Der Panther, der aus der russischen Kälte kam

Tony Salmelainen macht in dieser Saison den Unterschied für die Offensive von Playoff-Finalist Servette aus. Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtet live ab 20.15 Uhr vom dritten Finalduell in Bern.

Tony Salmelainen: Er ist der momentan schnellste Spieler auf Schweizer Eis.

Tony Salmelainen: Er ist der momentan schnellste Spieler auf Schweizer Eis. Bild: Keystone

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Ein Aufschrei begleitet ihn auf seinen Sturmläufen durch die Les-VernetsHalle. Die Genfer Anhänger spüren, dass der Mann mit dem Goldhelm wieder auf dem Weg zu einem weiteren magischen Augenblick ist. Der Adler ist seit Jahren die Attraktion im Vorprogramm von Genf-Servette, der finnische Panther Tony Salmelainen ist in dieser Saison die Attraktion auf dem Eis geworden.

Der 29-jährige Flügel ist der schnellste Spieler in Schweizer Stadien und damit einer der schnellsten überhaupt. Er ist auch einer der gefährlichsten, einer der so raren «Gamebreaker», der bis jetzt so manchen Match mit seinen Aktionen entschied, und ein Vorbereiter, der auch das Auge für den Mitspieler hat. Der Sturm mit Salmelainen, Savary und Déruns hat seinen horrenden Rhythmus seit letztem Herbst durchgehalten.

Der Eindruck täuscht

Auch am Dienstag machte Salmelainen beim ersten Finalsieg gegen den SCB den Unterschied aus. Wenn man ihn an der Seite des riesigen Verteidigers Marek Malik sieht, wirkt er schmächtig. Der Eindruck täuscht: Der Flügel aus Espoo ist kräftig, hat keine Angst vor Checks. Er engagiert sich auch defensiv, steckt ein – oder ist schon vorbei.

Salmelainen ist das Gegenbeispiel zur gängigen These, die Qualität der ausländischen Spieler in der Schweiz sei sinkend. Es ist aber auch bezeichnend, dass er seine Tore für Genf schiesst. Chris McSorleys Cleverness bei der Verpflichtung und Besetzung der wichtigsten Positionen ist bekannt. Der Kanadier griff zu, als die Kloten Flyers dem Finnen vor zwei Jahren absagten, weil sie einen Center suchten, der sich später als Curtis Brown herausstellte. McSorley engagierte ihn auf Empfehlung von Doug Shedden, der sich damals bei IFK Helsinki auf Topskorer Salmelainen stützte.

«Kein Spass, wir spielen hier so.»

In seiner ersten Genfer Saison musste sich Salmelainen an das McSorley-System und das Rotationsprinzip der fünf Ausländer gewöhnen. Dass Genfer Verteidiger zuweilen einen Angriff mit einem Schuss aus der eigenen Zone auf den gegnerischen Goalie lancieren, kam ihm wie ein Joke vor. Der Trainer sagte auf seine Bedenken hin: «Kein Spass, wir spielen hier so.»

In der laufenden Saison ist er auf seinem Top-Niveau angelangt: «Ja, das mag sein. Aber das gilt auch für das ganze Team. Die Individualisten sind nicht so wichtig.» Salmelainen gilt als ausgesprochen pflegeleichter Spieler, der nicht zu rebellischen Anflügen neigt. Für Beobachter ist es ein Rätsel, weshalb der Stürmer mit hervorragenden Anlagen den Durchbruch in der NHL in zwei Anläufen nicht schaffte. Er war wohl zur falschen Zeit am falschen Ort, erhielt bei Chicago oder Toronto nur zu knapp bemessene Eiszeiten, wie er glaubt. Er sei aber auch heute mit den Erfahrungen im Gepäck der viel bessere Spieler. Vor drei Jahren «flüchtete» er gewissermassen aus Torontos AHL-Farmteam in die russische KHL nach Jaroslawl, das dann mit ihm erst im Final verlor.

Deutsch mit bayrischem Akzent

Nach den Wanderjahren will Salmelainen in Genf mit seiner Frau und der halbjährigen Tochter zum ersten Mal sesshaft werden. Ab und zu erhält die Familie Besuch von seinen Eltern, die vor kurzem von Espoo nach Rosenheim ausgewandert sind. Tommy Salmelainen war dort einst als Flügelstürmer engagiert, weshalb die drei Söhne heute Deutsch mit bayrischem Dialekt sprechen. Der Vater pflegte in seiner Karriere einen ähnlichen, etwas härteren Stil als sein Sohn in Genf. Nur lief er immer geradeaus, egal, ob ein Gegner im Weg stand. Das trug ihm in den nordamerikanischen Profiligen den Spitznamen «Buffalo» ein.

Wenn der «Büffel» dann am Tisch seine Geschichten aus dem wilden Mittleren Westen erzählt, muss der «Panther» manchmal schmunzeln.

Erstellt: 15.04.2010, 17:54 Uhr

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