Der HCD und die Handschrift des Trainers

Der HC Davos ist zum 30. Mal Schweizer Meister geworden. Diese Auszeichnung hat er sich auch redlich verdient, findet Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Sportredaktor Florian A. Lehmann.

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Zuerst deutete vieles darauf hin, als würden die Davoser mit einer Bilanz von 12:0 Siegen für einen neuen Playoff-Rekord sorgen. Aber Finalist Kloten liess mit seinem Mut und seiner Leidenschaft die Finalserie doch noch zu einem Erlebnis werden und glich beinahe aus. Wer weiss, was passiert wäre, hätten die Flyers das sechste Duell gewonnen und zu einer Belle am Donnerstagabend im Landwassertal antreten können. Wie beim Final-Krimi vor zwei Jahren hätte sich die Szenerie über sieben Vergleiche wiederholt. Und wer heuer im Vorfeld der Finalissima auf Kloten als Sieger gesetzt hätte, wäre wohl durchaus richtig gelegen.

Aber die Revanche der Flyers kam nicht zustande, die Fakten sind anders. Seit dem 12. April gehört die nationale Eishockey-Saison 2010/11 der Vergangenheit an. Der Titel geht verdient an den Rekordmeister, der sich durch seine beiden einzigen Playoff-Niederlagen nicht aus dem Konzept bringen liess. Der HCD hinterliess schon in der Regular Season einen stabilen, geschlossenen Eindruck. Und im Viertelfinal überfuhr der Qualifikationssieger aus dem Kanton Graubünden den HC Fribourg-Gottéron und den EV Zug, ohne an seine Leistungsgrenzen gehen zu müssen. Der HCD stellt das ausgeglichenste Kader, die schussgewaltigsten Ausländer sowie mit Leonardo Genoni den besten Goalie des Landes. Zudem ist er auch auf der so wichtigen Center-Position vorteilhaft besetzt. Und: Die Bündner haben klar die besten Werte in so wichtigen Statistiken wie Powerplay und Boxplay.

Auch der jüngste Triumph hängt eng mit der Person an der Bande zusammen: Arno Del Curto hat seit seinem Amtsantritt im Jahr 1996 jetzt den fünften Titel mit dem HCD gewonnen. Der Engadiner bürgt für Kontinuität, sportliche Erfolge, modernes und tempofestes Eishockey sowie Sachverstand bei der Personalpolitik. Und der 54-Jährige hat eine Gabe, die längst nicht jeden Coach auszeichnet: Der ehrgeizige Lehrmeister kann nicht nur Talente, sondern auch gesättigte Stars und durchschnittlich begabte Spieler einen Schritt weiterbringen. Weil der fordernde Trainer trotz seines Temperaments die Geduld nicht verliert, weil er hart mit ihnen arbeitet, weil er an sie glaubt, weil er ihnen Vertrauen schenkt – die Profis zahlen es ihrem Chef auf dem Eis zurück.

So lange Regent Del Curto das Zepter im Landwassertal führt, so lange wird auch der HCD ein Spitzenklub bleiben. Weil die Trainer-Persönlichkeit aus dem Engadin auch schlau genug ist, wann er seine Leistungsträger ersetzen muss. Die Zukunft des HCD sieht insofern rosig aus, weil der Goldesel namens Spengler-Cup dem populären Traditionsverein finanziell den Rücken stärkt.

Erstellt: 12.04.2011, 22:54 Uhr

Florian A. Lehmann: «So lange Regent Del Curto das Zepter im Landwassertal führt, so lange wird auch der HCD ein Spitzenklub bleiben.»

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