«Der Job in Lugano ist eine grosse Herausforderung»

Larry Huras steht erstmals heute Abend gegen Schweizer Meister HC Davos an der Bande des HC Lugano. Von einem Trainerdebüt in der Resega kann man allerdings kaum sprechen.

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Die ersten Trainerturbulenzen in der NLA passierten überraschenderweise schon vor der traditionellen Nationalmannschaftspause im November. Larry Huras wurde am vergangenen Freitagabend kurz nach dem verlorenen Klassiker gegen den ZSC (1:2 n. V.) von SCB-Geschäftsführer Marc Lüthi freigestellt. Es war eine stillose Aktion, die an die Zeiten des Wilden Westens im Schweizer Eishockey in den 80er-Jahren erinnerte, als Trainer in der Drittelspause von präsidialen Vereinsdespoten in die Wüste geschickt wurden. Um das geforderte Spektakel in Bern zu erhöhen, empfehlen wir an dieser Stelle dem Marketingstrategen des SC Bern, den (allenfalls) erfolglosen Interimscoach Antti Törmänen doch während eines Timeouts zu entlassen; weltweite und nicht bloss nationale Schlagzeilen wären dem Klub aus der Schweizer Hauptstadt gewiss.

Einen Tag nach dem Abschied von Huras warf der frustrierte Barry Smith den Bettel in Lugano hin. Auch dieser Schritt erstaunte. Am 0:9-Debakel in Kloten allein konnte es nicht gelegen haben. Nun, die Mechanismen in der rasanten Sportart funktionieren schnell: Seit dem Rückzug des NHL erprobten Amerikaners gewannen die Luganesi unter der interimistischen Führung von Patrick Fischer und Mike McNamara zweimal gegen die Berner Teams SCL und SCB. Und seit Mittwoch ist offiziell publik, dass Huras zum HCL zurückkehrt. Der in Bern entlassene Trainer erhält im Südtessin einen Vertrag bis April 2014 – eine lange Zeit im hiesigen Eishockey.

Die Hoffnungen geschürt

Das bedeutet, dass man in Lugano längerfristig mit dem erfolgreichen Lehrmeister in Sachen Eishockey plant. Also wieder einmal soll in der Resega etwas aufgebaut werden. Das ist gerade mit diesem Personal einfacher gesagt als getan. Das Verhältnis zwischen Huras und Offensivfalter Petteri Nummelin kann beispielsweise nicht mit dem Ausdruck «Ein Herz und eine Seele» bezeichnet werden. Die beiden Protagonisten sind aber professionell genug, dass sie sich für den Erfolg auf dem Eis zusammenraufen. Der finnische Verteidiger liess unmittelbar nach dem erneuten Engagement von Huras gegenüber dem «Tages-Anzeiger» verlauten, dass «wir eben zwei Charakterköpfe sind. Doch wir haben immer eine Lösung gefunden im Sinne des Klubs.»

Der erste Auftritt von Huras mit dem HCL in dieser Saison gegen den HCD ist kein eigentliches Debüt. Huras, mit den Tessinern 2003 auf spektakuläre Weise Schweizer Meister geworden, wurde im Playoff 2006 nach zwei verlorenen Viertelfinals gegen Rivale HC Ambri-Piotta entlassen. Seither wurde er das Gefühl nicht los, dass seine Arbeit in Lugano noch nicht zu Ende geführt sei, wie er bei der Präsentation vor den Medienschaffenden erklärte. Selbst mit dieser schwierigen Mannschaft schürt er die Hoffnungen der Anhänger der Luganesi: «Ich weiss, ich kann einen guten Job machen. Natürlich ist in meinem Hinterkopf immer, Meister zu werden.» Und gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet meinte er heute: «Auf jeden Fall sehe ich die Arbeit hier als grosse Herausforderung für mich, aber auch für die Spieler.»

Schöne Erinnerungen an Bern

Wer Huras kennt, weiss, dass diese Aussagen nicht bloss Lippenbekenntnisse sind. Der 56-jährige Kanadier arbeitet akribisch und gilt als einer, der sich in seinen Job reinbeisst. Er kennt das Personal und die Gepflogenheiten im Schweizer Eishockey bestens – man muss ihm nicht erklären, wo sich die Leventina und der Gotthardtunnel befinden. «Huras hat Erfahrung, er kennt die Spieler und die Liga, deshalb ist er die beste Lösung», begründete Luganos Sportchef Roland Habisreutinger die Wahl des Coachs.

Der sprachbegabte Huras hat also keine Zeit, das bittere Adieu in Bern detailliert zu verarbeiten. Huras klang am vergangenen Montagabend nach einem persönlichen Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet verständlicherweise noch enttäuscht und verärgert über die vorzeitige Verabschiedung in Bern. Doch er vergass auch nicht die guten Momente. «Ich hatte eine schöne Zeit in Bern. Ich bin stolz, was ich mit der Mannschaft erreicht habe. Ich war gerne Coach dieses Teams.»

Der Trainer ist ein realistischer Typ und hat in seiner Karriere viel erlebt. Er trägt mittlerweile den breiten Rücken eines Elefanten. Seine Konzentration gilt ab sofort seinem neuen Job. Dass der gewissenhafte Huras wieder Cheftrainer ist beim HC Lugano, muss nicht schlecht sein für die sportliche Zukunft des Klubs. Die Tessiner brauchen in vielerlei Hinsicht vor allem eines: Konstanz. Für die Konkurrenz bedeutet die Rückkehr von Huras in die Resega die Tatsache, dass ein angeschlagener Gegner wieder stärker sein wird.

Oder anders herum gesagt: Den HC Lugano muss man wieder ernst nehmen.

Erstellt: 28.10.2011, 14:39 Uhr

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