Der Sturmlauf in die Frustration

Die ZSC Lions dominierten den HC Davos und unterlagen 2:3 nach Penaltys. 54:16 Schüsse reichten nicht zum Sieg.

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Wie verdauen die ZSC Lions diesen Tiefschlag? Jede Niederlage schmerzt einen Eishockeyprofi. Im Playoff noch mehr. Und im Final, wenn der Meisterpokal lockt, wahrscheinlich noch mehr. Wie sehr tut dann diese Niederlage weh, nachdem die Zürcher drei Stunden lang auf ein Tor gespielt hatten? 54:16 lautete das Schussverhältnis, ab dem dritten Abschnitt 32:7. Doch als es im Penaltyschiessen galt, cool zu bleiben, versagten ihnen die Nerven. Shannon und Künzle schossen Genoni in den Handschuh, Nilsson scheiterte mit einem Trick, Bärtschi mit einem halbherzigen Schuss. Und weil Walser und Du Bois mit ihren Hocheckschüssen trafen, war es nach sieben Penaltys vorbei . Die ­Davoser jubelten ausgelassen, die Zürcher schienen kaum zu glauben, wie ihnen geschehen war. Mit versteinerten Mienen gaben sie ihre obligaten Interviews, irgendwann erschien auch Coach Marc Crawford. Und der sonst so emotionale Kanadier schaffte es erstaunlich gut, die Fassung zu bewahren. «Wir machten sehr viele Dinge sehr gut», sagte er. «Jetzt müssen wir einfach so weiterspielen.» Auf die Frage, ob er denke, dass sich der HCD in der Overtime nur noch darauf konzentriert habe, sich ins Penaltyschiessen zu retten, antwortete er: «Wir liessen den Davosern gar keine Möglichkeit, ihr Spiel zu entfalten.» Das stimmte zwar alles, doch das Entscheidende war: Trotz ihrer Überlegenheit, die je länger, desto ­grösser wurde, schafften es die Zürcher in 80 Minuten nicht, die Partie für sich zu entscheiden. Und das rächte sich.

Siebte Niederlage nach Penaltys

Zur grossen Figur wurde der Davoser Goalie Genoni, der inklusive Penaltyschiessen 56 Schüsse parierte. Mehrmals blieb dem Zürcher Anhang der Torschrei in der Kehle stecken. Etwa bei Blinden­bachers goldener Gelegenheit in der 55. Minute oder Cuntis Chance in der 65., als Genoni mit dem Schoner ­parierte. ­Irgendwann würde das dritte Tor fallen, dachten wohl viele. Es fiel nicht.

Und als das Penaltyschiessen Tat­sache war, dürften bei manchem Zürcher ungute Gefühle aufgekommen sein. Denn von den ersten acht Penaltyschiessen dieser Saison hatten sie sechs ver­loren. Nun folgte die siebte solcher Niederlagen. Das ist bei einem Team mit so vielen guten Technikern fast nicht zu erklären. Es scheint sich in den ­Köpfen der Spieler ein negatives Gefühl fest­gesetzt zu haben, wenn es zur Kurz­entscheidung kommt.

In der vergangenen Saison hatten die Zürcher im Playoff den Turnaround geschafft. Nachdem sie in der Qualifikation alle sechs Penaltyschiessen ver­loren hatten, gewannen sie im Playoff beide – das letzte in Kloten zum Titel. Diesmal tun sie sich auch im Playoff weiter schwer. Über die ganze Saison haben die ZSC-Schützen nur 9 von 40 Versuchen verwertet. Noch verheerender ist indes Flüelers Abwehrquote: In 28 Anläufen musste er sich 14-mal geschlagen geben. Das ist für einen Torhüter von seiner Klasse erstaunlich. Bleiben die Fragen, wie gut die gegnerischen Schützen im Video analysiert werden und ob Craw­ford oft genug Penaltyschiessen trainieren lässt.

Wie gegen Biel und Servette

Nach zwei spielfreien Tagen geht es am Donnerstag weiter. Beide Teams ­werden die Pause zu nutzen wissen. Die ­Davoser, um ihre zahlreichen Blessuren zu pflegen. Die Zürcher, um diese Niederlage zu verarbeiten. Positiv darf bei ihnen hervorgehoben werden, welches Tempo sie über 80 Minuten anschlagen konnten. Und dass sie sich vom 0:2 zur zweiten Pause nicht beeindrucken liessen, weiterstürmten und durch die Tore von Shannon (46.) und Geering (48.) belohnt wurden. Nicht mehr als eine Randnotiz war, dass Bergeron nach fünf Spielen anstelle Smiths wieder einmal zum Einsatz kam und fehlerfrei blieb.

Für die ZSC Lions ist das, was sie am Ostermontag erlebten, ein Déjà-vu. Schon gegen Biel und Servette hatten sie Spiel 3 im Hallenstadion dominiert und verloren – nach Penaltys beziehungsweise in der Verlängerung. Beide Male waren sie dadurch 1:2 in der Serie in Rückstand geraten, beide Male gewannen sie auswärts Spiel 4. Crawford dürfte es nicht versäumen, ihnen das in Erinnerung zu rufen.

Erstellt: 06.04.2015, 22:57 Uhr

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