Der letzte Akt im Strichkampf

Das Fernduell um den letzten Playoff-Platz zwischen dem EHC Biel und den Kloten Flyers geht heute in die letzte Runde. Die Facetten zum Showdown in der NLA sind vielseitig.

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Der Kampf am Strich beansprucht für die involvierten Teams Biel und Kloten das Nervenkostüm. Das kann dazu führen, dass im Hitze des Gefechts oder unmittelbar nach dem Einsatz auf dem Eis Worte aus dem Mund kullern, die nicht reiflich überlegt sind. Marcel Jenni, der Routinier der Flyers, sagte nach dem samstäglichen 5:0-Heimsieg gegen Servette gegenüber der TV-Eishockey-Fraktion aus Leutschenbach: «Wir können nur hoffen, dass Zug die Sache noch ernst nimmt und Charakter zeigt. Nicht wie die Lions, die einfach nicht gewinnen wollten. Das ist unterste Schublade.» Jenni sprach auf die 0:7-Schlappe des ZSC vom Vorabend in Biel an und wies zugleich darauf hin, dass die Zuger am Dienstag im Seeland antreten müssen.

Nun, Jennis Gefühlsausbruch mag im Klotener Anhang für Applaus sorgen, bei der Ligajustiz kommen die verbalen Seitenhiebe nicht gut an. Einzelrichter Reto Steinmann hat ein ordentliches Verfahren gegen Jenni und die EHC Kloten Sport AG eröffnet, weil Artikel 81 des Rechtspflegereglements (Äusserungen im Interview) übertreten wurden. Der Klotener Stürmer dürfte aber dennoch heute Abend in Lugano auflaufen können.

Kein Freundschaftsspiel für den EVZ

Jenni ist bekannt dafür, dass er eine offene Meinung hat und diese auch vertritt. Seine Äusserungen im SRF waren aber in zweierlei Hinsicht unbedacht. «Kein Eishockeyaner will absichtlich verlieren. Wir alle erwischten in Biel einfach einen miserablen Abend», erklärt Andres Ambühl, der den ZSC am Saisonende in Richtung Davos verlassen wird, gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Nach der hohen Niederlage hätten die Spieler das Geschehene noch eingehend analysiert. Schon die Leistung gegen Davos sei dann besser gewesen, obwohl das Spiel knapp verloren worden sei, erklärte das Bündner Energiebündel. Das Debakel im Seeland brachte auch ZSC-Captain Mathias Seger in Rage. Der Schweizer Rekordinternationale und Führer des Löwenrudels sprach nach der Blamage deutliche Worte.

Was die Aussichten des EV Zug betreffen, so hat dieser durchaus Grund, äusserst motiviert in Biel anzutreten. Denn die Zentralschweizer könnten den SC Bern in der Tabelle überholen und mit Rang 2 in der Qualifikation das Heimrecht bis in die Playoff-Halbfinals sichern, was auch in finanzieller Hinsicht ein grosser Anreiz ist. Ungewiss beim Team von Doug Shedden, das in den letzten Wochen positiv überrascht hat und rechtzeitig fürs Meisterschaftsfinale in Form gekommen zu sein scheint, ist der Einsatz von Kämpfer Reto Suri. Der Stürmer hat wie Jenni ein Verfahren am Hals, allerdings nicht wegen eines verbalen Fouls: Suri checkte am Samstag Berns Verteidiger Sämi Kreis in dessen Nacken- und Kopfbereich. Die Ligajustiz wird bei dieser übermotivierten und üblen Aktion kaum Gnade vor Recht walten lassen und den Zuger wohl schon für die heutige Partie superprovisorisch sperren.

