Der beste ZSC auf dem Papier – das birgt seine Tücken

Das Team wurde nochmals massiv verstärkt, doch am erfolgreichsten waren die Zürcher zuletzt meist als Aussenseiter.

Das schwere Erbe: Serge Aubins Vorgänger Hans Kossmann stemmt den Pokal.

Das schwere Erbe: Serge Aubins Vorgänger Hans Kossmann stemmt den Pokal. Bild: Keystone

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Über den Wochen vor dem Saisonstart im Eishockey liegt ein magischer Schleier. Noch dürfen alle träumen, noch scheint überall alles möglich. Man hat im Sommer so hart trainiert wie nie, die Wehwehchen sind ausgeheilt, die neuen Spieler wurden schnell integriert, der Teamgeist ist wunderbar, und jeder trägt einen Rucksack voller guter Vorsätze mit sich. Doch dann kommt wieder alles anders als geplant.

Wer hätte vor einem Jahr gedacht, dass Kloten absteigen würde? Dass die ZSC Lions von Rang 7 aus Meister würden, mit einem Nothelfer an der Bande? Dass das Schweizer Nationalteam in Pyeongchang so versagen und an der WM in Kopenhagen nur einen Schuss von Gold entfernt sein würde? Es war eine Saison voller Überraschungen, mit jähen Abstürzen und unverhofften Höhenflügen.

Und alles kam anders

Was die nationale Meisterschaft betraf, so deutete im Herbst letzten Jahres alles auf einen Monolog des mächtigen SCB hin. Der akribische und erfolgsverwöhnte Kari Jalonen hielt die Zügel fest im Griff, Leonardo Genoni schien den Bernern über Jahre Stabilität zu garantieren. Nun hat der Spitzengoalie für 2019 in Zug unterschrieben, und in der Hauptstadt wird hinter vorgehaltener Hand erste Kritik an Jalonen geäussert. Wer sich ganz dem Erfolg verschreibt, Schlüsselspieler auspresst und talentierte Junge zuschauen lässt, braucht auch den Erfolg.

Blindenbacher ist zurück – und wohlauf

Die neuen Lieblinge der Prognostiker sind die ZSC Lions. Kein Experte, der sie nicht mindestens auf Rang 2 getippt hat. Sie haben sich nach ihrem Titel nochmals kräftig verstärkt. Denis Hollenstein und Simon Bodenmann sind zwei Schweizer Topstürmer, Maxim Noreau und Roman Cervenka Ausländer der Businessklasse mit grossem kreativem Potenzial. Zudem ist Severin Blindenbacher zurückgekehrt und wieder wohlauf. Auf dem Papier ist dies wohl der beste ZSC überhaupt. Doch wie sieht es auf dem Eis aus?

Es ist schwer vorstellbar, dass die Zürcher in der Qualifikation nicht vorne mitspielen. Dafür haben sie schlicht zu viel Klasse. Doch genau da liegt für sie die Tücke. Sind sie bereit, an ihre Grenzen zu gehen, wenn es meist auch mit 90 Prozent reicht? Sind sie, die spielerisch keinen Vergleich scheuen müssen, auch kämpferisch Spitze? Könnte sich nach dem Titel bereits wieder Genügsamkeit einnisten?

Klar ist: Sie werden an ihrem Abschneiden im Playoff gemessen werden. In den vier Saisons unter Marc Crawford, in denen sie ein äusserst attraktives Eishockey spielten, gewannen sie die Qualifikation dreimal – im Playoff taten sie sich aber meist schwer. Am besten waren sie jüngst in der entscheidenden Saisonphase als Aussenseiter – drei ihrer letzten vier Titel errangen sie von den Rängen 6 und zweimal 7 aus.

Neuer Rekord an verkauften Saisonkarten?

Die Herausforderung für Serge Aubin ist es, seinem Team einen Stil zu vermitteln, mit dem man auch im Playoff reüssiert, wenn Faktoren wie Härte, Aufopferungsbereitschaft und Einschüchterung in den Vordergrund rücken. Es aber gleichzeitig nicht zu sehr in seiner Kreativität einzuschränken. Der Jungtrainer hat nicht nur ein exzellent besetztes Kader zur Verfügung, sondern auch ein breites. Es ist an ihm, dies zu nutzen, um den Konkurrenzkampf zu befeuern.

Die ZSC Lions geniessen nach ihrem Befreiungsschlag im Playoff wieder viel Kredit, dürften den Rekord an verkauften Saisonkarten (7776) übertreffen. Die Erwartungen sind hoch, und die Zürcher müssen damit klarkommen, wieder in der Rolle der Gejagten zu sein. Betrachtet man die Transferaktivitäten der Konkurrenz, so ist mit einem Zusammenschluss an der Spitze zu rechnen. Biel, Fribourg und Lausanne haben zugelegt, Bern, Lugano und Zug ihr Niveau gehalten. Eines haben die letzten Jahre immer wieder gezeigt: Leidenschaft schlägt Talent. Deshalb liegen die Prognostiker auch immer wieder daneben.

Erstellt: 21.09.2018, 19:24 Uhr

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