Der grosse Abend der Verschmähten

Die ZSC Lions siegen in Ambri 3:2 in der Verlängerung. Dabei spielen ausgerechnet Daniel Guntern und Mattia Hinterkircher Schlüsselrollen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Geschichte vom Spengler-Cup-Blues ist ein Dauerbrenner. Doch vor einem Jahr entlarvte sie die «Südostschweiz» anhand des Punkteschnitts des HCD im Januar als Mär. Die Bündner punkteten in der jüngeren Vergangenheit in den vier Wochen nach ihrem Heimturnier meist fleissiger als in den anderen Saisonmonaten. Gut, der HCD ist sich den Umgang mit dem Spengler-Cup auch gewöhnt. Aber wie würde Ambri mit der Zusatzarbeit über die Festtage umgehen?

Die Tessiner hatten im Kurort begeistert, mit Ufa und Turku zwei grosse Namen im europäischen Eishockey geschlagen. Doch am 2. Januar prallten sie in Lausanne (1:5) hart auf in der Realität der Meisterschaft. Das sei eine gute Lektion gewesen, fand Coach Luca Cereda, der immer wieder die richtigen Worte findet. Und gegen die ZSC Lions zeigten die Leventiner in der Tat eine Reaktion, waren sie 40 Minuten das bessere, aktivere Team. Doch weil ihnen dann die Kraft ausging, reichte es nur zu einem Punkt, zu einem 2:3 in Overtime.

Der überragende Pius Suter an allen ZSC-Toren beteiligt

Die Schlüsselfigur in der stimmungsvollen Valascia, die mit über 6000 Zuschauern gut besetzt war, hiess Pius Suter. Der ZSC-Flügel, der in Abwesenheit des verletzten Roe den Goldhelm trug, war an allen drei Zürcher Toren beteiligt. Suter bereitete das 1:1 Martis (45.) vor, erzielte das 2:1 (48.) selber und legte in der Verlängerung ab zu Captain Geering, der nach 30 Sekunden zum 3:2-Siegestor traf. Es war für Geering im 33. Saisonspiel das erste Tor.

Dass es für die ZSC Lions nicht drei Punkte wurden, verhinderte ausgerechnet ein Zürcher: Mattia Hinterkircher glich 107 Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit in Überzahl auf 2:2 aus. Der Enkel von Heinz Hinterkircher, des ZSC-Meisterstürmers 1949, hatte Mitte Dezember um die Auflösung seines Vertrags gebeten und sich Ambri angeschlossen. Bei den Leventinern erhält er mehr Vertrauen, darf er im Powerplay vor dem Tor für Unruhe sorgen.

Nebst Hinterkircher stand in der Valascia mit Goalie Daniel Guntern ein weiterer Spieler im Fokus, dem ZSC-Coach Rikard Grönborg kein Vertrauen schenkte. Weil Ortio krank war und sich Flüeler im Warmup am Unterkörper verletzte, durfte der 23-Jährige erstmals in dieser Saison ein National-League-Spiel beginnen. Zuvor hatte er beim ZSC nur einmal kurz Platzhalter spielen dürfen: Am 17. September bei einem 0:3 in Genf wurde er für zwei Minuten eingewechselt, weil Flüeler seinen Schoner befestigen musste.

Daniel Guntern nutzte die Chance, sich zu präsentieren

Obschon er in den letzten Monaten kaum Spielpraxis erhalten hatte, schlug sich Guntern exzellent. Beim 0:1 Müllers (32.) war er chancenlos, beim späten Ausgleich hatte er Pech, dass Hinterkircher der Puck auf den Stock fiel. Guntern wehrte 23 von 25 Schüssen ab und gefiel auch mit seinem Spiel mit dem Puck. Für ihn war es eine gute Gelegenheit, sich zu präsentieren. Denn für nächste Saison hat er noch keinen Vertrag. Die ZSC Lions haben als neue Nummer 2 schon Gottérons Waeber verpflichtet.

Ambris Cereda durfte sich über die Intensität freuen, die sein Team immerhin während zwei Dritteln aufs Eis brachte. Und über die gute Moral, die den Tessinern wenigstens noch einen Punkt bescherte. Doch es war für Ambri, das im Dezember fünf Siege aneinandergereiht hatte, inzwischen die dritte Niederlage nacheinander in der Meisterschaft. Der Rückstand auf den Strich beträgt zwar nur drei Punkte, doch einen Spengler-Cup-Blues können sich die Leventiner nicht leisten. Zu ihrem Glück ist er nur eine Mär.

Ambri-Piotta - ZSC Lions 2:3 n.V. (0:0, 1:0, 1:2, 0:1) 6120 Zuschauer. – SR DiPietro/Judakow, Dreyfus/Wolf.
Tore: 32. Müller (Zwerger) 1:0. 45. Marti (Suter) 1:1. 48. Suter (Pettersson) 1:2. 59. Hinterkircher (Fora/Ausschluss Prassl) 2:2. 61. (60:30) Geering (Suter) 2:3.
Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Ambri-Piotta, 4-mal 2 Minuten gegen ZSC Lions.
Ambri-Piotta: Conz; Plastino, Fischer; Fora, Dotti; Ngoy, Jelovac; Fohrler; D'Agostini, Flynn, Upshall; Neuenschwander, Müller, Zwerger; Trisconi, Goi, Hinterkircher; Incir, Dal Pian, Mazzolini; Pinana.
ZSC Lions: Guntern; Blindenbacher, Geering; Phil Baltisberger, Marti; Trutmann, Berni; Sutter; Pettersson, Krüger, Suter; Bodenmann, Diem, Hollenstein; Chris Baltisberger, Prassl, Sigrist; Simic, Schäppi, Pedretti.
Bemerkungen: Ambri-Piotta ohne Bianchi, Hofer, Kneubuehler, Kostner, Novotny, Rohrbach (alle verletzt), Manzato (krank) und Sabolic (überzähliger Ausländer), ZSC Lions ohne Roe, Wick (beide verletzt), Braun, Noreau und Ortio (alle krank). Flüeler verletzte sich beim Warmup. – Timeout Ambri-Piotta (55.).


Eisbrecher – der Hockey-Podcast von Tamedia

Die Sendung ist zu hören auf Spotify sowie auf Apple Podcast. Oder direkt hier:

Erstellt: 04.01.2020, 22:24 Uhr

Artikel zum Thema

Ein Verteidiger lernt das Toreschiessen

Seit Raphael Diaz trifft, geht es mit dem EV Zug aufwärts. Der Captain ist unser «Spieler des Monats». Aber nicht nur wegen seiner Torserie. Mehr...

SC Bern mit Niederlage beim Schlusslicht

Gegen die Rapperswil-Jona Lakers verlieren die Berner im Penaltyschiessen. Langnau unterliegt Davos in der Overtime. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Sweet Home So selbstverständlich harmonisch

Geldblog Dufte schlafen mit Aromahersteller Givaudan

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Was für eine Plage: Eine Bauernstochter in Kenia versucht mit ihrem Schal Heuschrecken zu verjagen. (24. Januar 2020)
(Bild: Ben Curtis) Mehr...