Die Vorteile des Schläpfer-Teams

Aber wer wird das Rennen machen, Biel oder Kloten? Vieles spricht für die Seeländer. Da wäre der Heimvorteil und der Vorsprung von einem Punkt auf die Zürcher. Da wäre der Fakt, dass es die Equipe von Kevin Schläpfer aus eigener Kraft schaffen kann, das letzte Playoff-Ticket zu sichern. Da wäre die Erfahrung der Mannschaft in den letzten Jahren sowohl im Kampf am Strich sowie im Kampf um den Ligaerhalt. Schläpfer und seine Männer wissen, was es bedeutet, wenn man das Messer am Hals hat.

Und da wäre noch die private Situation des Trainers: Der unerwartete Tod von Mutter Edith (Herzstillstand) hat die Spieler von Schläpfer noch enger zusammengeschweisst. Das Publikum seinerseits wird das heimische Team lautstark unterstützen, was in heiklen Situationen nochmals Energien freisetzen kann. Es ist eine stimmungsvolle Ambiance in der alten Bieler Eishalle zu erwarten. «Es ist für uns eine Ehre, dass wir in der 50. NLA-Runde im Playoff-Kampf noch voll dabei sind», umriss Schläpfer die Situation seiner Mannschaft nach dem knappen Derby-Sieg in Langnau. Der Coach wollte damit sagen: In Biel blickt man konzentriert, aber auch mit einer gewissen Gelassenheit dem Showdown entgegen.

So weit, so gut aus Sicht der Bieler. Gegen sie spricht allerdings die Statistik. Seit Schläpfer den EHCB führt (2010), verlor er 13 von 16 Duellen gegen Sheddens Zug. Der EVZ ist also so etwas wie ein Angstgegner der Seeländer. Und die Zuger sind gut drauf: Sie gewannen zuletzt 6 ihrer 7 Begegnungen.

Die Forderung von Huras

Die Flyers dürfen sich auf solche Rechnereien nicht einlassen. «Wir müssen uns zuerst einmal ganz auf uns konzentrieren und Lugano schlagen», lautet das Credo von Alt-Neo-Trainer Felix Hollenstein. Kloten, das ohne den finnischen Center Tommi Santala (Hirnerschütterung) antreten muss, ist gezwungen, in der Resega einen Punkt mehr zu holen als das achtplatzierte Biel. Ein Vorteil für die Zürcher Unterländer ist, dass sie bei Punktgleichheit wegen der besseren Tordifferenz vorne liegen.

Dass die Tessiner im letzten Auftritt der Regular Season gütig Spalier stehen, ist nicht anzunehmen. Headcoach Larry Huras hat im «Tages-Anzeiger» angekündigt, dass «wir das Spiel gegen die Flyers so angehen müssen wie eine Playoff-Partie. Man kann nicht einfach umschalten, wenn es am Samstag losgeht». Die Luganesi spüren den erstarkten HC Davos im Nacken und wollen Rang 5 in der Tabelle verteidigen, damit sie im Viertelfinal auf die zuletzt keineswegs überzeugenden Lions treffen. Pikant: Im Tor Luganos steht heute Abend Michael Flückiger, der zuletzt drei Jahre lang Ersatzgoalie bei den Fliegern war. Er wird sich über mangelnde Arbeit kaum beklagen: Mit Ausnahme des missglückten Startdrittels am Freitag bei Fribourg hat das Team von Hollenstein solides und diszipliniertes Eishockey gezeigt. Die Flyers sind wieder kompakt. Sie wären im Falle einer Playoff-Qualifikation für Gottéron ein äusserst unangenehmer Gegner.

Die einzige Prognose, die man vor dem letzten Akt im Strichduell wagen kann, ist folgende: Die Sache ist noch nicht gegessen. Aber es tut diesem oft kritisierten Meisterschaftsmarathon über 50 Runden gut, wenn Spannung bis zum Schluss herrscht.

Erstellt: 26.02.2013, 14:50 Uhr

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NLA, 50. Runde: Rapperswil-Jona Lakers - Fribourg (19.45 Uhr). Davos - Ambri-Piotta (19.45). Lugano - Kloten Flyers (19.45). Bern - ZSC Lions (19.45). SCL Tigers - Genf-Servette (19.45). Biel - Zug (19.45).

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