Der Oldie will hoch hinaus

Mit 39 bestreitet Rapperswil-Jonas Neuzugang Sven Lindemann seine zweite Saison in der zweithöchsten Spielklasse. Es soll auch die letzte sein.

Kurzarmshirt bei garstigen Bedingungen: Sven Lindemann will den Jungen mit seinem Einsatz auf dem Eis ein Vorbild sein. Foto: Raisa Durandi

Kurzarmshirt bei garstigen Bedingungen: Sven Lindemann will den Jungen mit seinem Einsatz auf dem Eis ein Vorbild sein. Foto: Raisa Durandi

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Es ist unwirtlich an diesem Morgen. Kaum jemand verirrt sich an die sonst so belebte Seepromenade von Rapperswil, und die wenigen Spaziergänger sind dick eingepackt. Wie ein Fremdkörper in der Szenerie wirkt Sven Lindemann. Er erscheint im Kurzarmshirt und strahlt. Dass der Hoch­sommer 2017 ­definitiv vorbei ist, scheint ihm nichts anzuhaben, im Gegenteil: «Es ist gut, dass es nicht mehr so warm ist. Zeit für Eishockey.»

Der dies sagt, ist nicht irgendein Jungspund. 39 ist Sven Lindemann mittlerweile, und er steigt morgen mit dem Auswärtsspiel beim HC Thurgau in seine 21. Nationalliga-Saison. Rapperswil-Jona ist erst die vierte Profistation des Arosers, nach 13 Jahren bei Kloten, vier Spielzeiten in Zug und zuletzt drei in Langnau. Nachdem er sich zuletzt im Emmental primär gegen unten hat orientieren müssen, richtet er den Blick nun wieder nach oben. Mit Olten und Langenthal dürften die Lakers die Toppositionen unter sich ausmachen. Das Saisonziel ist für Lindemann klar: «Wir wollen aufsteigen.» Ein realistisches Ziel, findet er: «Die Infrastruktur ist top, wir haben gut trainiert, und wir haben vier Linien, die Tore schiessen können. Die Last ist nicht auf wenige Schultern verteilt.»

Zweimal war der SCRJ zuletzt nahe dran, im Playoff-Final gab es gegen Ajoie (2:4) und Langenthal (3:4) knappe ­Niederlagen. Dies, nachdem 2015 der Abstieg gekommen war, der sich mit sechs aufeinanderfolgenden Playout-Teilnahmen schleichend angekündigt hatte. Die SCL Tigers waren dann in der Ligaqualifikation zu stark. «Es lief alles für uns», erinnert sich Lindemann, der damals für die Tigers stürmte, «im ersten Spiel gingen wir kurz vor Schluss in Führung und waren dadurch mental im Vorteil. Das war die Vorentscheidung für die weiteren Spiele.» Am Schluss stand es 4:0 für Langnau, bei Rapperswil-Jona begann ­anschliessend das grosse Aufräumen.

Der Königstransfer

Nun soll Lindemann mithelfen, dass Rapperswil-Jona schafft, was ihm damals mit Langnau gelang. Für ein Jahr hat er unterschrieben, mit Option. «Wenn ich gesund bleibe, kann ich mir gut vorstellen, ein Jahr anzuhängen», sagt Lindemann. Wie vor drei Jahren in Langnau ist er der ­Königstransfer neben Josh Primeau, dem Kanadier, der bei der technisch ausgerichteten Mannschaft das physische Element verstärken soll.

Fast 1100 Nationalliga-Spiele hat Lindemann absolviert und dabei mehr als 500 Skorerpunkte realisiert. Sein Wert für das Team lässt sich aber bei weitem nicht nur an Zahlen festmachen: Er ist nicht nur ein smarter Allroundstürmer, sondern auch ein Vorzeigekämpfer, der sich für keine Drecksarbeit zu schade ist und sich notfalls in Schüsse wirft. Gerade in dieser Hinsicht will der Teamsenior auch bei den St. Gallern überzeugen: «Auf dem Eis will ich mit meinem Einsatz vor allem den Jungen ein Vorbild sein. Und natürlich kann ich mit meiner Erfahrung helfen, gerade, wenn es nicht so läuft.»

Zuletzt spielte er vor 17'000 Fans in der Berner Postfinance-Arena, nun ­drohen Partien vor wenigen Hundertschaften. Und bei den Heimspielen wird die Begeisterung kaum so kochen wie in der Ilfishalle. Ein Kulturschock, den Lindemann eher als Chance denn Hemmschuh sieht: «Es liegt auch an uns, ­Begeisterung zu wecken. Wenn wir ­attraktiv spielen, kommen auch mehr Zuschauer. Und wenn es auswärts einmal fast leer ist, müssen wir nur daran denken, dass wir einen Job zu erledigen haben.» Vorzeigeprofi Lindemann wird das garantiert nicht vergessen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.09.2017, 21:03 Uhr

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