Der ZSC fordert sein Schicksal heraus

Beim 1:3 in Biel verpassten die Zürcher auf läppische Weise den ersten Halbfinalpuck. Spiel 7 muss entscheiden.

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Irgendwann geht es nicht mehr gut. Vielleicht diesmal. Und es wäre ein Scheitern, an dem die ZSC Lions lange zu nagen hätten. Man kann eine Playoff-Serie verlieren. Aber nicht auf diese Weise, nachdem man so viel Glück ­beansprucht hat, um die Oberhand zu bekommen. Gegen einen Gegner, für den es in Spiel 6 darum ging, möglichst anständig die Saison abzuschliessen. Der nüchtern betrachtet viel weniger Möglichkeiten hat. Der Halbfinal­einzug war für die ZSC Lions gestern in Biel, an einem Abend, der im Zeichen des ­Abschieds vom alten Eisstadion stand, griffbereit. Doch sie griffen nicht zu. Sie verpassten den vierten Sieg auf ­läppische Weise.

Natürlich, Biel kämpfte nochmals, so gut es ging. Aber die Seeländer waren gezeichnet, entwickelten nicht mehr die gleiche Intensität wie zu Beginn der ­Serie. Doch anstatt davon zu profitieren, liessen die ZSC Lions das Spiel einfach so dahinplätschern. 30 Minuten lang wähnte man sich im Oktober oder im November, beim 23. oder 31. Spiel der Qualifikation. Die Zürcher erspielten sich ein Chancenplus, liessen aber die nötige Entschlossenheit vermissen. ­Irgendwann würde der Puck schon reinfallen und sich Biel ergeben, schienen sie zu denken. Doch dann zelebrierten die Bieler Schweden Arlbrandt und Olausson wieder einmal eine jener Kombinationen, für die sie gefürchtet sind. Ein schneller Konter, drei Pässe, und Arlbrandt konnte zum 1:0 einschieben.

Bergerons fataler Aussetzer

Immerhin waren die ZSC Lions danach endlich richtig da, spielten sie fortan wie in einem Playoff-Spiel. Doch nun war auch der Appetit der Bieler geweckt. Rytz verhinderte mit einigen guten Paraden den Ausgleich, bis Geering in der 45. Minute in Überzahl traf. Die beiden Teams lieferten sich danach einen ­temporeichen Schlagabtausch, dem Bergeron in der 53. Minute ein jähes Ende setzte: Der Offensivverteidiger spielte als letzter Mann den Puck unbedrängt dem anstürmenden Wetzel zu, der lief in die Zürcher Zone, wurde von Geering zu wenig gestört und traf backhand zum 2:1. Es war die Entscheidung, obschon sich die ZSC Lions noch zahlreiche Ausgleichschancen erkämpften. Doch diesmal war ihnen das Glück nicht hold.

Sie haben es damit geschafft, die ­Serie nochmals zu lancieren. Wie im letztjährigen Viertelfinal gegen Lausanne, als sie 3:1 führten, dann zweimal 1:2 verloren und ebenfalls ein Spiel 7 ­nötig wurde. Bergeron schoss damals im Hallenstadion das einzige Tor, und auch in der Entscheidungspartie des Halb­finals gegen Servette (4:0) stellte er mit einem frühen Treffer die Weichen. Der Kanadier bekommt morgen Samstag also die Möglichkeit, seinen fatalen Fehler zu korrigieren. Die Statistik spricht für die ZSC Lions – sie haben zuletzt viermal ein Spiel 7 gewonnen: 2014 gegen Lausanne und Servette, 2013 im Viertelfinal gegen Davos (2:0), 2012 im Final ­gegen Bern (2:1). Doch Statistik gewinnt einem keine Spiele. Die Zürcher müssen wieder mit der Vehemenz auftreten, die es im Playoff einfach braucht.

Schläpfer griff zum Mikrofon

Wie oft schon sprach man in diesem Winter von einem Weckruf für die ZSC Lions? Dieser dürfte nun am lautesten in ihren Ohren hallen. Doch auch wenn der Einsatz stimmt, kann in ­einem siebten Spiel etwas schieflaufen. Biels Coach ­Kevin Schläpfer wird jedenfalls alles ­daransetzen, am Samstag den grössten Coup seiner Trainerkarriere zu schaffen. Inmitten der Feierlichkeiten nach der Partie um den (möglichen) Abschied vom alten Eisstadion nach 43 Jahren riss er ein Mikrofon an sich, stürmte aufs Eis und schrie: «Boys, wir wollen nochmals hierher zurückkommen!»

Biel - ZSC Lions 3:1 (0:0, 1:0, 2:1)
6123 Zuschauer. – SR Prugger/Vinnerborg, Kovacs/Wüst. – Tore: 30. Arlbrandt (Niklas Olausson, Herburger) 1:0. 45. Geering (Nilsson, Tallinder/Ausschluss Gaetan Haas) 1:1. 53. Wetzel 2:1. 60. (59:44) Arlbrandt (Niklas Olausson/Ausschluss Bergeron) 3:1 (ins leere Tor). – Strafen: 2mal 2 Minuten gegen Biel, 3mal 2 Minuten gegen ZSC Lions. – PostFinance-Topskorer: Arlbrandt; Roman Wick.
Biel: Simon Rytz; Gossweiler, Wellinger; Cadonau, Fey; Untersander, Jelovac; Nicholas Steiner, Jecker; Tschantré, Peter, Rossi; Samson, Oliver Kamber, Spylo; Arlbrandt, Niklas Olausson, Herburger; Berthon, Gaetan Haas, Wetzel.
ZSC Lions: Flüeler; Geering, Blindenbacher; Tallinder, Siegenthaler; Bergeron, Schmuckli; Daniel Schnyder; Ryan Keller, Shannon, Roman Wick; Schäppi, Trachsler, Künzle; Bärtschi, Cunti, Nilsson; Chris Baltisberger, Jan Neuenschwander, Senteler; Malgin.
Bemerkungen: Biel ohne Ehrensperger, Rouiller (beide verletzt) und Umicevic (überzähliger Ausländer), ZSC Lions ohne Stoffel, Seger, Fritsche, Bastl (alle verletzt), Smith und Tabacek (beide überzählige Ausländer).

Erstellt: 12.03.2015, 23:39 Uhr

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