Der HCD schlägt zurück

Mit einem imposanten Auftritt beim 5:2-Heimsieg über die ZSC Lions glichen die Davoser den Final aus. Fortsetzung folgt am Ostermontag.

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Die Wahrheit von gestern ist im Playoff oft die Lüge von morgen. Zum Finalstart hatte die ZSC-Festung beim 3:0 uneinnehmbar gewirkt, hatte der Meister alles im Griff und Herausforderer Davos seine Emotionen noch nicht richtig gefunden. Gestern Samstag war alles anders. Der HCD spielte nun das Powerhockey, das Arno Del Curto vorschwebt. Immer wieder donnerten Checks auf die Zürcher Gäste ein und wurde Lukas Flüeler mit Schüssen eingedeckt. Und steter Tropfen höhlte den Stein. Zur Spielmitte 1:2 zurück, rissen die Davoser die Führung durch zwei Tore von Simion (32.) und Hofmann (35.) an sich und gaben sie nicht mehr ab. Mit dem 5:2 beendeten sie nicht nur ihre Niederlagenserie gegen den ZSC nach fünf Spielen, sie schossen auch erstmals seit über einem Jahr wieder mehr als zwei Tore gegen diesen Gegner. Und natürlich glichen sie Serie auf 1:1 aus.

Alle Schachzüge von Arno Del Curto gingen auf

Es war aus Davoser Sicht also ein Abend ganz nach Drehbuch. Die Ostkurve hatte vor dem grossen Spiel über 5000 T-Shirts in HCD-Gelb verteilt, selbst die Opernsängerin Noëmi Nadelmann intonierte die obligate Nationalhymne vor dem Spiel in einem gelben Kleid. Und im Spiel gingen alle Schachzüge von Arno Del Curto auf. Reto von Arx war in der Abwehr statt als Center des ersten Sturms ein sicherer Wert, der Kanadier Redenbach machte seine Sache an dessen Stelle gut. Und Hofmann, zuletzt nur noch 13. Stürmer, blühte in der besten HCD-Linie neben Lindgren und Axelsson auf. Hatten die Davoser in Spiel 1 nach dem 0:3 ihre Köpfe hängen lassen, so gaben sich nun die ZSC Lions nach dem 2:4 in der 43. Minute geschlagen. Kurios war, dass Coach Marc Crawford 30 Sekunden vor dem vierten Gegentor ein Timeout genommen und auf seine Spieler eingeredet hatte. Offenbar verfehlten seine Worte ihre Wirkung. Nach dem 2:5 (49.) wurde der glücklose ZSC-Goalie Flüeler durch Leimbacher ersetzt.

Die ZSC Lions traten auf wie Sonntagsschüler

Die Davoser liessen auch im Finish ihre Muskeln spielen – in den Schlusssekunden prügelte Dino Wieser noch auf Keller ein. Als bester HCD-Crack wurde Paschoud gefeiert, der im Mitteldrittel Baltisberger in einen Boxkampf verwickelt hatte. Der ZSC-Flügel, der ein blaues Auge davontrug, war einer der wenigen Zürcher, der den Davosern körperlich etwas entgegensetzte. Die meisten anderen wirkten wie Sonntagsschüler.

Die ZSC Lions wurden dafür bestraft, dass sie nach dem 2:1 Baltisbergers nicht nachsetzten, zu passiv wurden. Obschon siegreich, gab sich Del Curto nicht zufrieden. «Es muss noch mehr kommen», sagte er. Mehr kommt noch. Mindestens noch drei Spiele. Man darf gespannt sein, wie die ZSC Lions die Lektion in Sachen Körperspiel und Aggressivität verdauen. Spiel 3 steht schon am Ostermontag um 16.30 Uhr im Hallenstadion an. Beide Teams werden im Verlaufe dieses Duells bestimmt noch weitere Facetten von sich preisgeben.

Davos - ZSC Lions 5:2 (1:1, 2:1, 2:0) – Stand: 1:1
6850 Zuschauer (ausverkauft). – SR Kurmann/Vinnerborg, Kaderli/Wüst. – Tore: 1. (0:31) Axelsson 1:0 (Eigentor Geering). 2. Trachsler (Jonas Siegenthaler) 1:1. 23. Chris Baltisberger (Jan Neuenschwander) 1:2. 32. Schneeberger (Corvi) 2:2. 35. Gregory Hofmann (Lindgren, Axelsson) 3:2. 43. Jörg (Corvi, Simion) 4:2. 49. Sciaroni 5:2. – Strafen: 6mal 2 Minuten gegen Davos, 7mal 2 Minuten gegen ZSC Lions. – PostFinance-Topskorer: Paulsson; Roman Wick.
Davos: Genoni; Félicien Du Bois, Kindschi; Heldner, Forster; Reto von Arx, Samuel Guerra; Schneeberger, Paschoud; Ambühl, Redenbach, Paulsson; Gregory Hofmann, Lindgren, Axelsson; Sciaroni, Samuel Walser, Dino Wieser; Simion, Corvi, Jörg.
ZSC Lions: Flüeler (49. Leimbacher); Geering, Tallinder; Seger, Smith; Blindenbacher, Siegenthaler; Stoffel, Jan Neuenschwander; Ryan Keller, Shannon, Nilsson; Patrik Bätschi, Cunti, Roman Wick; Künzle, Trachsler, Schäppi; Chris Baltisberger, Malgin, Bastl.
Bemerkungen: Davos ohne Marc Wieser, Koistinen (beide verletzt) und Jan von Arx, ZSC Lions ohne Bergeron, Tabacek (beide überzählige Ausländer) und Dan Fritsche (verletzt). – Timeout ZSC Lions (43.).

Erstellt: 04.04.2015, 23:48 Uhr

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