der Powerflügel einen öffnenden Pass, bei dem wohl auch Wayne Gretzky mit der Zunge geschnalzt hätte. Fabrice Herzog konnte das leere Tor fast nicht mehr verfehlen. Es war der Auftakt zu einem Zürcher Abend, der die Wende zum Besseren bringen soll.

Ausgerechnet Baltisberger, der vor Spiel 2 die Kraft des Vergessens und des positiven Denkens vorgelebt hatte – jene Qualitäten, die nie so gefragt sind wie im Playoff. So hatten die Zürcher nach dem über weite Strecken ­lamentablen Auftritt in der Bossard-Arena am Samstag dennoch das Positive gesucht. Baltis­berger hatte es auch gefunden: «Wir ­haben zwar all das nicht gezeigt, was unser Spiel ausmacht, aber wir haben gesehen, dass wir auch einfach und hart spielen können. Jetzt müssen wir einfach mehr kreieren.»

Jeder Mitarbeiter einer PR-Agentur wäre vor Neid erblasst angesichts einer solchen Aussage, aber auf die öffentliche Meinung gibt Baltisberger im Moment ohnehin nicht viel: «Es sind sowieso alle gegen uns.» Eines ist der Powerflügel aber nicht: ein Schaumschläger. Seine Statements haben Hand und Fuss. Und so hielten sich die Zürcher gestern an die Devise und vermittelten von Anfang an den Eindruck, sie seien nun auch im Playoff angekommen.

Immer wieder wurde die Scheibe gut laufen gelassen, viel Druck auf Tobias Stephan ausgeübt, als Konsequenz hatte der im Startspiel nur selten ernsthaft ­geprüfte Zuger Schlussmann kaum ­Ruhephasen. Die Zürcher gingen dahin, wo es wehtut, und wurden mit weiteren Treffern aus naher Distanz belohnt. Symbolisch das 4:1, und wieder war Baltisberger beteiligt: erneut als Assistent von Herzog und nach dem Treffer mit einem Körperkontakt gegen Stephan, der darob enerviert war. Abheben wird Baltisberger nicht: Die Wende vom 4:1 zum 4:4 ist für den ZSC bestmögliche Euphoriebremse.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.03.2018, 23:26 Uhr

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