Der SCB schreitet mit Härte und Charakter in die Zukunft

Der SC Bern hat einmal mehr einen kleinen Gewinn ausgewiesen – und sich vermarktungsmässig ein neues Gesicht verpasst.

Schwarze Zahlen trotz Meistertitel: Beat Brechbühl und Marc Lüthi haben gut lachen. Foto: Raphael Moser

Schwarze Zahlen trotz Meistertitel: Beat Brechbühl und Marc Lüthi haben gut lachen. Foto: Raphael Moser

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der Gewinn von 54'175 Franken erscheint in Anbetracht des Nettoerlöses von fast 30 Millionen bescheiden. Und doch sind die Vertreter der SCB Eishockey AG an der Jahrespressekonferenz bestens gelaunt. «Ich sitze mit einem rundum zufriedenen Gesicht hier», sagt Verwaltungsratspräsident Beat Brechbühl. Das liegt zum einen daran, dass die Exponenten auf eine Saison zurückblicken, die im April mit dem Titelgewinn glorios endete.

Zum anderen kann der präsentierte Rechnungsabschluss tatsächlich mit gutem Gewissen als Erfolg verbucht werden. Denn Spitzeneishockey ist hierzulande kein lukratives Geschäftsfeld. Eine Mannschaft, die um den Titel spielen kann, lässt sich ohne spendablen Mäzen kaum finanzieren. Beim SCB ist das anders – einerseits, weil er mit Abstand am meisten Tickets absetzt, andererseits, weil durch die Gewinne aus der Gastronomie der Spielbetrieb querfinanziert werden kann.

Die Konkurrenz wird stärker

Besonders schwierig, in die Gewinnzone zu kommen, ist es für den SCB, wenn er den Titel holt, weil dieser aufgrund von Prämien und Auslagen für die Meisterfeier Zusatzausgaben zur Folge hat. Meister werden sei teuer, meint Vereinschef Marc Lüthi und fügt an: «Wir haben in vier Jahren drei Titel geholt und es immer geschafft, schwarze Zahlen zu schreiben.» Die letzte Saison stuft er kommerziell als «wirklich gut» ein. «Es gelang uns sogar, ein paar Dinge zu bezahlen, die man auch als Investition hätte verbuchen können.» In der Bilanz tauchen freiwillige Gewinnreserven von 953'000 Franken auf. Trotzdem hält Lüthi fest: ««Summa summarum sind wir gesund, aber nicht reich.»

Zu den Reichen gehören mittlerweile der EV Zug und der Lausanne HC. Bereiten Lüthi die erstarkte Konkurrenz und deren finanzkräftige Geldgeber Sorgen? Derzeit könne sich der SCB eine kompetitive Mannschaft leisten, erzählt der CEO, doch ihn störe, würden zum Teil masslos übertriebene Saläre bezahlt. «Andererseits können auch diese Clubs nur mit 22 Spielern antreten. Solange wir charakterlich das beste Team haben, mache ich mir keine Sorgen.»

Gratiseintritt für Kinder

Trotzdem wird alles dafür getan, die Einnahmen zu steigern. «Wir versuchen, alles, was wir machen, noch besser zu machen und im Sponsoring noch mehr Geld herauszuholen», sagt Lüthi. «Wir müssen den Zuschauer noch mehr abholen, das werden wir auch machen.» So nimmt der SCB zwei neue Biersorten ins Sortiment und bietet erstmals auch den Stehplatzbesuchern vor Matchbeginn warme Speisen an.

«Summa summarum sind wir gesund, aber nicht reich.» SCB-CEO Marc Lüthi

Auch publikumsmässig ziehen die Verantwortlichen eine positive Bilanz. Rolf Bachmann, der operative Leiter, beziffert die durchschnittliche Zuschauerzahl mit 16403 sowie die Auslastung mit 96,3 Prozent. Weil die Partien gegen den letztjährigen Aufsteiger Rapperswil-Jona miserabel besucht waren, wurden etwas mehr «No shows» verzeichnet als in der Vorsaison, doch die Werte für die effektiv anwesenden Saisonkartenbesitzer lassen sich immer noch sehen: Auf den Stehplätzen etwas unter, im Sitzplatz- und VIP-Bereich etwas über 90 Prozent.

Dennoch soll die Fanbasis noch verbreitert werden. Kinder bis 16 Jahre geniessen auf der Stehrampe während der Qualifikation Gratiseintritt. «Wir wollen bei den Jungen Begeisterung entfachen», erklärt Bachmann. Zudem hat sich der SCB vermarktungsmässig ein neues Gesicht gegeben – es ist kein zufriedenes oder gar lachendes. Das Credo der Mutzen lautet künftig: «Härter.»

Erstellt: 05.09.2019, 10:43 Uhr

Spitzeneishockey vor dem Meisterschaftsstart

Heute Donnerstag bestreitet der SC Bern (Spielbeginn 19.45 Uhr) das erste Heimspiel im Rahmen der Champions Hockey League. Das Team Kari Jalonens trifft auf den schwedischen Spitzenclub Skelleftea, dem es auswärts nach Penaltyschiessen unterlag. Skelleftea verlor danach gegen Grenoble 1:2, während der SCB sich bei Kärpät Oulu in der Verlängerung durchsetzte.

Überhaupt scheinen die Leistungsunterschiede in der Gruppe E minimal zu sein.
Insofern ist es wichtig, dass der Schweizer Meister diese Woche in den beiden Matches vor eigenem Publikum (am Samstag empfängt er auch noch Oulu) die Basis für das Weiterkommen legt. «Wir wollen unsere gute Ausgangslage noch verbessern», sagt Alex Chatelain.

Skelleftea erzeuge wie in Skandinavien üblich auf dem ganzen Feld viel Druck, erklärt der SCB-Sportchef. «Die grösste Herausforderung stellt sich daher
den Verteidigern: Sie sind in der Angriffsauslösung gefordert, schnell gute Lösungen finden – logischerweise mit dem Support der Stürmer.»

Jalonen kann aus dem Vollen schöpfen, einzig Flügel Marc Kämpf ist nicht einsatzfähig. Noch dabei ist diese Woche Publikumsliebling Tristan Scherwey,
er am Sonntag nach Ottawa reisen wird, um am Camp des NHL-Teams teilzunehmen. (ädu)

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Reparaturen am Schiff: Ein Mann arbeitet auf einer Werft entlang des Buriganga Flusses am südlichen Rand der Stadt Dhaka in Bangladesch. (15. Oktober 2019)
(Bild: Zakir Hossain Chowdhury/NurPhoto/Getty Images) Mehr...